Stand: 19.09.2016 16:00 Uhr

Schwüle Sommertage - Jagdsaison für Aal

von Oliver Klebb, NDR.de
Bild vergrößern
Kapitale Aale sollten lieber zurückgesetzt werden: Große Fische bekommen beim Räuchern und Kochen eine gummiartige Konsistenz.

Besonders an schwülen Sommerabenden - vor oder nach Gewittern - können Aalangler wahre Sternstunden erleben. Wenn der Aal "läuft", folgt Biss auf Biss und im nächsten Moment ist dann wieder alles vorbei - Zeit zum Einpacken für die Petrijünger. Wer den "grauen Schleichern" von Mai bis September nachstellen will, kann das in nahezu allen Küstengewässern, Seen, Flüssen und Auen in Norddeutschland tun - am besten bei Dunkelheit. Im Tiedebereich der Elbe lohnt ein Ansitz allerdings nur bei auflaufendem Wasser, der etwa eine Stunde vor Niedrigwasser beginnen sollte. Weil das Fahrwasser der Elbe sehr tief ist, lassen sich die Fische im Hamburger Hafen auch tagsüber überlisten.

Bedrohte Bestände - Angeln mit Augenmaß

Bild vergrößern
Durch Besatzmaßnahmen versuchen Angelverbände, die Aalbestände in der Elbe zu stabilisieren.

Um den schlangenartigen Fisch ranken sich viele Geschichten: Er ist äußerst anpassungsfähig, widerstandsfähig und kann im Notfall sogar kurze Strecken über Land zurücklegen. Die geschlechtsreifen Tiere, die sogenannten Blankaale, unternehmen eine einzigartige Laichwanderung, die sie bis in die Sargassosee, einem atlantischen Seegebiet östlich von Florida führt. Die Larven wachsen im Salzwasser des Atlantiks zu "Glasaalen" heran, die dann ins Süßwasser zurückkehren.

Leider sind gerade die Jungfische bei Gourmets beispielsweise im Baskenland sehr beliebt, sodass gleich mehrere Hundert Tiere bei einem Essen ihr Leben lassen müssen. Gewässerhindernisse, die die Laichwanderung unmöglich machen, ein Parasit, der die Schwimmblase befällt, sowie Umweltgifte dezimieren die Bestände zusätzlich. Der Aal gilt deshalb mittlerweile als gefährdete Art. Angler sollten deshalb Massenfänge vermeiden und nicht für die Tiefkühltruhe fischen.

Das Fleisch der Tiere ist gekocht, gebraten und geräuchert äußerst schmackhaft. Wer den hohen kalorienreichen Fettanteil beim Essen nicht scheut, wird mit viel Vitamin D entschädigt - ein Nährstoff, der im Körper nur durch Sonnenlicht produziert wird und in Lebensmitteln ansonsten rar enthalten ist.

Einfach aber erfolgreich - Die Grundmontage

Doch bevor wir von leckeren Aalgerichten träumen, muss erst einmal ein Aal ans Band kommen. Und das geht so: Als Standardrute ist eine Spinnrute mit einem Wurfgewicht bis 80 Gramm in etwa drei Meter Länge geeignet. Um feine Bisse zu erkennen, sollte die Gerte eine sensible Spitze haben. In der harten Strömung der Elbe ist häufig schwereres Gerät erforderlich. Hier kommen nicht selten leichte Brandungsruten und schwere Feederruten zum Einsatz, mit denen Bleigewichte bis 150 Gramm geworfen werden können.

Tipps zum Aalangeln

Eine robuste Rolle, zum Grundangeln am besten eine Freilaufrolle mit 30er bis 35er monofiler Aalschnur bespult, ist auf die "grauen Schleicher" ideal. Auf die Hauptschnur ein Sargblei auffädeln, das so schwer sein muss, dass es die Montage am Gewässerboden hält. Dahinter eine Gummiperle aufziehen und einen stabilen Karabinerhaken anknoten. In den Karabiner nun einen fertig gebundenen Aalhaken aus dem Angelladen einhängen. Hakengröße vier kann universell verwendet werden. Fertig ist die Aalrute.

Unwiderstehlich: Tauwurm und Bienenmade

Um die Fische zum Biss zu verführen, nun noch einen leckeren Köder aufziehen. Sehr erfolgreich beim Aalangeln sind kanadische Tauwürmer und Bienenmaden oder ein Cocktail aus beidem. Die Köder können Sie am besten der Länge nach mit einer Ködernadel über den Haken bis auf das Vorfach fädeln. Großartige Köder sind auch Wollhandkrabben, eine Spezies, die mit dem Balastwasser der Containerschiffe aus Asien in die Elbe eingeschleppt wurden, deren Panzer nach der Häutung noch weich sind.

Jetzt muss der Köder nur noch dahin ausgeworfen werden, wo die Aale auf Nahrungssuche gehen. In Seen ist das der flache Uferbereich, in großen Flüssen sind es die Buhnenfelder und die Strömungskanten zwischen dem schnellfließenden Fahrwasser und dem seichteren Uferbereich. In Gewässern ohne viel Strömung lassen sich die Köder auch dicht über Grund schwebend an einer Posenmontage präsentieren.

Dieses Thema im Programm:

Rute raus, der Spaß beginnt! | 22.08.2015 | 17:35 Uhr

Rezepte mit Aal

Gebraten, gedünstet oder geräuchert: Ideen zur Zubereitung von frischem Aal. mehr

Dicke Fische: Angeln im Norden

Wo sind die schönsten Angelplätze in Norddeutschland? Welche Fische gehen dort an den Haken? Tipps zu Ausrüstung und lohnenden Zielen für Hobbyfischer. mehr

Mehr Ratgeber

06:03
02:53
04:05

Interview: Was tun bei Rückenschmerzen?

15.08.2017 20:15 Uhr
Visite