Cuxhaven
Die Stadt an der Elbmündung ist seit 1816 Seebad. mehr
Knapp 40 Bewohner, eine Inselschule mit sieben Kindern und nur drei Quadratkilometer Fläche: Die Insel Neuwerk ist ein Dorf im Wattenmeer. Rund zehn Kilometer nordwestlich vor Cuxhaven gelegen ist sie bei klarer Sicht vom Festland aus gut zu erkennen. Allerdings gehört Neuwerk mit seinen Nachbarinseln Scharhörn und Nigehörn nicht zu Niedersachsen, sondern zu Hamburg.
Seit mehr als 700 Jahren ist das so - mit einigen Unterbrechungen. Um die Schifffahrtswege zu sichern, erhielt die Hansestadt 1299 von den Herzögen von Sachsen das Recht, ein Gebäude auf der Insel zu bauen. Noch heute steht das älteste erhaltene Bauwerk Hamburgs rund 100 Kilometer Luftlinie vom Rathaus entfernt: der Leuchtturm von Neuwerk. Er ist das Wahrzeichen der Insel, im Süden gelegen und mit 45 Meter Höhe weithin sichtbar.
Der Leuchtturm steht seit 1924 unter Denkmalschutz und beherbergt auch eine Pension.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstand zunächst ein Holzturm. Nach einem Brand begann der Bau eines mächtigen viereckigen Backsteingebäudes. Seitdem steht der Turm sicher auf seinem Fundament aus Felsblöcken. Ursprünglich diente er Hamburg zum Schutz vor Piraten in der Elbmündung, später als Leuchtturm. Ein Leuchtfeuer, das 1814 eingerichtet wurde, funktioniert noch immer. Wichtiger für die Schifffahrt ist heute allerdings der weiße Radarturm am Nordwestufer der Insel. Hinter den meterdicken Mauern des Leuchtturms bietet jetzt eine Pension Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen.
Seit über 700 Jahren wacht der Leuchtturm Neuwerk über Rügen. Er war Bollwerk vor Piraten und sicherer Wegweiser für viele Schiffe. Heute beherbergt er Gäste der Insel.
Von der Aussichtsplattform haben Besucher einen weiten Blick über die Insel und bis zum Festland. In das frühere Haus des Leuchtturmwärters ist 2004 die Nationalpark-Station eingezogen. Neuwerk gehört zum Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, dem kleinsten der drei Nationalparks im deutschen Wattenmeer. Er wurde 1990 eingerichtet. Vor Ort bieten dessen Mitarbeiter und Mitglieder des Vereins Jordsand Insel- und Wattführungen, Vogelbeobachtungen und Exkursionen auf die Salzwiesen, die weite Flächen Neuwerks einnehmen.
Rund 120.000 Besucher kommen pro Jahr auf die Insel, für die meisten ist es ein Tagesausflug. Gut zwei Stunden dauert bei Ebbe die Wanderung von Cuxhaven durch das Watt. Wer es nicht rechtzeitig schafft und von der Flut überrascht wird, kann sich auf Rettungsbaken flüchten. Wattwagen brauchen nur etwa eine Stunde für die Tour. Pferde ziehen die hohen, gelben Wagen auf dem Meeresgrund über den markierten Weg. Eine Wattwagenfahrt gilt bei Cuxhaven-Touristen als Ausflugs-Klassiker. Wer die Insel erreicht hat, kann sie in nur einer Stunde zu Fuß umrunden. Private Autos gibt es nicht.
Ein Teil der Neuwerks ist eingedeicht, andere Flächen überflutet die Nordsee, wenn Sturm das Wasser aufwühlt. Verstreut stehen die wenigen Häuser auf dem grünen Land, nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Dennoch ist alles vorhanden, was ein Dorf braucht: Briefkasten, Feuerwehr, Kläranlage, Sportplatz und natürlich mehrere Lokale und Unterkünfte für Gäste. Auf dem "Friedhof der Namenlosen" sind Tote begraben, die die See angespült hat. Heute finden Beerdigungen auf dem Festland statt.
Sieht romantisch aus, kann aber anstrengend sein. Der Weg durchs verschneite Watt im Winter.
Zwischen März und Oktober besteht täglich eine Schiffsverbindung zwischen Cuxhaven und Neuwerk. Die "Flipper" bringt Touristen und Fracht in etwa anderthalb Stunden auf die Insel. Bis zu 500 Menschen passen an Bord des Schiffs, das einen Tiefgang von nur 1,20 Meter hat und damit für das flache Wasser im Wattenmeer besonders geeignet ist. Der Fahrplan richtet sich nach den Gezeiten. So schwankt die Abfahrtszeit zwischen morgens und nachmittags. Die Gezeiten bestimmen den Rhythmus der Insel. Jedes Jahr ab Ende Oktober ruht der Schiffsverkehr: Winterpause. Dann gibt es nur noch den Weg durch das Watt. Traktoren ziehen die Wagen mit Versorgungsgütern auf die Insel. Und bei Notfällen fliegt ein Hubschrauber ein.