Stand: 24.04.2012 11:16 Uhr  | Archiv

Harzklub will Knochenbrecherweg reaktivieren

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Jährlich erklimmen mehr als eine Million Besucher den 1.141 Meter hohen Brocken im Harz. (Archivbild)

An diesem langen Wochenende zum 1. Mai erwartet die Harz-Region wieder zahlreiche Besucher. Wanderer und Mountainbike-Fahrer pilgern dann hinauf auf Norddeutschlands höchsten Berg, den Brocken. Auf dem obersten Abschnitt teilen sich diese Harz-Besucher dann auf einigen hundert Metern eine nichtöffentliche Straße auch noch mit Lieferfahrzeugen. Das birgt für die Wanderer so manche Gefahren, meint der Heimat- und Naturschutzbund Harzklub. Er fordert einen separaten Wanderweg, damit ein ungefährdeter Aufstieg zum Brocken möglich wird. Diese Idee kommt jedoch nicht überall gut an.

Knochenbrecherweg als Alternative?

Für den Harzklub gibt es zwei Möglichkeiten: entweder eine neue Route anlegen oder den sogenannten Knochenbrecherweg wieder zu eröffnen. Dieser Weg erhielt seinen Namen, als Pferde sich dort auf der steilen Strecke regelmäßig die Knochen brachen. Seit den 1950er-Jahren ist er gesperrt. Nun soll er ab der Knochenbrecherkurve, die vom Goetheweg abgeht, neu zugänglich gemacht werden, so der Wille des Harzklubs. Diese Lösung lehnt jedoch die Nationalparkverwaltung als abwegig ab: "Der Knochenbrecherweg würde durch die Kernzone des Schutzgebietes führen", sagte Sprecher Friedhart Knolle. "Berührt würden erhebliche Teile der absolut schutzwürdigen Waldgrenze."

Schutzgebiet einzigartig

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Der Harzklub will Wanderern künftig einen ungestörten Aufstieg zum Brocken ermöglichen. (Archivbild)

Gerade diese Waldgrenze, die der Knochenbrecherweg berühren würde, muss konsequent geschützt werden: zu diesem Schluss ist der Ökosystemforscher Dietrich Hertel von der Universität Göttingen gekommen. Als nördlichste natürliche alpine Waldgrenze in Zentraleuropa sei sie einzigartig. Auch aus einem internen Referentenpapier des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt geht hervor, dass eine Neuanlage eines Wanderweges mit den Schutzzwecken des Nationalparks Harz nicht vereinbar sei.

Bislang keine Unfälle bekannt

Hinzu kommt, dass der alte Weg sehr anspruchsvoll ist. Gehbehinderte, Senioren und Familien mit Kleinkindern könnten ihn nicht nutzen, so der Nationalparksprecher. Sie wären weiterhin auf die Brockenstraße angewiesen. Knolle sind außerdem keinerlei Klagen von Wanderern bekannt, weil sie diese auf dem letzten Stück ihres Weges gehen müssten. Auch seien keine Verletzte durch Kollisionen mit Fahrzeugen gemeldet worden.

Finanzieren sollen die Pläne, so der Harzklub, die Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Wenig Verständnis zeigt jedoch das niedersächsische Umweltministerium für dessen Ideen. Sprecherin Silke Schaar sagte, es gebe schließlich einen gültigen Wegeplan für den Nationalpark. Und Geld aus Niedersachsen werde auf keinen Fall fließen.

Karte: Der Goetheweg mit Knochenbrecherkurve
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