Stand: 07.01.2015 11:25 Uhr  | Archiv

Von Torfstechern und Riesenmaschinen

von Kathrin Weber, NDR.de

Museum und Moor - das klingt zunächst widersprüchlich. Ist es aber nicht, denn wer nach Geeste ins Emsland fährt, bekommt mehr als eine reine Ausstellung geboten. Ein großer Teil des Museums ist Freigelände. Dort hat der Besucher die Landschaft vor Augen, die die Region prägt und um die es geht: das Moor.

Harte Arbeit per Hand und mit Maschinen

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Wie hart die Arbeit der Torfbauern war und wie sie sich im Lauf der Zeit veränderte, zeigt die Ausstellung im Museum.

Jahrhundertelang war das Moor für die Emsländer der einzige Erwerbszweig. Mühsam stachen die Bauern Brenntorf aus dem Boden und transportierten ihn mit Karren zum Trocknen und anschließend per Boot zu den Häfen an der Ems. Später übernahmen Maschinen nach und nach die Arbeit, zum Transport dienten Torfbahnen. Ab 1950 wurden große Moorflächen im Rahmen des sogenannten Emslandplans urbar gemacht, um das "Armenhaus" der Republik wirtschaftlich zu entwickeln. Dazu wurden riesige Pflüge eingesetzt, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Großes Freigelände mit Feldbahn und Moorbauernhaus

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Mir der Feldbahn können die Besucher über das Außengelände des Museums fahren.

Torfabbau per Hand und mit Maschinen, spezielle Geräte wie Pflug, Kran sowie Torf- und Feldbahn: Im Freigelände können sich Besucher ein Bild von der Arbeit im Moor machen und natürlich auch sehen, wie das für die Region typische Hochmoor mit dem Wollgrasbewuchs aussieht. Wer das große Gelände nicht nur zu Fuß erkunden möchte, unternimmt eine Fahrt mit der alten Feldbahn. Sie fährt von Mai bis Oktober mehrmals täglich eine knapp drei Kilometer lange Strecke. Bei gemütlichen Tempo von maximal sechs Stundenkilometern bleibt dabei genügend Zeit, sich ausgiebig umzusehen.

Adresse
Emsland Moormuseum
Geestmoor 6
49744 Geeste - Groß Hesepe
Tel. (05937) 70 99 90

Öffnungszeiten
1. März bis Anfang November
tgl. außer Montag 10 - 18 Uhr
und nach Vereinbarung

Feldbahn
Fährt vom 1. Mai bis 31. Oktober täglich um 13, 14, 15 und 16 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen auch um 11 und 12 Uhr.
Eine Fahrt dauert etwa 30 Minuten.

Teil der Ausstellung im Freien ist auch ein Moorbauernhaus aus den 30er-Jahren mit Ställen und Bauerngarten. Es zeigt das einst karge und ärmliche Leben der Torfbauern. Auf dem Hof, der besonders bei Familien beliebt ist, leben auch vom Aussterben bedrohte, heimische Haustierrassen wie das Bentheimer Landschaf oder das Bunte Bentheimer Schwein.

Vom Heimat- zum Moormuseum

Seit seiner Gründung in den 1970er-Jahren als Heimatmuseum hat sich das Museum zu einem der führenden Moormuseen in Europa entwickelt. Wurden dort früher vor allem technische Geräte wie Planierraupen, Pflüge und andere große Geräte zur Kultivierung der Moorlandschaft gezeigt, reicht der Blick heute sehr viel weiter.

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Um das Moor zu kultivieren, waren große Maschinen notwendig. Dieser Pflug trägt wegen seiner Dimensionen den Namen "Mammut".

Das Haus verfügt über eine umfangreiche Sammlung und kooperiert mit Forschungseinrichtungen. Neben dem Freigelände gibt es zwei moderne Museumsgebäude mit Dauerausstellungen. Sie dokumentieren anhand von Geräten, Filmen, Modellen und Informationstafeln, wie Torf gewonnen und verarbeitet und wir sich die Moorlandschaft im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. 2011 wurde das Moormuseum Emsland für "herausragende Leistungen in der Museumsarbeit" mit dem Museumspreis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung ausgezeichnet.

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