Stand: 22.05.2015 09:34 Uhr

In Lübeck trifft Mittelalter auf Moderne

von Irene Altenmüller, NDR.de

Lübeck entkommt man nicht. Selbst wer die Stadt an der Trave nie besucht hat, kennt zumindest einige ihrer Wahrzeichen: das weltbekannte Marzipan oder die berühmte Stadtsilhouette mit den sieben Türmen, die zum Frühstück vom Marmeladenglas grüßt. Oder auch das Holstentor, das auf vielen deutschen Zwei-Euro-Münzen prangt. 1987 erklärte die UNESCO das einzigartige Lübecker Altstadt-Ensemble mit seinen rund 1.800 denkmalgeschützten Gebäuden, den verwinkelten Gängevierteln und historischen Gassen zum Weltkulturerbe.

Lübecker Impressionen

Wer die Altstadt vom Bahnhof im Westen aus betritt, passiert zunächst das Holstentor. Mit seinen zwei trutzig anmutenden Wehrtürmen zählt es zu den imposantesten Stadttoren Deutschlands. Hinter dem mächtigen Backsteinbau führt eine Brücke über die Trave auf die Altstadtinsel. Dort ragen die Türme von St. Marien, St. Petri, St. Aegidien und des Lübecker Doms auf, allesamt bedeutende Kirchen der Backsteingotik.

Geschichte

Das Holstentor - Lübecks stolzes Wahrzeichen

Das mittelalterliche Stadttor symbolisierte einst Macht und Reichtum der Hansestadt. Heute sind in dem Bau Schiffsmodelle und Folterinstrumente zu sehen. mehr

Steinernes Märchen

Von der 50 Meter hoch gelegenen Aussichtsplattform auf dem Turm der Petrikirche kann man sich einen Überblick über die Altstadt verschaffen. Von dort schweift der Blick über ein Meer aus roten Dachziegeln und Backstein - bei schönem Wetter bis nach Travemünde und zur Ostsee. Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Petri schwer zerstört und erst 1987 vollständig wieder aufgebaut. Seither dient die Kirche als Kulturstätte für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte.

Nur wenige Schritte entfernt liegt Lübecks Marktplatz mit dem Rathaus. Es gilt als eines der schönsten und ältesten Rathäuser Deutschlands und ist eigentlich ein Ensemble verschiedener Bauteile, von denen die ältesten noch aus dem 13. Jahrhundert stammen. Auffallend ist die spätgotische Schauwand aus dem 15. Jahrhundert mit ihren runden Löchern und der 150 Jahre später angebauten Renaissancelaube auf der Marktseite. Ein historischer Reisebericht bezeichnete das Lübecker Rathaus einmal als "steinernes Märchen".

Machtsymbole in Backsteinform

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Imposante Backsteinkirchen prägen das Bild der Lübecker Altstadt.

Macht und Selbstbewusstsein des Lübecker Bürgertums fanden ihren sichtbaren Ausdruck aber nicht nur im Rathaus, sondern auch in der direkt neben Markt und Rathaus erbauten Marienkirche. Mit ihrem fast 40 Meter hohen Hauptschiff und den beiden 125 Meter hohen Türmen ist sie die drittgrößte Kirche Deutschlands und die erste, bei der die gotische Formensprache in Backstein statt Naturstein umgesetzt wurde. Die monumentale Ratskirche sollte ein sichtbares Gegengewicht zum romanischen Dom am Südzipfel der Altstadtinsel darstellen, der die Macht des Bischofs verkörperte und die Marienkirche an Länge übertrifft.

Die Aegidienkirche, die Kirche der Handwerker und Kämmerer, und die Jakobikirche runden das Ensemble imposanter Backsteinarchitektur ab. Als Kirche der Schiffer und Seefahrer beherbergt St. Jakobi in einer Seitenkapelle das Wrack eines Rettungsbootes des 1957 gesunkenen Segelschulschiffes "Pamir". Nur sechs der 86 Seemänner überlebten damals die Katastrophe.

Quiz

Hanse, Hafen, Holstentor - Kennen Sie Lübeck?

Seit dem Mittelalter pflegt Lübeck seine hanseatische Tradition und bewahrt sie liebevoll auf der Altstadtinsel. Was wissen Sie über die Hansestadt? Testen Sie sich im Quiz! Quiz