Stand: 16.09.2015 18:30 Uhr  | Archiv

Lebensadern der Großstadt: Hamburgs Kanäle

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Am Vering-Kanal in Wilhelmsburg lagern noch heute viele Container.

Dass ihre Stadt mehr Brücken hat als Venedig, betonen die Hamburger immer wieder gerne. Und wo Brücken sind, ist meist auch Wasser, das es zu überqueren gilt. In Hamburg sind das längst nicht nur die Flüsse Alster, Elbe und Bille: Etliche Kanäle durchziehen die Stadt, darunter bekannte wie der Goldbekkanal in Winterhude und weniger bekannte wie der Jaffe-Davids-Kanal in Wilhelmsburg.

Alsterkanäle sollten die Siele entlasten

Allein rund um die Alster sind es 22 Kanäle. Sie dienten ursprünglich vor allem als Überlauf für das alte Sielsystem. Bei starken Regenfällen floss das Wasser über sie in die Alster ab. Hinzu kommen ein gutes Dutzend Kanäle nördlich der Norderelbe sowie mehrere Kanäle südlich der Norderelbe auf der Elbinsel Wilhelmsburg. Diese Kanäle entstanden vor allem als Verkehrswege, auf denen Binnenschiffe die Rohstoffe zu den Fabriken brachten und die fertigen Waren abtransportierten. Viele Betriebe entnahmen aus den Kanälen auch Wasser für ihre Produktion.

Fleet oder Kanal?

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Bis heute prägen die Fleete - hier an der Deichstraße - das Bild der Hamburger Innenstadt.

Zu den Kanälen kommen in Innenstadt und Hafen mehrere Fleete hinzu. Anders als bei den Kanälen waren die Fleete ursprünglich tideabhängig, ihr Wasserstand schwankte mit Ebbe und Flut. Viele Fleete wurden bereits im 19. Jahrhundert, weiter nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet. In einem Großteil der verbliebenen Fleete wird der Wasserstand mittlerweile durch Schleusen geregelt.

Statt Schuten fahren heute Ausflugsdampfer

Die Alsterschifffahrt

1859 nimmt auf der Binnen- und Außenalster sowie den angrenzenden Kanälen das erste Liniendampfschiff seinen Dienst auf. Schon bald verkehren rund 30 Schiffe regelmäßig, kurz nach der Jahrhundertwende bereits im 10- oder 20-Minuten-Takt. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren fahren die Linienschiffe bis zum Stadtpark und nach Ohlsdorf. Doch die Fahrgastzahlen sinken: U-Bahnen und Busse sind die schnellere Konkurrenz. Im Zweiten Weltkrieg wird die Alsterschifffahrt ganz eingestellt. Ab 1946 verkehren wieder Schiffe, dienen aber ab den Fünfzigerjahren zunehmend als Ausflugsschiffe. 1984 kommt das Ende für den Linienverkehr. Seither dienen die Alsterdampfer als Rundfahrts- und Ausflugsschiffe.

Noch bis in die 60er-Jahre waren Hamburgs Kanäle auch für den öffentlichen Nahverkehr von Bedeutung. Heute sind auf den Alsterkanälen vor allem Ausflugsschiffe, die bekannten Alsterdampfer, mit Touristen oder Geburtstagsgesellschaften an Bord unterwegs, Schuten mit Gütern sind nur noch selten zu sehen - in die alten Fabrikgebäude an Goldbek- oder Osterbekkanal sind längst schicke Agenturen oder Cafés eingezogen.

An den Ufern der Alsterkanäle prägen hauptsächlich großbürgerliche Villen mit schönen alten Gärten und eigenen Boostanlegern das Bild. Doch auch einfache Miethäuser und so mancher Kleingarten warten mit der begehrten Wasserlage auf. Etwas anders präsentieren sich die Kanäle auf der Elbinsel Wilhelmsburg: Ein reizvoller Mix aus alten Industriegebäuden, Stapeln von Hafencontainern und Schrebergartenkolonien säumt dort die Ufer.

Hamburg vom Wasser aus entdecken

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Schöne Villen und Gärten mit altem Baumbestand prägen das Bild am Leinpfadkanal.

Am besten lassen sich Hamburgs Kanäle auf eigene Faust mit Kanu oder Ruderboot erkunden. Etliche Verleihstationen vermieten Boote, eine Liste mit Öffnungszeiten und Adressen hat die Stadt Hamburg zusammengestellt. Wer sein Picknick für unterwegs nicht selbst mitbringt, braucht übrigens nicht zu hungern: Viele Cafés haben eigenen Booststege, an denen die Paddler anlegen können, manche Cafés servieren sogar direkt ans Boot.  

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Zwischen Alster und Stadtpark - Der Goldbekkanal / 17.09.2015 / 15:15 Uhr

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