Stand: 13.10.2015 09:37 Uhr

Auf den Spuren des Mittelalters in Bardowick

von Britta Probol, NDR.de

Bardowick ist ein stolzes Dorf. Nicht nur, weil sein Spargel und sein Erntedankfest - das größte im ganzen Norden - weit über die Lüneburger Heide hinaus bekannt sind. Sondern vor allem, weil die Bardowicker auf eine große Geschichte zurückblicken. Der mächtige Dom und andere mittelalterliche Spuren bezeugen noch heute, welchen Glanz die 6.500-Seelen-Gemeinde vor Tausend Jahren ausgestrahlt haben muss. Eine Tour auf dem rund sechs Kilometer langen historischen Rundweg lohnt sich.

Historischer Rundgang durch Bardowick

Florierender Handelsplatz

Um 1100 stand Bardowick in voller wirtschaftlicher Blüte. Seine umwallte Fläche war damals dreimal größer als die der legendären Wikingerstadt Haithabu. Verkehrstechnisch günstig gelegen in der Ilmenauniederung, an der Grenze von Franken- und Sachsenreich, hatte der Marktflecken sich zu einer Drehscheibe des Fernhandels mit eigenen Münz- und Zollrechten entwickelt. Das schon im 8. Jahrhundert erstmals erwähnte Bardowick - Historiker vermuten, dass sich der Name vom hier ansässigen Germanenstamm der Langobarden ableitet - hielt seit 972 das Stadtrecht. Zahlreiche Kaufleute siedelten sich an, das Lüneburger Salz wurde hier auf Kähne geladen und Richtung Elbe verschifft.

Doch Bardowicks Stern begann zu sinken, als die deutschen Fürsten die Slawen im Norden und Osten zurückdrängten und sich einen Zugang zur Ostsee eroberten. Bardowicks Herr, der Welfenherzog Heinrich der Löwe, förderte nun vor allem den wichtigen Hafen Lübeck und baute ihn ab 1157 zur Stadt aus.

Ein Bulle besiegelt das Schicksal des Ortes

Der Sage nach war es ein Bulle, der Bardowick schließlich das Verderben brachte. Da sich die Bewohner gegen ihn aufgelehnt hatten, belagerte Heinrich der Löwe im Oktober 1189 tagelang die Stadt. Von den Schutzwällen hinab sollen die beleidigten Bardowicker dem Herzog und seinen Truppen den nackten Mors gezeigt haben - diese Szene, die sogenannte Gesäßhuldigung, ist auf dem Schweriner Löwendenkmal verewigt.

Nach zwei Tagen verirrte sich ein Bulle zum Heer Heinrichs, das jenseits der Ilmenau campierte. Jemand kam auf die Idee, dem Tier zu folgen, das offensichtlich aus Bardowick kam und eine flache Stelle im Fluss genutzt haben musste. Tatsächlich trabte der Bulle zurück in die Stadt und führte so die Welfentruppen durch die Furt. Am 28. Oktober 1189, dem Tag der Apostel Simon und Judas, legten sie Bardowick in Schutt und Asche. Von diesem Schlag erholte sich der Domflecken nie mehr.

Pfennig markiert historischen Rundweg

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Im ehemaligen Gildehaus ist heute das Heimatmuseum untergebracht. Es dokumentiert die Geschichte des Ortes.

Bei Grabungen tauchen immer wieder Relikte aus Bardowicks glanzvoller Vergangenheit auf. Ein Faksimile des sogenannten Bardowicker Pfennigs, der damals hier geprägt wurde, markiert heute den historischen Rundweg durch die Gemeinde. Abrunden lässt sich ein Spaziergang auf den Spuren der Geschichte gut mit einem Besuch im Heimatmuseum Gildehaus. Es ist in einem niedersächsischen Zweiständerhaus untergebracht und informiert über die bewegte Historie des Ortes und das Leben der Menschen auf dem Land.

Weitere Informationen

Die Orgel im Bardowicker Dom

Eine moderne Orgel im historischen Gewand: Das Instrument auf der Westempore des Doms St. Peter und Paul in Bardowick bei Lüneburg wurde erst 2012 eingeweiht. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 17.10.2015 | 18:00 Uhr

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