Stand: 08.04.2016 15:20 Uhr

Unterwegs auf der Boxenstopp-Route

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Grün-gelbe Wegweiser erleichtern die Orientierung.

Mit einem Boxenstopp beim Autorennen hat die gleichnamige Radtour im Oldenburger Münsterland nur wenig gemeinsam. Sie verdankt ihren Namen den zahlreichen Raststationen, die mit Sehenswürdigkeiten, Produkten aus der Region, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten sowie ländlichen Aktiv- und Kulturangeboten locken. Grün-gelbe, mit einer Windrose versehene Schilder führen Radler in beiden Richtungen durch eine meist flache Moor- und Geestlandschaft. Von der Hauptstrecke zweigen mehrere Nebenrouten oder Stichwege zu Boxenstopp-Betrieben ab. Die 300 Kilometer lange Rundtour beginnt und endet in Cloppenburg. Einzelne Abschnitte eignen sich auch für Tagesausflüge.

Karte: Radtour Boxenstopp-Route (grober Verlauf)

Cloppenburg - Barßel (53 Kilometer)

Die Tour im Überblick

Länge: 306 Kilometer
Start und Ziel: Cloppenburg oder jeder andere Ort an der Rundstrecke
Orte an der Strecke: Barßel, Friesoythe, Saterland, Essen, Damme, Lohne, Vechta
Markierung: in beiden Richtungen mit grün-gelben Schildern gekennzeichnet

Cloppenburg, die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, ist für ihr Freilichtmuseum bekannt, dem ältesten Deutschlands. Seit 1934 bewahrt es ländliche Baudenkmäler aus Niedersachsen: Bauernhöfe, Scheunen, Ställe, Wohnhäuser mit Mobiliar, historische Handwerksbetriebe, Windmühlen, ein Brauhaus und eine Kirche - insgesamt mehr als 50 Originalgebäude. Besucher können die alten Gebäude nicht nur besichtigen, sondern auch Handwerkern über die Schulter schauen und so etwas über das Leben der Menschen in vergangenen Jahrhunderten erfahren.

Freizeitpark an der Talsperre

Von Cloppenburg aus führt die Boxenstopp-Route zur Thülsfelder Talsperre. Am besten lässt sich das Naturschutzgebiet um die Talsperre auf einem Rundweg erkunden. Mitten im Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre liegt zudem der Tier- und Freizeitpark Thüle. Rund 600 einheimische und exotische Tiere aus etwa 120 Arten sind dort zu Hause. Außerdem gibt es verschiedene Fahrgeschäfte etwa eine Familien-Achterbahn.

Friesoythe, die Stadt mit Herz

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Radeln am und über dem Wasser: Brücke über die Hunte.

"Stadt mit Herz ... und nette Leute" - mit diesem Slogan wirbt Friesoythe, die nächste Stadt auf der ersten Etappe. Die ehemalige Hansestadt besitzt bereits seit 1308 die Stadtrechte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ort fast vollständig zerstört, nur wenig alte Bausubstanz blieb erhalten. Dazu zählen die heute zum Rathaus am Stadtpark gehörenden Gebäude "Altes Amtsgericht", "Altes Amtshaus" und das "Neue Amtshaus". Ein Bronzemodell vor der St.-Marien-Kirche zeigt, wie Friesoythe im 15. Jahrhundert mit seinen drei Stadttoren ausgesehen hat. Das Postgeschichtliche Museum informiert auf 200 Quadratmetern über die deutsche und regionale Post- und Kommunikationsgeschichte von 1750 bis heute. Bis ins 17. Jahrhundert war Friesoythe für seine Schmiedeprodukte im Norden bekannt. Vor dem Kulturzentrum Alte Wassermühle erinnert eine fünf Meter große Skulptur an das Schmiedehandwerk.

Bootsfahrt auf Fehnkanälen

Die Boxenstopp-Route führt nun in das Erholungsgebiet Barßel-Saterland, zum Ziel der ersten Etappe: Barßel. Mehr als 60 Kilometer Wasserläufe, Flüsse und Fehnkanäle (Fehn = niederländisch für Moor) kennzeichnen das Erholungsgebiet. Neben Paddeltouren kann man das Gebiet auch bei einer Bootsfahrt erleben, die über das Barßeler Tief, Soeste, Leda, Jümme und weitere Gewässer führt.

Barßel - Lindern (55 Kilometer)

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Eine der schönsten Schifffahrtsstrecken im Norden: der Elisabethfehnkanal.

Von Barßel aus geht es auf dem zweiten Streckenabschnitt zunächst nach Elisabethfehn mit dem Moor- und Fehnmuseum, das direkt am gleichnamigen historischen Kanal liegt. Interessierte können sich hier über die Geschichte des Torfabbaus in der Region informieren. Bei einem Rundgang durch das Freigelände lernen sie im Moorlehrgarten zahlreiche Pflanzen kennen und können ihren Füßen im Moortretbecken eine Erholung gönnen. Der Elisabethfehnkanal ist der einzige noch voll schiffbare Fehnkanal in Deutschland. Mit seinen sieben typischen Klappbrücken und vier handbetriebenen Schleusen ist er eine der reizvollsten Schifffahrtsstrecken im Norden.

Besuch auf einer Sprachinsel

Nächste Station der Tour ist die kleinste Sprachinsel Europas. In der Gemeinde Saterland ist für rund 2.000 Menschen Altfriesisch die Muttersprache, während sie im eigentlichen Kernland Ostfriesland ausgestorben ist. Zweisprachige Ortseingangsschilder machen die Besonderheit der Region deutlich. Vorbei am Oster- und Westermoor ändert sich die Landschaft auf dem Weg nach Lindern. Die Geest mit Waldgebieten bestimmt südlich des Saterlands das Bild. Mehrere große Hünengräber bezeugen, dass die Gegend bereits seit dem dritten Jahrtausend vor Christus besiedelt war.

Lindern - Essen/Oldenburg (53 Kilometer)

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Moor und Geest, Wald und Wiesen prägen die Landschaft an der Boxenstopp-Route.

Von Lindern aus führt der dritte Streckenabschnitt - ohne jegliche Steigungen - durch Felder und Wiesen nach Löningen. Ab hier verläuft die Strecke an der Hase entlang. Das Erholungsgebiet Hasetal hat sich überregional als "Radfahrparadies" einen Namen gemacht. Die 170 Kilometer lange Hase, die im Teutoburger Wald entspringt und in Meppen in die Ems mündet, eignet sich übrigens auch zum Kanufahren oder Paddeln. Das Hasetal bietet vielen seltenen Pflanzen und Tieren wie Eisvogel oder Biber einen idealen Lebensraum. Wer eine Radelpause einlegen und die Umgebung genießen möchte, kann unter Dampf durch das Tal der Hase fahren. An ausgewählten Wochenenden verkehrt eine Museumseisenbahn und nimmt auch Radfahrer an den verschiedenen Haltestellen mit. Der Zielort Essen/Oldenburg lädt mit einem idyllischen Zentrum ein: Um das Rathaus und die Kirche St. Bartholomäus gruppieren sich alte Fachwerkhäuser.