Stand: 14.03.2013 09:57 Uhr

Grüner Daumen im Pinneberger Baumschulland

"Baumschulgemeinden" - so bezeichnen viele Menschen bis heute ihre Heimatorte im Kreis Pinneberg. Und das nicht nur wegen des Anblicks gleichmäßiger Baum- und Strauchreihen. Die rund 290 Baumschulbetriebe gehören zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region und prägen Traditionen sowie den Umgang mit der Natur. So ist das Pinneberger Baumschulland eine Kulturlandschaft, die vor mehreren hundert Jahren entstand und bis heute lebendig geblieben ist.

3.500 Hektar voller Bäume

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Auf dem Geländer einer Baumschule im Pinneberger Baumschulland gedeihen Alleebäume.

Neben dem niedersächsischen Landkreis Ammerland und Nordrhein-Westfalen ist der Kreis Pinneberg eines der drei bedeutendsten Baumschulgebiete Deutschlands. Etwa ein Fünftel der gesamtdeutschen Baumschul-Anbaufläche liegt in Schleswig-Holstein, 85 Prozent davon im Kreis Pinneberg, nämlich 3.500 Hektar. Weltweit existieren nur wenige geschlossene Anbaugebiete dieser Art.

Ein Baron und ein Schotte machen den Anfang

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Die Baumschule von Baron Caspar Voght lag teilweise auf dem Gelände des heutigen Jenischparks.

Hamburg 1795: Ein Hamburger Kaufmann und ein Schotte legen den Grundstein für die lange Baumschultradition im Kreis Pinneberg im südwestlichen Schleswig-Holstein. Baron Caspar Voght gründet im heutigen Hamburger Stadtteil Klein-Flottbek die erste Baumschule. Ein Teil davon ist der heutige Jenischpark, ein beliebtes Ausflugsziel der Hansestädter. Der schottische Baumschulgärtner James Booth leitet den Betrieb und bildet Gärtner aus. Einige von ihnen eröffnen später im Umland ihre eigenen Baumschulen - das Baumschulland beginnt zu wachsen. Die Nähe zum Hamburger Hafen und der Ausbau des Eisenbahnnetzes ab 1850 ermöglichen den Pinnebergern schon früh einen regen Handel über die Landesgrenzen hinaus.

Ab in den Container

Was wächst im Pinneberger Baumschulland?

Angebaut werden vor allem Ziersträucher/Heckengehölze, Allee- und Straßenbäume sowie Solitäre, Koniferen/Nadelgehölze. Auf einem kleineren Teil der Anbaufläche wachsen Immergrüne/Formgehölze, Rosen, Forst-und Landschaftsgehölze, Bodendecker und Obstgehölze.

Noch heute befinden sich zahlreiche Betriebe in Familienhand. Viele von ihnen spielen eine bedeutende Rolle im globalen Handel mit Gehölzen. Trotz aller Tradition unterliegt auch das Pinneberger Baumschulland von Zeit zu Zeit einem Strukturwandel, was Anbautechnik und Produktionsverfahren betrifft. Mehr und mehr Bäume wachsen seit einigen Jahren von der Jungpflanze bis zum Straßenbaum im Container heran.

Von Pinneberg nach Fernost

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Aus dem Kreis Pinneberg in die weite Welt: Bis nach Fernost liefern die Schleswig-Holsteiner ihre Gehölze.

Vor allem Ziergehölze werden nördlich von Hamburg gezogen: Allee- und Straßenbäume, Bodendecker, Rhododendren, Formgehölze, Nadel- und Laubgehölze machen einen Großteil der Produktion aus. Neben dem lokalen und nationalen Bedarf bedienen die Pinneberger Baumschulen Anfragen aus aller Welt. Eine große Rolle spielt der Export ins europäische Ausland. Doch auch Länder aus Fernost und die USA beziehen Gehölze aus Schleswig-Holstein.

Des Menschen Leid ist der Pflanzen Freud

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Auch Formgewächse wie der Buchsbaum sind weltweit beliebte Pflanzen, die das Pinneberger Baumschulland hervorbringt.

Während sich viele Menschen vom norddeutschen Klima nicht verwöhnt fühlen, wirken sich ergiebige Niederschläge, ein später Frühjahrsbeginn und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit positiv auf den Anbau von Gehölzen aus. Gemäßigte Winter mit meist kurzen Frostperioden halten angehende Alleebäume, Rhododendren, Obstgehölze und Rosensträucher gut aus. Hinzu kommt eine gute Bodenbeschaffenheit: Auf sandig-lockeren Böden gedeihen die Pflanzen am besten.

Was lernt der Baum in der Schule?

Eine Baumschule ist eine Anbaufläche, auf der Bäume, Sträucher und sonstige Gehölze zum Weiterverkauf angepflanzt und bis zu einer gewissen Größe gezogen werden. Die Pflanzen werden zunächst "aufgeschult", das heißt sie treiben Wurzeln. Im Laufe ihrer Entwicklung werden die Pflanzen außerdem mehrmals umgepflanzt: Sie werden "verschult".

Das "Verschulen" dient dazu, den Wurzelballen kompakt zu halten und nicht zu groß werden zu lassen, damit die Pflanze gut ausgegraben und transportiert werden kann. 200.000 Artikel umfasst das Sortiment der Baumschulen, darunter viele Bäume, aber auch Sträucher, Heckengehölze, Ziergehölze, Obstgehölze und viele mehr. Verkauft werden sowohl Jungpflanzen als auch ausgewachsene Alleebäume.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.05.2009 | 19:30 Uhr

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