Stand: 28.09.2015 15:39 Uhr

Sprengel: Ein Museum der Moderne erleben

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Die Aluminiumskulptur "Another Twister (João)" der US-Künstlerin Alice Aycock empfängt Besucher vor dem Eingang.

Am Nordufer des beliebten Naherholungsgebietes am Maschsee, im Herzen der Messestadt Hannover, liegt ein Tempel der Kunst - das Sprengel Museum. Es gilt als eines der bedeutendsten Zentren moderner Kunst in Deutschland und genießt internationales Ansehen: Weltweit bietet es die größten Sammlungen von Max Ernst und Kurt Schwitters, die zweitgrößte Paul-Klee-Sammlung und immerhin 400 Werke von Pablo Picasso. Insgesamt umfasst die Sammlung des Museums mehr als 40.000 Werke.

Auch die Kunst nach 1960 ist ausführlich vertreten, unter anderem mit Bruce Nauman, Gerhard Richter und Georg Baselitz. Eine Sonderstellung widmet sich zudem der Künstlerin Niki de Saint Phalle, die der Stadt Hannover und dem Sprengel Museum im Jahr 2000 einen Großteil ihrer Werke überlassen hat.

Werke von Marc, Macke und Nolde

In der untersten Etage ist die "Klassische Moderne" zu bewundern. Meisterwerke der Kunstgeschichte von Kandinsky und Franz Marc hängen hier genauso wie August Macke und der Farbenkünstler Emil Nolde. Die Bilder sind nicht nur für Kunstkenner ein Genuss.

Eindrücke der Großstadt und neue Reize

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Das etwa einen Quadratmeter große Ölbild "La Strada entra nella casa" gehört zu den spektakulärsten Bildern der Ausstellung.

Bemerkenswert und einer der wertvollsten Schätze der Sammlung ist das Meisterwerk von Umberto Boccioni, "Lärm der Straße dringt ins Haus" von 1911, ein Schlüsselwerk des italienischen Futurismus. Erstmalig versuchten die Künstler zu dieser Zeit, alles gleichzeitig im Bild einzufangen: den Lärm der Großstadt und die Reizüberflutung durch Sinneseindrücke. Zeit, Ort, Form, Farbe und Ton laufen simultan in nur einem einzigen Bild zusammen. Im Werk Boccionis befindet sich im Zentrum des Bildes das Ohr einer Frau, durch das der Lärm der Großstadt dringt. Die sogenannten Bildsprachen waren in der klassischen Moderne unabkömmliches Ausdrucksmittel.

Erste begehbare Collage der Kunstgeschichte

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Der "Merzbau" - hier eine Besucherin im Nachbau im Sprengel Museum - ist eines der spektakulärsten Schwitters-Werke.

Auch der Künstler Kurt Schwitters, ein Sohn der Stadt Hannover, fand seine eigene Form des Ausdrucks und beeinflusste damit nachhaltig die Kunstszene. Mit seinem "Merzbau", der ersten begehbaren Collage der Kunstgeschichte, hebelte er alle herkömmlichen Sichtweisen aus: Schwitters stellte die übliche Architektur in Frage und veranlasste die Menschen, alles mit anderen Augen zu sehen. Statt eines Raumes mit vier glatten Wänden baute er einen fantasievoll verwinkelten Raum mit Nischen, Ecken, Kanten und Spiegeln, um den Geist lebendig zu halten. Das Original wurde im Zweiten Weltkrieg in Schwitters Haus in Hannover zerstört, das Museum zeigt einen Nachbau.

Bei vielen Besuchern löst Schwitters Atelier Staunen und die Frage aus: Warum sehen Räume eigentlich immer so langweilig aus?

Mehr Platz im Erweiterungsbau

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Der Calder-Saal verbindet Alt- und Neubau und dient auch als Veranstaltungsraum.

Die Frage, wie Räume aussehen sollen, musste das Sprengel Museum jüngst auch für sich selbst beantworten: Es erhielt einen 75 Meter langen und 14 Meter hohen Erweiterungsbau, der die Ausstellungsfläche um 1.400 auf rund 6.650 Quadratmeter vergrößert. Den alten und den neuen Gebäudeteil verbindet eine zweigeschossige Halle mit einer großen spiralförmigen Rampe, die im unteren Teil zur Treppe wird. Aus verglasten Logien des sonst fensterlosen neuen Gebäudes können Besucher auf den benachbarten Maschsee blicken.

Debatte über die Fassade

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Umstrittene Museums-Architektur: Die dunkle Fassade sorgt für Gesprächsstoff.

Die dunkle Beton-Fassade führte in Hannover zu heftigen Diskussionen über die äußere Gestaltung des Anbaus. Er steht optisch im Kontrast zur weißen Hülle des alten, 1979 eröffneten Museumsgebäudes. Entworfen hat den Erweiterungsbau das Züricher Architekturbüro "Meili + Peter". Rund 28,5 Millionen Euro sollte er ursprünglich kosten, am Ende waren es mehr als 35 Millionen. Die Bauarbeiten begannen im Herbst 2012, drei Jahre später wurde der Anbau erstmals für das Publikum geöffnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Hallo Niedersachsen / 19.09.2015 / 19:30 Uhr

Dieses Thema im Programm:

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