Stand: 23.02.2016 12:42 Uhr

Gottorf: Ein Schloss und zwei Museen

Ein weißes Schloss auf einer Insel im See: Idyllisch liegt Schloss Gottorf am Rand der Stadt Schleswig an der Schlei. Schon im 12. Jahrhundert stand dort eine Burg der Bischöfe von Schleswig, später gehörte der Landstrich zum Machtbereich des dänischen Königshauses. 1492 zerstörte ein Feuer weite Teile der Residenz von Friedrich I., der sie jedoch wenig später wieder aufbauen ließ. Aus dieser Zeit stammt auch die Gotische Halle, einer der ältesten Teile des Schlosses, die bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind. Heute beherbergt das Schloss zwei Museen: das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sowie das Archäologische Landesmuseum.

Kunst und Kultur in Schloss Gottorf

Zwei Landesmuseum unter einem Dach

In der Gotischen Halle beginnt der Rundgang durch die Ausstellung zur Kunst- und Kulturgeschichte mit einer Sammlung mittelalterlicher Altäre und religiöser Skulpturen. Im Westflügel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts treffen Besucher auf zahlreiche Gemälde niederländischer Meister der Renaissance sowie Werke von Lucas Cranach d.Ä. In der Geistlichen Schatzkammer gehört eine Gutenberg-Bibel von 1452/54 zu den herausragenden Stücken.

Kunstgenuss von Barock bis Gegenwart

Schloss Gottorf

Schlossinsel 1,
24837 Schleswig
Tel. (04621) 81 32 22

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website der Landesmuseen

Im 17. Jahrhundert zählte Gottorf unter Herzog Friedrich III. zu den wichtigsten Kulturzentren Europas. Zahlreiche Gemälde, aber auch Möbel und Kunsthandwerk stammen aus der Barockzeit. Über Rokoko, Biedermeier und Jugendstil reicht die Bandbreite der im Museum ausgestellten Kunst bis zum modernen Kunsthandwerk der Gegenwart. Die Galerie der Klassischen Moderne wurde in ein Nebengebäude auf der Schlossinsel ausgelagert. Sie zeigt überwiegend Werke deutscher Expressionisten, unter anderem der Norddeutschen Emil Nolde, Christian Rohlfs und Ernst Barlach aus der Zeit um 1920. An diese Sammlung schließt sich die im September 2015 neu eröffnete Norddeutsche Galerie an. Sie zeigt rund 150 Werke norddeutscher Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts.

Die Geschichte des Landes zwischen den Meeren

Zu den spektakulärsten Ausstellungsstücken des Archäologischen Landesmuseums gehört das Nydamboot aus dem 3. Jahrhundert. Das offene Holzboot lag rund 1.500 Jahre im Nydam-Moor bei Sønderborg in Süddänemark, bevor es der dänische Archäologe Conrad Engelhardt 1863 entdeckte. Das Museum zeigt das konservierte, fast 23 Meter lange Boot gemeinsam mit anderen Gegenständen aus der Zeit der Germanen.

Von Neandertalern bis ins Mittelalter

Die Ausstellung geht noch deutlich weiter zurück in die Geschichte des Landes. Sie präsentiert 120.000 Jahre alte Faustkeile der Neandertaler, Jagdszenen aus der Steinzeit vor 11.000 Jahren sowie Exponate der Bronze- und Eisenzeit. Dazu gehören mehr als 1.800 Jahre alte Moorleichen aus Windeby, Rendswühren und Damendorf. Einen Schwerpunkt setzt das Museum beim Thema Mittelalter. In den vier Bereichen Dorf, Burg, Kirche und Stadt zeigt die Schau die unterschiedlichen Lebenswelten der damaligen Gesellschaft.

Neben den Dauerausstellungen laden die Landesmuseen immer wieder zu aktuellen Sonderschauen, Vorträgen und Sonderführungen ein.

Barockgarten und Globushaus

Bild vergrößern
Terrassen, Blumen, Buchsbaumhecken und Wasserspiele prägen den Barockgarten.

Zur Anlage von Schloss Gottorf gehört auch der Barockgarten, den die Herzöge Friedrich III. und Christian Albrecht zwischen 1637 und 1694 nach italienischem Vorbild anlegen ließen. Das Gelände wurde in diesem Jahrhundert rekonstruiert und umfasst den Herkulesteich im Süden, prächtige Freitreppen sowie das Globushaus - samt einem Nachbau des Gottorfer Riesenglobus. Der im Inneren begehbare Globus mit Sitzbank und ausgeschmückten Sternenhimmel gilt als das erste Planetarium der Geschichte. Im originalgetreuen Nachbau können Besucher von April bis Oktober eine achtminütige Tour unternehmen. Ein sogenannter Gartenpfad führt Besucher durch den weitläufigen Park und erläutert an elf Stationen zahlreiche Fakten zur Geschichte.

Schloss Gottorf und der Barockgarten sind außerdem regelmäßig Kulisse für Konzerte, etwa im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

Weitere Informationen

Schleswig: Stadt der Kunstschätze

Vom Schloss mit Barockgarten bis zur Wikinger-Siedlung reicht die Palette der historischen Schätze in Schleswig. Wassersportler schätzten die Schlei als ihr Revier. mehr

Zu Besuch bei den Wikingern in Haithabu

Das Wikinger-Museum zeigt, wie die Nordmänner in der Siedlung Haithabu im frühen Mittelalter lebten. Wegen Sanierung ist es allerdings bis voraussichtlich 2018 geschlossen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Lust auf Norden / 26.02.2016 / 18:15 Uhr