Stand: 03.11.2017 11:23 Uhr

Friedhof Ohlsdorf: Hamburgs stille Oase

von Irene Altenmüller, NDR.de

Mahnmale erinnern an die Katastrophen des 20. Jahrhunderts

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Gefallene beider Weltkriege liegen auf eigenen Gräberfeldern.

Seit seiner Eröffnung ist der Ohlsdorfer Friedhof stets eng mit den Geschicken der Stadt Hamburg verbunden. Eindrucksvoll spiegeln sich die Katastrophen des 20. Jahrhunderts hier wider. Gräberfelder erinnern an die Gefallenen zweier Weltkriege, in einem Sammelgrab an der Mittelallee liegen 36.918 Opfer des Hamburger Feuersturms von 1943. An der Talstraße befindet sich die Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung: Eine Stele enthält 105 Urnengefäße mit der Asche von Opfern und Erde aus allen deutschen Konzentrationslagern. In der Nähe des Haupteingangs erinnert ein Ehrenhain an die Hamburgischen Widerstandskämpfer.

Der Friedhof - auch eine Oase des Lebens

Der Friedhof in Zahlen

391 Hektar Gelände
36.000 Bäume
15 Teiche
11 Kapellen und 3 Feierhallen
256.000 Grabstätten, davon 52.000 Kriegsopfer
1,4 Mio. Beisetzungen
2 Millionen Besucher jährlich
17 Kilometer Straßennetz

Dass der Ohlsdorfer Friedhof dennoch nicht wie eine schwermütige Toteninsel wirkt, verdankt er seiner großzügigen parkartigen Anlage mit schattigen Laubbäumen, riesigen Rhododendren und romantischen Teichen. Dazwischen finden sich immer wieder kulturhistorisch bedeutende Grabplastiken und berührende Skulpturen. Zugleich ist die Parkanlage auch ein wichtiges innerstädtisches Refugium für selten gewordene Tierarten wie Igel, Fledermaus und Uhu. Sogar Wasserschildkröten und Rehe wurden schon gesichtet.

Spaziergänge zu Dichter- und Prominentengräbern

Das gesamte Gelände lässt sich kaum an einem Tag erkunden, es lohnt sich daher, mehrere Spaziergänge in verschiedenen Parkteilen zu unternehmen und sich viel Zeit zu nehmen, um die besondere Stimmung des Ortes einzufangen. Ein schöner Fußweg durch das Gelände ist der Stille Weg: Er führt von der sogenannten Dichterecke bis zum Wasserturm an der Cordesallee. Von dort lohnt ein Abstecher zum nahe gelegenen Garten der Frauen, wo viele bedeutende Persönlichkeiten wie etwa Gerda Gmelin und Domenica ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Im Friedhofsmuseum nahe dem Haupteingang gibt es Faltblätter mit Geländekarten und Vorschlägen für weitere Spaziergänge, die zu Sehenswürdigkeiten und Gräbern bedeutender Hamburger führen. Ein spezielles Faltblatt gibt Auskunft über Prominentengräber wie das von Hans Albers oder Inge Meysel und zeigt ihre Lage auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Das Grab des 2015 verstorbenen früheren Kanzlers Helmut Schmidt befindet sich in der Nähe von Kapelle 10.

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Der "Stille Weg" führt unter alten Bäumen und an idyllischen Teichen entlang. Am Weg liegen unter anderem die Gräber verschiedener Dichter.

Sogar ein Café gibt es auf dem Gelände des Friedhofs. Es befindet sich an der Talstraße nahe des Haupteingangs in dem von Fritz Schumacher entworfenen Krematorium. Der sehenswerte Klinkerbau von 1932 ist das letzte Bauwerk des berühmten Stadtplaners.

Auch in Zukunft wird sich der Friedhof weiter verändern. Weil die Zahl der Sargbestattungen seit Jahren zurückgeht, hat der Friedhof Ohlsdorf bald zu viel Platz. im Rahmen des Projekts "Ohlsdorf 2050" laufen zurzeit laufen die Planungen, wie die frei werdenden Flächen künftig umgestaltet und zugleich der Charakter der denkmalgeschützten Anlage erhalten werden kann.

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