Stand: 24.04.2013 13:51 Uhr  | Archiv

Grünes Haus mit lebender Fassade

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Zwei Seiten des Hauses sind mit waserbefüllten Glaselementen verkleidet.

Knallgrün, zwei große Sprechblasen und eine Glasfassade mit lebenden Algen: Das sogenannte BIQ in Hamburg-Wilhelmsburg sieht nicht nur ungewöhnlich aus, sondern ist auch eines der innovativsten Bauprojekte der Internationalen Bauausstellung (IBA) und eine Weltneuheit. An zwei Seiten des Gebäudes befinden sich mit Wasser gefüllte Glaselemente, in denen Algen gezüchtet werden. Sie produzieren Energie. Nachdem alle Testläufe erfolgreich waren, wurden jetzt Mikroalgen in die Glasfassaden gesetzt. "Hier zeigt sich, welche außergewöhnlichen Wege wir gehen können, um Beispiele für nachhaltigen Wohnungsbau zu finden", sagte IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg zur Eröffnung.

So wird aus Sonne und Algen Energie gewonnen

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Lebendige Fassade: In den länglichen Glaselementen wachsen unzählige winzige Algen.

Das BIQ - die Abkürzung steht für "Bio-Intelligenzquotient" - ist das weltweit erste Gebäude mit einer sogenannten Bioreaktorfassade. Plattenförmige, mit Wasser und Algen gefüllte Glaselemente sind an der Südwest- und Südostseite vor der Fassade angebracht. Durch die Sonneneinstrahlung entsteht darin solarthermische Energie. Die Mikrolagen produzieren aus Sonnenlicht und Kohlendioxid durch Photosynthese Biomasse. Die Wärme wird über einen Wärmetauscher direkt zum Heizen genutzt. Die Biomasse wird abgeschöpft. Aus ihr wird in einer Biogasanlage weitere Energie produziert.

Eine lebende Gebäudehaut

Das fünfgeschossige, kubisch angelegte Passivhaus besitzt also eine Art lebende Biohaut. Diese sorgt auch für ein ganz besonderes Erscheinungsbild: Wie eine einzige leuchtend grüne Flüssigkeit wirken die kleinen Pflanzen in ihren Glaselementen. Zugleich sind die Algen in ständiger Bewegung und verändern während ihres Wachstums auch ihre Farbe. Die Glaselemente selbst dienen zudem dazu, den Lichteinfall in das Gebäude zu lenken und es bei Bedarf zu beschatten. Die Algen sind damit nicht nur als Energielieferanten tätig, sondern auch optisches Gestaltungselement, erklärt Uli Hellweg: "Die Mikroalgen haben einen identitätsstiftenden und ästhetischen Aspekt für das Haus".

Ungewöhnliche Fassadengestaltung auch zur Nordseite

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"Photosynthese? Cool!", steht in großen Sprechblasen auf der sonnenabgewandten Fassadenseite.

Damit Nicht-Eingeweihte verstehen, dass sich auf der Fassade des BIQ-Hauses spannende Dinge tun, haben sich die Planer für die Gestaltung der sonnenabgewandten Fassadenseite Ungewöhnliches ausgedacht: "Photosynthese? Cool!" prangt in zwei großen Sprechblasen auf der leuchtend grün bemalten Fassade.

15 Wohnungen in Wilhemsburgs neuer Mitte

Der Entwurf für das Algenhaus stammt von dem Grazer Architekturbüro Splitterwerk, das sich damit bei einem IBA-Architekturwettbewerb durchgesetzt hatte, und gehört zu der Gruppe der sogenannten Smart Material Houses. Mit diesen Gebäuden stellt die Bauausstellung neue Baustoffe mit besonderen energetischen oder ökologischen Eigenschaften vor, die künftig im Haus- und Fassadenbau verwendet werden können. Das Algenhaus steht in unmittelbarer Nähe zum Parkgelände der Internationalen Gartenschau in der neuen Wihelmsburger Mitte. Es beherbergt 15 Mietwohnungen von 50 bis 120 Quadratmeter Größe. Einige sind noch frei.

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