Stand: 22.09.2016 15:36 Uhr

Auf dem Grenzweg durch den Harz wandern

Wandern auf den Spuren der Geschichte. Direkter als auf dem Grenzweg im Harz kann man die jüngste deutsche Vergangenheit kaum erleben. Rund 75 Kilometer zieht sich die Route von Stapelburg im Norden über den Brocken bis zum Grenzlandmuseum in Tettenborn im Süden durch das Mittelgebirge. Die Strecke orientiert sich am "Grünen Band", der früheren Grenze zwischen West und Ost. Der Harzer Grenzweg verläuft mal auf kleinen Pfaden durch dichten Wald, mal auf dem typischen Betonplattenweg der DDR-Grenztruppen, dem Kolonnenweg. Immer wieder treffen Wanderer auf Überreste der Grenzanlagen, Hinweistafeln und Mahnmale. Besonders auf dem Weg zum Brocken ist die Wanderung eine anspruchsvolle Tour: Auf gut 20 Kilometern Strecke muss man fast 1.000 Höhenmeter überwinden.

Auf dem Grenzweg durch den Harz

Erinnerungen an ein geteiltes Land

Im Startort Stapelburg erinnert ein Denkmal an der Brücke über die Ecker daran, dass die innerdeutsche Grenze dort am 11. November 1989 geöffnet wurde. Der Grenzweg verläuft nun im Tal des Flüsschens in südlicher Richtung, zwischen Rabenklippe und Frankenberg hindurch. Nach zehn Kilometern trifft er auf die Eckertalsperre. Die innerdeutsche Grenze verlief hier mitten im See, die Staumauer stand je zur Hälfte in Ost und West. Am Ostufer des Sees geht es auf dem steilsten Abschnitt der Tour weiter in Richtung Brocken, vorbei am Scharfenstein. Dort steht eine einstige Kaserne der DDR-Grenztruppen, die heute als Rangerstation dient.

Auf dem Brocken-Gipfel

Nach 15 weiteren Kilometern ist der höchste Punkt der Wanderung erreicht, der 1.141 Meter hohe Brocken. Die markante, weitgehend kahle Kuppe des Berges mit einem hohen Funkturm haben Wanderer auf der gesamten Route immer wieder im Blick. Auf dem Brocken waren zur Zeit des Kalten Krieges Truppen aus der DDR und der Sowjetunion stationiert. Für Zivilisten war der Gipfel tabu. Heute ist der Berg ein beliebtes Ausflugsziel, das sich mit der Brockenbahn bequem erreichen lässt.

Bergab zum Dreieckigen Pfahl

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Das Wandern auf den Betonplatten des Kolonnenwegs kann anstrengend werden.

Die Route führt nun zunächst ein Stück auf dem Goetheweg als Betonplattenweg bergab und trifft nach wenigen Kilometern auf den Dreieckigen Pfahl, einen historischen Grenzstein aus Granit von 1866. Er markierte einst die Grenze zwischen dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig. Im geteilten Deutschland stand der Stein knapp auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Dicht an der früheren Grenze geht es östlich am 971 Meter hohen Wurmberg vorbei. Der Weg verläuft im Tal der Bremke und trifft dann zwischen Braunlage und Elend auf die Bundesstraße 27. Auch hier erinnert ein Gedenkstein an die Grenzöffnung 1989. Überaus anschaulich wird die frühere Grenze wenig später im Örtchen Sorge. Ein kleiner Abstecher führt dort zu einem Freilandmuseum, in dem ein Abschnitt der Grenzanlagen zu sehen ist. Es zeigt Grenzzäune mit Stacheldraht, einen Beobachtungsturm und eine Gewässersperre.

Kunstwerk auf dem Grenzstreifen

Nach weiteren zwei Kilometern stoßen Wanderer auf den "Ring der Erinnerung". Der Künstler Hermann Prigann hat auf der ehemaligen Grenze einen Wall aus Baumstämmen aufgeschichtet, in der Mitte stehen Reste des Grenzzauns. Der Wanderweg führt dann nach Hohegeiß, einem Dorf, das im Westen unmittelbar an der Grenze lag. Eine Grenzsteinsammlung und das Heimatmuseum erinnern daran. Nächste Station ist der Drei-Länder-Stein am Treffpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hier quert der Grenzweg die Bundesstraße 4 und führt meist durch dichten Wald weiter zum Kloster Walkenried, das zum Harzer Weltkulturerbe gehört und weiter nach Tettenborn, einen Ortsteil von Bad Sachsa. Dort dokumentiert das Grenzlandmuseum den Bau der Grenzanlagen, Fluchtversuche aus der DDR und die Rolle der Staatssicherheit.

Der Harzer Grenzweg ist als Streckenwanderung angelegt und markiert. Wer nicht die gesamte Tour gehen möchte, kann Abschnitte als Teil einer Rundstrecke wandern.

Karte: Grenzweg im Harz (grober Streckenverlauf)
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Dieses Thema im Programm:

NaturNah | 13.09.2011 | 18:15 Uhr

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