Stand: 24.06.2016 11:48 Uhr

Schlüsselbau der Moderne: Das Fagus-Werk

1911 entwirft ein junger, noch unbekannter Architekt eine Schuhleistenfabrik in Alfeld an der Leine. Sein Name: Walter Gropius. Bauherr und Firmengründer des Fagus-Werks ist Carl Benscheidt, dessen moderne Unternehmensphilosophie den freigeistigen Ideen des damals 28-jährigen Jungarchitekten entgegenkommt. Zusammen verwirklichen sie ihre Vorstellungen einer modernen Fabrik. 50 Kilometer südlich von Hannover entsteht mit dem Fagus-Werk ein Bau, der heute als einer der Ursprünge moderner Architektur gilt. 100 Jahre später, im Juni 2011, erklärt die UNESCO das Gebäude zum Weltkulturerbe. Bis heute ist das Fagus-Werk die weltweit einzige Welterbestätte, die noch in vollem Betrieb ist.

Meisterwerk aus Glas, Stahl und Stein

Wegweiser der neuen Bauhaus-Architektur

Stichwort: Fagus

Der Name Fagus ist lateinisch und bedeutet Buche. Buchenholz war der Rohstoff, aus dem die Schuhleisten im Fagus-Werk hergestellt wurden. Heute sind die Schuhleisten meist aus Kunststoff.

Klare Linien, Glas und Stahl dominieren den Fabrikbau. Breite Fensterfronten und vollverglaste, stützenlose Gebäudeecken verleihen ihm optische Leichtigkeit und Transparenz. Das Gebäude ist bewusst schmal gehalten, um den Eindruck von Monumentalität zu vermeiden, lichtdurchflutete Innenräume sollten eine freundliche Arbeitsatmosphäre schaffen, die auch die Bedürfnisse der darin arbeitenden Menschen berücksichtigt - damals ein Novum.

Architekt Walter Gropius im Jahr 1961 © dpa - Bildarchiv

28.03.1911: Gründung der Fagus-Werke in Alfeld

NDR 1 Niedersachsen -

Im späten Deutschen Kaiserreich schuften die Arbeiter in zumeist lichtlosen Fabriken. Der Unternehmer Carl Benscheid und der Architekt Martin Gropius wollen das ändern.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Mit seiner schlichten Sachlichkeit und der auf das Wesentliche reduzierten Ästhetik ist das Fagus-Werk ein Vorläufer des Neuen Bauens, mit dem Bauhaus-Gründer Walter Gropius später die moderne Architektur revolutioniert. Zugleich ist es Ausdruck eines neuen unternehmerischen Selbstverständnisses. Bewusst wirbt der Bauherr Carl Benscheidt mit dem außergewöhnlichen Gebäude und legt den Grundstein für eine neue Form der Unternehmenskultur, die bis heute nachwirkt.

Modernes UNESCO-Besucherzentrum und zwei weitere Ausstellungen

Seit 1946 steht das Fagus-Werk unter Denkmalschutz. Bis heute befindet sich in dem Gebäude das Unternehmen Fagus-GreCon, das mittlerweile von einem Urenkel des Unternehmensgründers Benscheidt geleitet wird und neben modernen Messtechnik-Systemen auch noch immer Schuhleisten produziert. Interessierten steht der Bau offen: Ein 2015 eröffnetes UNESCO-Besucherzentrum informiert mit einer multimedialen Ausstellung über die Geschichte des Baus und lädt dazu ein, weitere Welterbestätten an einer Medienwand zu erkunden.

Schuhleisten aus dem Fagus-Werk: Die hölzernen Füße sind notwendig, um verschiedene Schuhmodelle zu formen.

Daneben gibt die Fagus-Gropius-Ausstellung im ehemaligen Lagerhaus Einblicke in die Arbeitswelten im Fagus-Werk. Auf fünf Etagen informiert sie über die Geschichte des Unternehmens sowie über industrielle Massivholz-Verarbeitung und die Schuhmode im Wandel der Zeit. Die Fagus-Galerie wiederum präsentiert Sonderausstellungen zu Themen aus der Kunst- und Designwelt.

Das Bauhaus

1919 gründet Walter Gropius in Weimar das Bauhaus, eine Schule für Architekten, Künstler und Designer. 1926 zieht das Bauhaus nach Dessau in ein von Gropius eigens entworfenes Gebäude, das mit seiner klaren und funktionalen Formensprache zum Inbegriff des neuen Baustils wird.

Kubische Formen, gerade Linien und viel Glas prägen die Bauhaus-Architektur. Sie soll zweckmäßig sein, den modernen Menschen in den Mittelpunkt stellen, sich seinen Bedürfnissen anpassen - und zugleich die Gesellschaft verändern: "Kunst soll nicht mehr der Genuss weniger, sondern Glück und Leben der Masse sein", so Gropius. Ein weiterer wichtiger Vertreter des Bauhauses war Ludwig Mies van der Rohe.

Weitere Informationen

UNESCO-Welterbe im Norden

Alte Hansestädte, das Wattenmeer, die Hamburger Speicherstadt: Elf Stätten in Norddeutschland haben es auf die Welterbe-Liste der UNESCO geschafft. Ein Überblick. mehr

mit Video

Celle: Bauhaus im Fachwerkidyll

Celle hat mehr zu bieten als prächtige Fachwerkhäuser: Der Architekt Otto Haesler schuf dort in den 1920er-Jahren Gebäude im Bauhaus-Stil. Ein Museum erinnert an ihn. mehr

Industriekultur

Schätze der Industriekultur erleben

Von Bauhaus-Architektur über eine Hochbrücke mit Schwebefähre bis zur Raketentechnik: Viele spannende Denkmäler der Industriekultur stehen Besuchern in Norddeutschland offen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 31.05.2014 | 19:30 Uhr

Mehr Ratgeber

08:37
44:11

Speiseöl im Alltagscheck

16.10.2017 21:00 Uhr
plietsch.
13:05

Infa 2017: Lifestyle, Wohnen und Do-it-yourself

16.10.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag