Stand: 12.10.2016 10:35 Uhr

Kutterangeln auf der Ostsee - So geht’s

von Oliver Klebb, NDR.de
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Bis ein schöner Dorsch auf den Schuppen liegt, braucht es oftmals viel Erfahrung und Wissen um das richtige Angelgerät sowie fängige Köder.

Das Dorschangeln auf der offenen Ostsee ist ein Highlight für jeden Petrijünger. Doch für viele ist ein Hochseetörn auf einem Angelkutter absolutes Neuland. Das fängt bei der Wahl der richtigen Rute und salzwasserfesten Rolle an und endet bei den Ködern, den Metall-Pilkern, die ins Angelgepäck gehören. Wer nicht als "Schneider" beim Pilken ohne Fisch nach Hause gehen möchte, sollte deshalb einige Grundregeln beherzigen - denn nichts ist schöner, als der Familie nach einem Tag auf See, den großen Fang in der Küche selbst zuzubereiten.

Reportage

Kurs Dorsch - Hochseeangeln auf der Ostsee

Hochseeangeln gehört zu den Highlights für Petrijünger. Neben den leckeren Dorschen für das Abendbrot bietet ein Ostseetörn eine Auszeit vom Alltag - egal bei welchem Wetter. mehr

Leichte Rute für ermüdungsfreies Fischen

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Der Angeltag kann kommen: Kohlefaserruten haben das schwere Pilkgeschirr von einst ersetzt. So hält der Arm den ganzen Törn durch.

Fangen wir mit der Angelrute an: Dank modernster Kohlefasertechnik sind die Gerten heutzutage schlank und leicht. Bereits für etwa 50 Euro gibt es gute Karbon-Pilkruten im Fachhandel. Um das Fanggeschirr besser um die vielen wurfbehindernden Aufbauten der Hochseekutter herumzirkeln zu können, sollte die Rute etwa drei Meter lang sein. Das ermöglicht zudem ausreichende Wurfweiten, die an manchen Tagen erforderlich sind. Das maximale Wurfgewicht, also wie viel wir problemlos an die Rute hängen können, sollte zwischen 170 und 200 Gramm liegen. An vielen Angeltagen mit wenig Wind und geringer Strömung ist allerdings eine Hechtspinnrute mit etwa 80 Gramm Wurfgewicht völlig ausreichend. Viele Hersteller bieten eine spezielle "Baltic Pilk"-Serie an, die auf das Ostseeangeln abgestimmt ist. Vorsicht bei zu weichen Ruten: Sie bieten zwar viel Spaß beim Drill der Fische, erschweren aber das Führen des Köders. Schon Pilkbewegungen mit Ködern um die 75 Gramm sorgen bei einigen Light-Pilk-Modellen für enorme Auslenkungen der Rute, die viel Kraft kosten. Lieber etwas straffere Ruten fischen, mit denen nur leichte Zupfer schon für ein schönes Köderspiel sorgen. Damit die Rute nicht bei Seegang durch die Gegend fliegt, ist ein Klettrelinghalter für etwa fünf Euro ein unentbehrliches Utensil.

Bei der salzwasserfesten Rolle nicht sparen

Links

Kutterliste zum Ostseeangeln

Adressen der Kutter entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste: Das Magazin "Fisch und Fang" hat alle wichtigen Infos für Hochseeangler zusammengestellt. extern

Die Rolle sollte unbedingt ein robustes und vor allen Dingen salzwasserfestes Modell der 3000er- oder 4000er-Größe sein. Achten Sie auf eine absolut saubere Schnurverlegung, sonst haben Sie später beim Angeln mit der geflochtenen Schnur Zeit fressenden und teuren Schnursalat. Wer etwa 100 Euro investiert, bekommt schon ein Modell mit akzeptablem Wickelbild und ist auf der sicheren Seite. Wer bei der Schnurverlegung Abstriche hinnimmt, kann robuste, salzwasserfeste Ganzmetall-Arbeitstiere eines amerikanischen Herstellers für etwa 60 Euro erstehen.

Geflochtene Schnur - Ein Muss auf Dorsch

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Eine gute Pilkrolle hat am besten ein robustes Metallgehäuse. Wer öfters auf die Ostsee fährt, sollte unbedingt Geflochtene in Gelb aufspulen.

Es gibt zwar immer noch Angler, die auf dem Kutter die klassische monofile Nylon-Leine fischen, aber eigentlich ist sich die Szene einig: Beim Pilken auf Dorsch gehört Geflochtenes auf die Rolle. Geflochtene Angelschnur besteht aus vielen kleinen Fasern, die zu einem Strang zusammengefügt - idealerweise rundgeflochten - sind. Dieser Schnurtyp bietet einige Vorteile: Beim Fischen entsteht kaum Schnurdrall, die Schnüre haben bei gleichem Durchmesser eine wesentlich höhere Tragkraft und Geflochtene hat eine nur minimale Dehnung. Was bedeutet das fürs Dorschangeln? Hat man früher mit monofilen Schnüren von etwa 0,5 Millimetern Durchmesser geangelt, reicht heute eine geflochtene Schnur von 0,15 bis 0,17 Millimetern Stärke. Die wesentlich dünnere Schnur bietet der Strömung eine viel geringere Angriffsfläche. Wir können folglich mit viel leichteren Ködern den Meeresgrund erreichen. Leichtere Köder spielen beim Angeln wesentlich verführerischer für den Fisch.

Die nur geringe Dehnung der Geflochtenen bietet zudem einen viel direkteren Kontakt zum Köder und im Drill zum Fisch. Wir können Bisse einfacher erkennen sowie den Köder und seinen Grundkontakt einfacher kontrollieren. Eine monofile Schnur hingegen hat je nach Material eine Dehnung von 15 bis 35 Prozent. Fischen wir in einer Tiefe von 20 Metern müssen wir nun schon ganz erhebliche Bewegungen mit der Rute durchführen, damit ein Köderspiel am Grund entsteht. Als Schnurfarbe sollte man Gelb oder Rot wählen, so hat man die eigene Leine immer im Blick und vermeidet Tüdel mit dem Nachbarn. Zum Angeln sollten etwa 200 Meter geflochtene Schnur auf der Angelrolle zur Verfügung stehen, den Rest des Fassungsvermögens können Sie vom Angelgerätehändler mit der viel günstigeren Mono unterfüttern lassen. Viele Kutterkapitäne bieten für Neulinge auch komplett montierte günstige Leihruten an.

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