Stand: 25.05.2013 15:35 Uhr

Kunst und Kultur im Klosterdorf Cismar

von Britta Probol
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Kloster Cismar auf einem Ölgemälde von Friedrich Öloos aus dem Jahre 1860.

Vom Ostseebad Grömitz auf der wagrischen Halbinsel ist der kleine, aber geschichtsreiche Ort Cismar nur eine kurze Radtour oder einen ausgedehnten Spaziergang entfernt. Das 800-Einwohner-Dorf hat sich zu einem wahren Künstlersitz entwickelt: Hier leben und arbeiten zahlreiche Kunsthandwerker, Literatur- und Kunstschaffende. Dichterin Doris Runge beispielsweise organisiert im "Weißen Haus" in Cismar regelmäßig Lesungen bedeutender Gegenwartsautoren. Eine Handvoll Galerien lädt zum Schauen ein und auch in manchen Ateliers und Werkstätten können Besucher den Kreativen über die Schulter blicken.

Das Kloster - Schatz der Backsteingotik

Cismars Wahrzeichen ist seine ehemalige Benediktinerabtei. Das im Stil der Backsteingotik ausgeführte Kloster Cismar ist die größte und bedeutendste mittelalterliche Abtei in Ostholstein. Ihre Gründung entspringt sozusagen erzieherischen Motiven: Die Mönche aus dem Lübecker Johanniskloster wurden hierher strafversetzt, nachdem ihre angeblich unsittliche Lebensweise jahrelang Anstoß erregt hatte. In mehreren Bauetappen entstand zwischen 1245 und etwa 1330 die um einen viereckigen Innenhof gruppierte Anlage, umgeben von einem Wassergraben und Erdwällen. Den Nordriegel bildet die hohe, einschiffige Abteikirche, die nach Westen mit einem Treppengiebel abschließt - ohne Glockenturm. Der Westflügel ist heute nicht mehr erhalten, der Kreuzgang nur noch in Umrissen.

Säkularisierung der Abtei

Cismar teilte das Schicksal vieler Klöster: 1561 wurde die Abtei aufgelöst.

Als die Reformation den Norden erreichte, teilte Cismar das Schicksal vieler Klöster: Es verwaiste. 1561 wurde die Abtei aufgelöst. Der Schatz an Bibeln und Folianten landete in der Kopenhagener Staatsbibliothek, wo er sich großteils noch heute befindet. Die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf traten das Erbe der Mönche an - sie verlegten eine Residenz in den Gebäudekomplex. Später, im 18. Jahrhundert, ließen sie den ehemaligen Laienabschnitt im Westen im Barockstil umbauen und als Wohnung des Amtmanns einrichten. Er wurde seither als Verwaltungssitz genutzt - nacheinander von den gottorfischen, dänischen und schließlich preußischen Herrschern.

Kunst und Kultur im Kloster

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In Cismar schrieb Johannes Stricker ein Theaterstück über das Verderben eines reichen Mannes.

Heute veranstaltet das Landesmuseum Schleswig-Holstein in dem barocken Gebäude im Sommer Kunstausstellungen. Kloster Cismar ist seit einer Grundsanierung in den 80er-Jahren ein kulturelles Zentrum, seit 1999 Dependance der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. In den Nebengebäuden wohnen und arbeiten jetzt Landesstipendiaten aller künstlerischen Gattungen. Der Gewölbesaal der Klosterkirche gibt den stimmungsvollen Rahmen vor allem für Kammerkonzerte. Und im ehemaligen Refektorium der Mönche befindet sich das Klostercafé, das von Ostern bis Oktober geöffnet ist. Jedes Jahr am zweiten August-Wochenende steigt das "Klosterfest" mit mehr als 100 Ständen. Das Angebot an kulinarischen Raffinessen und vor allem an traditionellem Kunsthandwerk lockt seit 1980 jährlich etwa 80.000 Besucher an.

Cismars mittelniederdeutscher "Jedermann"

Kloster Cismar

Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf
Kloster Cismar
Bäderstraße 42
23743 Grömitz / Cismar
Tel. (04366) 10 80

Öffnungszeiten
April - Oktober
Di bis So: 10-17 Uhr

Für Literatur- und Theaterfreunde birgt Cismar noch eine weitere Attraktion: Der plattdütsche "Jedermann" hat hier seine Wurzeln. "De düdesche Schlömer" ist eines der wichtigsten Werke der mittelniederdeutschen Literatur. Geschrieben wurde das Stück von Johannes Stricker, der in Cismar von 1561 bis 1572 als erster evangelischer Pastor wirkte. Der Mann Gottes wurde nicht müde, zügellose Zustände auf den Gutshöfen der Gegend anzuprangern, und deshalb letztlich von der Kanzel gejagt. Im Nachbarort Grube schrieb er daraufhin sein Theaterstück über das Verderben des reichen Mannes. An der Bäderstraße erinnert eine Bronzeplastik - mit den Figuren Buhlin, Schlömer und dem mahnenden Pfarrer - an Pastor Stricker und sein Werk. Und immer mal wieder wird das Stück "De düdesche Schlömer" in der Klosterkirche Cismar aufgeführt.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.05.2013 | 19:30 Uhr

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