Stand: 29.11.2016 09:50 Uhr

"Weißes Gold" brachte Lüneburg den Wohlstand

von Janine Kühl, NDR.de

"Vom Kaiser bis zum Bettelmann, keiner Salz entbehren kann." Salz war im Mittelalter ein kostbares Gut, wie dieses alte Sprichwort zeigt. Das "weiße Gold" konnte nicht nur Einzelnen zu Reichtum, sondern einer ganzen Stadt zu Wohlstand und Wachstum verhelfen. Das Deutsche Salzmuseum in Lüneburg zeigt, wie das Salz rund 1.000 Jahre lang die Geschichte der Stadt beeinflusste.

Ein Rundgang auf der Spur des Salzes

Ausstellung im ehemaligen Siedehaus

Seinen Platz hat das Museum an historischer Stelle: In einem ehemaligen Siedehaus der Lüneburger Saline, die bis 1980 in Betrieb war. Ein sechs Tonnen schwerer Brocken Steinsalz dominiert den ersten Ausstellungsraum, eine große ehemalige Fabrikhalle. Wie und wo entsteht eigentlich Salz? Wozu brauchen wir es? Wie viel Salz steckt in unseren Nahrungsmitteln? Und wo kommt Salz in der Industrie zum Einsatz? Schautafeln mit Grafiken und gut verständlichen Texten geben Antworten.  

Ein Fass Salz für fünf Fässer Heringe

Ebenfalls in der Fabrikhalle thematisiert das Museum den Aufstieg der Stadt Lüneburg: Ab etwa 965 förderten die Menschen dort Salz aus der Erde. Der Legende nach kamen sie dem "weißen Gold" durch die so genannte Salzsau auf die Spur, deren Fell sich durch ausgetretenes Salz weiß gefärbt hatte. Hauptabnehmer des Salzes war Lübeck, denn mit einem Fass Salz ließen sich fünf Fässer Heringe haltbar machen. Eine kleiner Film erzählt knapp und informativ, wie die Lüneburger vom regen Handel profitierten. Der brach um 1600 ein, als billigeres Salz aus Südeuropa seinen Weg in den Norden fand.

Im Mittelpunkt: Die Arbeit in der Saline

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Ein Salzsieder führt die Kunst des Salzsiedens vor.

Aber: Wie haben die Lüneburger ihr Salz gewonnen? Über eine Rampe geht es durch einen nachgebauten dunklen Stollen hinab, an dessen Ende sich ein schummriger Raum mit einer Solequelle befindet. Die Dunkelheit und die Enge vermitteln den Eindruck, als sei man tatsächlich in einem Salzbergwerk. In kleinen Räumen veranschaulicht das Museum hier mittels Modellen, Originaldokumenten sowie Nachbauten von Brunnen und Öfen die Arbeit in der Lüneburger Saline.

Beeindruckend ist das Modell des Pumpgestänges von 1782, das die Kraft einer Wassermühle an der Ilmenau über 1,3 Kilometer quer durch die Stadt bis zur Saline übertrug. Per Knopfdruck können Besucher die filigrane Konstruktion in Bewegung setzen.

Entstehung der Salzkristalle beobachten

Daneben beschäftigt sich die Ausstellung mit der Chemie der Salze. Bunte Fotos und Modelle von Salzkristallen zeigen die Vielfalt der in der Natur vorkommenden Salze. Mit einem Videomikroskop können interessierte Besucher Kristalle beim Schmelzen und erneuten Kristallisieren beobachten und sich das Motiv an der Kasse ausdrucken lassen.

Selber Salz sieden

Der ehemalige Waschraum der Salinenarbeiter dient heute als Salzküche für angemeldete Besucher. Wer hier in kleinen Pfannen selbst siedet, weiß hinterher: Ein Liter Lüneburger Sole ergibt 306 Gramm Kochsalz. Anschließend sehen die Besucher in einem nachgebauten Siederaum, wie in mittelalterlichen Siedehäusern Salz in großen Pfannen auf Lehmöfen gesiedet wurde.

Das Herzstück des Museums ist eine 20 Meter lange und acht Meter breite Siedepfanne. Es ist die letzte erhaltene Pfanne der Lüneburger Saline. Ein Video aus der aktiven Zeit zeigt die Siedepfanne im Einsatz.

Transport und Handelswege

Der letzte Abschnitt des Rundgangs widmet sich der Abfüllung und dem Transport des Salzes. Diverse Salzsäcke, eine befüllte Kutsche und der Querschnitt eines mit Salz beladenen Segelschiffes in Originalgröße vermitteln einen lebendigen Eindruck vom vorindustriellen Salzhandel.

Fazit: Lebendig und authentisch

Deutsches Salzmuseum
Sülfmeisterstraße 1
21335 Lüneburg
Tel. (04131) 720 65 13


aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website des Museums

Wer sich etwa anderthalb Stunden Zeit nimmt, erfährt im Deutschen Salzmuseum viel Wissenswertes über Lüneburg und das Salz. Immer wieder haben Besucher die Gelegenheit, selbst tätig zu werden, Salz zu fühlen, zu schmecken oder gar selbst zu sieden. Die Unterbringung des Museums in einem ehemaligen Siedehaus lässt die Ausstellung lebendig und authentisch erscheinen. Die Texte sind gut verständlich. Ein Besuch im Salzmuseum eignet sich auch gut für Familien mit Kindern ab etwa zehn Jahren.

Szene aus Wie geht das?: Ein Haufen Salz liegt am Meeresstrand.

Wie geht das? Das Salz des Nordens

Es kommt aufs Frühstücksei, als Badesalz in die Wanne und sogar in Turnschuhsohlen: Das Salz des Nordens! Wir decken Geheimnisse auf rund um das "weiße Gold".

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