Stand: 19.01.2016 14:13 Uhr

In Bad Nenndorf kurte schon der Landgraf

Schwefel, Moor und Sole - das sind die Stoffe, die das niedersächsische Städtchen Nenndorf zum Kurort machen. Schon seit mehr als 200 Jahren ist deren heilende Wirkung bekannt. Seitdem ließen und lassen sich zunächst Adelige und später auch Normalbürger in Nenndorf behandeln. Besonders bei Erkrankungen an Wirbelsäule und Gelenken kann ein heißes Moorbad die Schmerzen lindern. Schwefelhaltiges Wasser zum Trinken oder Baden sprudelt aus neun Quellen.

Zwei Menschen in Badewannen mit Moorschlamm.

Das Moorbadehaus in Bad Nenndorf

Nordtour -

Das Moorbadehaus in Bad Nenndorf arbeitet mit dem Badetorf aus dem nahe gelegenen Hagenburger Moor. Ein Moorvollbad kräftigt das Immunsystem und regt den Stoffwechsel an.

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Die Landgrafenquelle gilt sogar als stärkste Schwefelquelle in Deutschland. Zusätzlich ist ihr Solegehalt so hoch, dass Menschen in unverdünntem Wasser kaum eintauchen würden. Das gut 20 Grad warme Wasser wird aus 300 Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt. Es speist auch die Landgrafentherme, ein modernes Wellnessbad mit Außenbecken und Saunalandschaft.

Knorrige Bäume im Kurpark

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Süntelbuchen sind selten geworden, da sich ihr krummes Holz schlecht verwerten lässt.

Natürlich darf in einem Badeort ein Kurpark nicht fehlen. Die rund 35 Hektar große Anlage geht auf Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel zurück. Er kaufte 1787 das Land um die offenen Schwefelquellen und begründete damit das Heilbad. Sein Hofgärtner legte um die Jahrhundertwende den Kurpark mit gut 200 Gehölzarten, 33 verschiedenen Rosen und 37 Straucharten an. Seitdem ist daraus ein Landschaftspark im englischen Stil mit prächtigen alten Bäumen gewachsen, der als Kulturdenkmal gewürdigt wird. Zum Park zählt auch die Süntelbuchen-Allee vom Ende des 19. Jahrhunderts. Nirgendwo in Deutschland findet sich ein größerer Bestand dieser knorrig wachsenden Rotbuchen - in Nenndorf auch Zauberwald genannt.

Charmante architektonische Tupfer

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Im Landgrafenhaus arbeiten heute Mediziner.

Historische Gebäude wie die Musikmuschel aus dem Jahr 1863 oder der Brunnentempel von 1842 über der ersten Schwefelquelle verbreiten im Kurpark klassizistischen Charme. Ein architektonischer Höhepunkt ist das Schlösschen, die ehemalige Sommerresidenz des Landgrafen von 1806. Heute wird das Gebäude als Veranstaltungsort genutzt. Bestens erhalten steht auch das Landgrafenhaus aus dem Jahr 1791 da. Am Eingang zum Kurpark erinnert das ähnlich alte Haus Kassel an den Landgraf aus Hessen. Inzwischen kümmert sich dort die Touristinformation um die Anliegen der Gäste.

Bergwandern und Segeln im Umland

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Ideal zum Segeln und Baden: Das Steinhuder Meer.

Das Umland von Bad Nenndorf bietet Urlaubern einige interessante Ausflugsziele. Der Ort liegt am Nordrand des Deisters, eines markanten Höhenzugs. In den ausgedehnten Wäldern sind zahlreiche Wanderwege und Mountainbike-Routen ausgeschildert. Gut 15 Kilometer nördlich der Kleinstadt bieten sich am Steinhuder Meer beste Bedingungen für Segler und Surfer. Eine Fahrt in die Landeshauptstadt Hannover dauert auf der Autobahn nur rund 20 Minuten.

Rechtsradikale nutzen Kurort für Aufmärsche

Bad Nenndorf hat sich nicht nur als Kurort einen Namen gemacht. Seit Jahren versammeln sich dort Rechtsradikale, um am Wincklerbad Kundgebungen abzuhalten. Das Bad diente den Alliierten von 1945 bis 1947 als Internierungslager für NS-Angehörige und mutmaßliche Kriegsverbrecher. Es kam dort auch zu Misshandlungen ehemaliger Wehrmachtssoldaten. Großbritannien entschuldigte sich dafür später. Ein breites Bürgerbündnis stellt sich diesen Aufmärschen regelmäßig in den Weg.

Weitere Informationen

Sole: Das heilsame Wasser

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Was bieten Heilbäder, Seebäder & Co.?

Dutzende Urlaubsorte bieten ein breites Spektrum an gesundheitsfördernden Angeboten. Was unterscheidet Heilbäder, Seebäder und Kneipp-Kurorte? Ein Überblick. mehr

Karte: Bad Nenndorf und Umland

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Nordtour / 23.01.2016 / 18:00 Uhr