Stand: 13.02.2014 11:50 Uhr

Kloster Walkenried - Alltag der Mönche erleben

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Das Kloster geht auf eine Stiftung von 1127 zurück, seit 2010 gehört es zum Weltkulturerbe.

Eintauchen in die Welt des Mittelalters: Bei einem Streifzug durch die historischen Gebäude des Klosters Walkenried mit Kreuzgang, Brunnenhaus, Archiv und Brüdersaal können Besucher den Alltag der Zisterziensermönche, die hier einst lebten und arbeiteten, hautnah nacherleben. Die Klosteranlage am Südrand des Harzes gehört gemeinsam mit Goslar, dem Erzbergwerk Rammelsberg und der Oberharzer Wasserwirtschaft zum Weltkulturerbe. Die Mönche besaßen vor rund 800 Jahren nicht nur Berg- und Hüttenwerke im Harz, sie entwickelten auch die Technik weiter, Wasserkraft im Bergbau einzusetzen.

Mysteriöses Loch im Boden: Die "Lutherfalle"

Mehr als 100 Mönche waren es zu den Hochzeiten des Klosters. Alle Brüder schliefen im gemeinsamen Schlafsaal, dem Dormitorium. Um diesen großen, kargen Raum rankt sich eine spannende Geschichte: Im Boden des Saals klafft ein Loch. Diese Öffnung führt zwei Stockwerke tief direkt in die Kanalisation. Dieses Loch nennt sich bis heute "Lutherfalle", weil angeblich die Mönche einst den jungen Martin Luther durch die Öffnung in die Tiefe schubsten. Hintergrund: Der Reformator hatte den Abt in einem Brief als Prasser bezeichnet und sich über die Zustände im Kloster ereifert. Zwar ist Luthers Brief historisch belegt, zu Besuch in dem Kloster war er jedoch nie. Doch was hat es mit dem Loch im Boden tatsächlich auf sich? Über diesen Schacht entsorgten die Mönche den Kehricht aus dem Schlafraum, erklärt Dr. Brigitte Moritz, wissenschaftliche Leiterin des Klosters.

Mord im Treppenhaus - ein historisch belegter Klosterkrimi

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Tatort Kloster: Nicht immer ging es unter den Mönchen im Kloster Walkenried friedlich und gottgefällig zu.

Doch im Zusammenhang mit der Lutherfalle gibt es ein zweites, viel dunkleres Geheimnis. Einst geschah auf der Treppe, die zum Schlafssal hinaufführte, ein Mord. Opfer war ein gewisser Otto von Hohenstein. Über Jahrhunderte hatte seine Familie das Kloster finanziell unterstützt, nun wollte Otto Abt von Walkenried werden, um seiner Familie größeren Einfluss zu verschaffen. Doch die Mönche weigerten sich und wählten einen anderen. Daraufhin forderte Ottos Familie alle finanziellen Hilfen seit Ottos Klosterbeitritt zurück. Der Konflikt eskalierte auf jener Treppe - Otto wurde von seinen Mitbrüdern dem Himmel näher gebracht, als er erhofft hatte.

Vom Tatort zum Abwurfschacht

ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried

Steinweg 4a
37445 Walkenried
Tel. (05525) 959 90 64

Öffnungszeiten
Di bis So: 10-17 Uhr
an Feiertagen auch montags geöffnet
24. und 31.12. geschlossen

Nach dem Meuchelmord wurde die Treppe auf halbem Weg geschlossen und komplett umfunktioniert: Diente der Aufgang den Mönchen ursprünglich, um sich schnell und lautlos für ein Mittagsschläfchen in den Schlafraum zurückzuziehen, wurde nun ein Abwurfschacht daraus. Durch ihn entsorgten die Mönche den Kehricht aus dem Dormitorium in die zwei Etagen tiefergelegene Kanalisation. Später wurde daraus die berüchtigte "Lutherfalle".

Das Klostermuseum - Leben im Mittelalter

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Modernes Konzept in alten Gemäuern: die Ausstellung im Kloster Walkenried.

Neben diesen Kuriositäten bewahrt das Kloster Walkenried aber auch viel über den Alltag der Mönche im Mittealter. Der Großteil der alten Klosterbauwerke - neben dem Dormitorium unter anderem das Brunnenhaus, die Abtei und der Kreuzgang - sind Teil des 2006 eröffneten Zisterziensermuseums. In der interaktiv gestalteten Ausstellung lernen die Beuscher das Leben der Zisterzienser als tiefgläubige Christen, aber auch als erfolgreiche Geschäftsleute kennen. Akustische und visuelle Inszenierungen sollen das Leben im Mittelalter lebendig machen.

Ausstellung und Führungen auch für Kinder

Die Ausstellung gliedert sich in drei Abschnitte: Im ersten Abschnitt begegnen die Besucher historischen Persönlichkeiten, die für das Kloster von Bedeutung waren. Im zweiten Teil erleben sie, wie sich das Kloster, je nach wirtschaftlicher Lage, baulich und personell veränderte. Im dritten Abschnitt lernen sie den Alltag im Kloster und seinen strikten Tagesrhythmus kennen. Das Klostermuseum richtet sich gezielt auch an Kinder und soll ihre Neugier wecken. Spezielle Kinderführungen erläutern historische Zusammenhänge altersgemäß, an verschiedenen Stationen können die kleinen Besucher überraschende Entdeckungen machen.

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Im Kreuzgang des Klosters finden regelmäßig Konzerte statt.

An Erwachsene richtet sich eine Führung im Kerzenschein, bei der die Teilnehmer vieles über die Klostergeschichte erfahren und zum Abschluss im ehemaligen Speisesaal der Mönche gemeinsam essen. Einzelheiten finden sich auf der Website des Klosters.

Übersicht

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Dieses Thema im Programm:

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