Stand: 13.10.2015 12:59 Uhr  | Archiv

Ostfriesland - Türme, Tee und Orgeln

Ihre Freiheit mussten sich die Friesen im Lauf der Jahrhunderte hart erkämpfen. Die Angriffe der Normannen wehrten sie ebenso ab wie die Begehrlichkeiten sächsischer und westfälischer Grafen. "Eala frya Fresena" hieß der spätmittelalterliche Gruß in Friesland - "Seid gegrüßt, freie Friesen", und so ist es auch heute noch im Wappen Ostfrieslands zu lesen. 

Das Land der Häuptlinge

Bild vergrößern
Das Wasserschloss in Dornum ist auch als Norderburg bekannt.

Von den harten Kämpfen um die Freiheit zeugen die zahlreichen Befestigungsanlagen der Region. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts wurden wohlhabende und einflussreiche Bürger, die Anführer ihres Dorfes oder Landstrichs waren, Häuptlinge genannt. Manchen gelang es, ihre Steinhäuser mit Gräben und Mauern zu stattlichen Burgen auszubauen. Ein Beispiel ist die Beninga-Burg in Dornum. Wo vor 500 Jahren Ostfriesen-Häuptlinge residierten, gastieren heute Hotelgäste. Wahrzeichen des 1.000-Einwohner-Ortes Dornum ist das Wasserschloss Norderburg, ein ehemals hochherrschaftliches Feriendomizil, das ausschließlich für repräsentative Zwecke errichtet wurde. Heute ist hier die Dornumer Realschule untergebracht, das Hauptschloss dient aber auch als Ausstellungsort. Auch die barocke Kirche ist einen Besuch wert. Besonders beachtlich ist die Orgel mit ihren mehr als 1.700 Pfeifen. Sie wurde von einem Schüler Arp Schnitgers - dem berühmtesten Orgelbauer Norddeutschlands - gebaut.

Die meisten Orgeln der Welt

Wer noch mehr über die Vielzahl ostfriesischer Kirchenorgeln erfahren möchte, sollte einen Abstecher nach Weener unternehmen. In der Weener Kirche gibt es eine original Schnitger-Orgel. Die Geschichte und Funktionsweise der Kircheninstrumente erklärt das Organeum in Weener, das halb Museum, halb Bildungseinrichtung ist. Immerhin gilt Ostfriesland als orgelreichste Gegend der Welt. 150 wertvolle Instrumente verteilen sich auf die Kirchen der Region. Neben zahlreichen Orgeln gibt es im Organeum aber auch etliche andere Instrumente zu sehen. Gut zwei Dutzend Tasteninstrumente aus sieben Jahrhunderten sind hier zusammengetragen, darunter auch ein wertvolles Cembalo aus dem Jahr 1741. Seine Heimat hat das Organeum in einer prächtigen Villa aus dem späten 19. Jahrhundert gefunden - nur 75 Meter von der Weener Kirche entfernt.

Die schiefen Türme

Bild vergrößern
In Suurhusen steht der schiefste Turm der Welt.

Weniger durch ihre Orgel, sondern vor allem durch ihren Glockenturm ist die Kirche von Suurhusen weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus bekannt. Denn mit 2,34 Metern Überhang bei einer Höhe von 27,37 Metern gilt er als schiefster Turm der Welt, bestätigt vom Guinness-Buch der Rekorde. Besonders aus östlicher Richtung ist die Neigung deutlich sichtbar.

Der Boden trägt nicht

Der Suurhusener Glockenturm ist aber nicht der einzige schiefe Turm der Region. Auch der 800 Jahre alte Kirchturm in Midlum ist rekordverdächtig schief. Immerhin muss er durch einen großen, gemauerten Backsteinkeil gestützt werden. Auch in Groothusen verhindert ein Keil, dass der Kirchturm umstürzt. In Uttum war es dafür zu spät. Um den Reichtum der Häuptlinge zu zeigen, wurde an die Kirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts im 16. Jahrhundert ein mächtiger Turm angebaut. Ein Sturm zerstörte 1930 den oberen Teil des Turmes, der daraufhin gestutzt wurde.

Gulfhöfe: Alles unter einem Dach

Vorderhaus eines typischen ostfriesischen Gulfhofes.

Genau wie die mächtigen Backsteinkirchen sind auch die großen Gulfhöfe typisch für Ostfriesland. Seit dem 16. Jahrhundert wurden die Häuser mit den großen Dachflächen in der gesamten Region gebaut. Nachdem es gelungen war, die Marschen zu entwässern und für den Getreideanbau zu nutzen, benötigten die Bauern Räumlichkeiten, um die Ernte zu lagern. Im typischen Gulfhaus sind das Vorderhaus mit dem Wohnbereich sowie der Stall und Scheunenbereich unter einem großen Dach angelegt.

Viele Höfe noch in Betrieb

Im Zentrum des Scheunentraktes liegt zwischen den vier Ständern des Hauses der quadratische Gulf. Dort wurden in der Vergangenheit Ernte, Heu und landwirtschaftliche Gerätschaften gelagert. Noch immer werden in Ostfriesland zahlreiche Gulfhöfe bewirtschaftet, andere wurden zu Hotels oder großzügigen Wohnhäusern umgebaut. Viele Gulfhäuser stehen heute unter Denkmalschutz. Bei einem gemütlichen Spaziergang durch ein traditionelles Warftendorf lassen sich die schönen Fronten der großen Häuser in Ruhe betrachten.

Dieses Thema im Programm:

Landpartie - Im Norden unterwegs | 06.11.2016 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

04:01

Musical-Tipps aus Hamburg

16.12.2017 18:00 Uhr
Nordtour
28:44

Tipps zum Einkochen, Einwecken, Fermentieren

17.12.2017 16:30 Uhr
Iss besser!
02:42

Vögel richtig füttern

14.12.2017 16:20 Uhr
NDR Fernsehen