Stand: 27.10.2016 16:30 Uhr

Geduldsprobe: Watangeln auf Meerforelle & Co.

von Oliver Klebb, NDR.de
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Einen "Ostsee-Silberbarren" auf die Schuppen zu legen, erfordert Geduld. Nicht umsonst heißt die Meerforelle auch "Fisch der 1.000 Würfe".

Beim Watfischen bis zum Bauch im Wasser zu stehen, hat schon seinen besonderen Reiz: Wind und Wellen lassen sich hautnah spüren, der Meeresboden ist detailreich unter den Füßen sichtbar - ein echtes Naturerlebnis. Wurf um Wurf tastet sich der Angler mit der Spinnrute heran an das Objekt seiner Begierde: die Meerforelle. Doch die enge Verwandte des Lachses ist kein Schuppenträger, der in Massen an den Haken geht: In Anglerkreisen heißt die Meerforelle deshalb "der Fisch der 1.000 Würfe". Umso größer ist das Glücksgefühl, wenn es dem geduldigen Spinnangler endlich gelungen ist, einen der begehrten und seltenen "Silberbarren der Ostee" zu landen.

Horst Hennings mit einem Wolfsbarsch. © NDR/Mario Jeschke, honorarfrei

Rute raus! Wolfsbarsche vor Borkum

Rute raus, der Spaß beginnt! -

Diesmal zieht es Moderator Heinz Galling und den Angelexperten Horst Hennings auf die Ostfriesischen Inseln. Auf Borkum versuchen die beiden mit der Spinnrute Wolfsbarsche zu erbeuten.

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Wem "Schneidertage" ohne Fischkontakt zu frustrierend sind, der kann es mit der gleichen Ausrüstung auch auf Dorsch probieren. Bei den Ostsee-Leoparden ist die "Trefferquote" deutlich höher. In den Sommermonaten können an einigen Stränden und Steinmolen an der Nordsee - beispielsweise auf der Ostfriesischen Insel Borkum - mit Spinnrute und Wathose sogar leckere Wolfsbarsche erbeutet werden, die in Feinschmecker-Kreisen besser als Loup de mer bekannt sind.

Tackle: Salzwasserfeste Rolle und leichte Rute

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Die Rolle sollte hochwertig sein: Ist sie nicht salzwasserfest und ausreichend gefettet, kann ihre Lebensdauer schnell zu Ende sein.

Die ideale Spinnrute zum Meerforellenangeln hat einen eher weicheren Blank, damit sich die kraftvollen Fluchten und Luftsprünge kapitaler Tiere abfedern lassen. Beim Watfischen kommt es auf Wurfweite an, deshalb sollte die Gerte eine Länge zwischen 3 und 3,20 Metern haben. Um auch größere Tiere bändigen und kontrolliert drillen zu können, sollte das maximale Wurfgewicht der Spinnrute schon bei etwa 50 Gramm liegen. Viele Angelgerätehersteller haben sich auf den Trend mittlerweile eingestellt und bieten spezielle "Seatrout"-Modelle an, bei denen die Beringung sogar salzwasserfest ist.

Eine salzwasserfeste Spinnrolle mit einer fein einstellbaren, ruckfrei anlaufenden Bremse ist ein Muss für Meerforellenangler. Die Rolle sollte mit einer 0,12 Millimeter starken, geflochtenen Schnur bespult sein und unbedingt eine saubere Schnurverlegung haben, um Schnursalat zu vermeiden. Wegen des größeren Spulendurchmessers und der damit verbundenen größeren Wurfweite benutzen einige Angler sogar Modelle der 4.000er-Größe, Standard sind bei vielen Anglern allerdings 2.500er- oder 3.000er-Modelle.

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Ein Watkescher mit kurzem Griff ist unverzichtbar zum Landen der Meerforellen. Er findet im Watgürtel sicheren Halt.

Pro Angeltag werden mit dem Gerät mehrere Hundert Würfe gemacht, deshalb beim Kauf von Rute und Rolle unbedingt auch auf das Gewicht achten. Montiert sollte die Kombination gut ausbalanciert sein und in der Hand liegend keinen Zug nach vorne entwickeln. Unverzichtbar zur Ausrüstung gehören außerdem ein Watkescher mit kurzem Griffteil, ein Watgürtel sowie ein Fischring zum Verstauen des Fangs. Tipp: Um Korrosion zu vermeiden, nach dem Angeln im Salzwasser die Rute und die Rolle immer gründlich mit Süßwasser spülen.

Die richtige Watbekleidung: Neopren oder atmungsaktiv?

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Neoprenwathosen gibt es als Einsteigermodelle schon für unter 100 Euro. Menschen, die zum Schwitzen neigen, sollten mehr Geld ausgeben.

Sorgfältig sollte außerdem die Watbekleidung auf die individuellen Bedürfnissen angepasst werden: Es wird überwiegend in der kalten Jahreszeit - im Herbst, Winter und Frühjahr - gefischt, deshalb spielt neben der Dichtigkeit die Kälte-Isolation eine ganz wichtige Rolle. Menschen, die leicht schwitzen, werden mit einer Neoprenwathose sicher nicht glücklich: Die Feuchtigkeit kann nicht entweichen und kondensiert im Inneren, die Unterbekleidung wird nass, es entsteht langfristig ein unbehagliches Kältegefühl. Teure atmungsaktive Hosen aus laminierten Stoffschichten, versehen mit einer semipermeablen Membran, bieten schon mehr Tragekomfort: Sie lassen den Schweiß nach draußen, sodass die Haut trocken bleibt. Diese Hosen bieten keinen direkten Kälteschutz, deshalb wird als Unterbekleidung Funktionsunterwäsche und darauf eine Lage Fleece getragen.

Watjacken sind in der Regel aus atmungsaktivem Material gefertigt und besonders kurz geschnitten, damit sie nicht so schnell mit dem Wasser in Berührung kommen. Als zusätzlichen Schutz haben diese Jacken in der Regel Arm- und Hüftmanschetten aus Neopren. Praktisch ist ein sogenannter D-Ring am Rücken, an dem sich der Watkescher befestigen lässt. Der Watgürtel verhindert bei einem Sturz, dass die gesamte Hose voll Wasser läuft - deshalb niemals ohne mit dem Fischen beginnen.

Köder: Schlanke Blinker und Küstenwobbler fangen

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Küstenwobbler (links) und schlanke Blinker (rechts) gehören zu den gebräuchlichsten Ködern. Sie fangen auch Dorsch und Wolfsbarsch.

Als Köder verwenden die meisten Spinnfischer schlanke und längliche Blinker oder sogenannte Küstenwobbler. Sie werden über ein Fluocarbonvorfach der Stärke 0,30 Millimeter mit der Hauptschnur verbunden. Die fängigsten Modelle stammen von skandinavischen Herstellern und haben lustige Namen wie "Snaps", "Snurrebrassen", "Gno" oder "Spöket", denn Dänemark und Schweden gelten als die Mutterländer der Meerforellenfischerei. Vor dem Angeln sollten sich alle Sportfreunde vergewissern, dass die Wetterlage ein gefahrloses Angeln zulässt. Höhere Wellen, auf denen sich gar Schaumkronen bilden, signalisieren jedem Angler, dass er im Wasser nichts zu suchen hat. Passen die Bedingungen, wird der Blinker ausgeworfen, ins obere Drittel des Wassersäule abgelassen und dann langsam eingekurbelt. Tipp: Über unbewachsenen sandigen Stellen ein Spinnstopp einlegen und den Köder zu Boden trudeln lassen, das simuliert ein verletztes Fischchen und erinnert die Forellen an ihre Lieblingsbeute, den Sandaal, der sich kopfüber in den Boden eingräbt. Sehr erfolgreich ist auch das Angeln mit Meerforellenfliegen, die mit einem Spirolino (langsam sinkend, etwa 25 Gramm) an einem etwa zwei Meter langen Fluocarbonvorfach geführt werden.

Wer es auf Dorsch probieren möchte, führt den Köder grundnah - wegen der größeren Hängergefahr am besten statt mit einem Drilling mit einem Einzelhaken bestückt. Der Wolfsbarsch jagt im Sommer an der Nordsee im flachen Wasser in der Nähe von Buhnen und Steinpackungen gerne oberflächennah. An offenen Strandabschnitten müssen die Köder etwas tiefer geführt werden.

Hotspots finden: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

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Heiße Ecken sind Strandabschnitte mit großen Steinen, Steilküste und abwechslungsreicher Bodenstruktur.

Bleibt noch die spannende Frage zu beantworten, wie sich gute Stellen zur Meerforellenjagd finden lassen. Entlang der gesamten deutschen Ostseeküste gibt es unzählige Strände, die geeignet sind. Ideal ist sogenannter Tigergrund, bei dem sich bewachsene Stellen mit großen Steinen und Sandflecken abwechseln. Diese Bodenstruktur bietet den Futterfischen ideale Lebensbedingungen, deshalb sind dort auch die Forellen zu finden. Besonders vielversprechend sind zudem Strände mit Steilküsten, dort wird das Wasser schnell tief - gut, wenn es auch mal auf Dorsch gehen soll. Die idealen Jahreszeiten sind der Herbst, Winter und das Frühjahr. Die meisten Meerforellen gehen in den Monaten März und April an den Haken, wenn sich das Wasser der Küstenabschnitte langsam erwärmt und dort die Fischbrut - beispielsweise die des Herings - zu finden ist. Die besten Tageszeiten sind die Dämmerungsphasen und die Nacht. Mittlerweile sind im Handel zu fast allen Küstenabschnitten Angelführer mit detaillierten Informationen zu den besten Stellen erschienen. Empfehlenswert sind Udo Schroeters Bücher aus dem Rapsbande-Verlag sowie die Angelführer von North Guiding.

Ehrenkodex und Regeln für die Fischwaid

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Nur blanke Fische - mit einem silbernen Schuppenkleid - gehören in die Pfanne. Braun gefärbte Fische sofort zurücksetzen!

Meerforellen sind trotz der umfassenden Besatzmaßnahmen und Flussrenaturierungen durch Naturschutz- und Angelvereine seltene Tiere, deshalb sollte es für jeden Angler selbstverständlich sein, sich nicht den Gefrierschrank mit Filets zu füllen, wenn es mal richtig gut läuft. Eine Ehrensache ist es auch, dass Fische im Laichgewand - erkennbar an der bräunlichen Färbung der Haut - auch außerhalb der Schonzeit zurückgesetzt werden. Auch das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß sollte unbedingt befolgt werden. Geht es auf Dorsch, so gilt für das Jahr 2017 eine Fangbeschränkung von fünf Exemplaren (während der Laichzeit drei Fische) pro Angeltag und Angler, diese Beschränkungen sollen helfen, den bedrohten Bestand in der westlichen Ostsee zu erhalten. Die Entnahme von Wolfsbarschen ist gemäß einer EU-Verordnung aktuell außerhalb der Schonzeit auf einen Fisch limitiert.

Mindestmaße und Schonzeiten beim Meeresspinnfischen
LandFischMindestmaßSchonzeitFangbegrenzung
Mecklenburg-VorpommernDorsch38 cmkeine Beschränkungen5 Fische, im Februar/März 3 Fische
Meerforelle45 cm15.09. - 14.12. (ausgenommen blanke Fische)keine Beschränkung
NiedersachsenDorschkeine Beschränkungkeine Beschränkungkeine Beschränkung
Meerforelle40 cm1.10. - 15.02. (ausgenommen blanke Fische)keine Beschränkung
Wolfsbarsch42 cm1.01. - 30.06.1 Fisch
Schleswig-HolsteinDorsch38 cm (Nordsee 35 cm)keine Beschränkung5 Fische, im Februar/März 3 Fische
Meerforelle40 cm1.10. - 31.12. (ausgenommen blanke Fische)keine Beschränkung
Wolfsbarsch42 cm1.01. - 30.06.1 Fisch
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