Stand: 03.08.2011 10:20 Uhr  | Archiv

Der Maler und sein Garten

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Wer das Nolde-Museum in Seebüll besucht, sollte unbedingt auch den Garten anschauen.

Der Nolde-Garten in Seebüll ist ein einzigartiges Kleinod. Auf engstem Raum blühen Hunderte verschiedener Blumen. Und je nach Jahreszeit verändert der Garten sein Gesicht. Ende der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat der große Expressionist diesen Garten dem Marschland abgerungen. Er entstand parallel zu seinem Wohnhaus, das heute Museum ist. Zum dortigen Besuch gehört auch immer ein Besuch im Nolde-Garten.

"Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an und fast plötzlich war ich beim Malen". So hat Emil Nolde einst beschrieben, wie wichtig und inspirierend blühende Gärten für ihn waren. Auch dem Grasland vor seinem Haus in Seebüll trotzte er einen Garten ab.

Mit Konzept bunt durcheinander gepflanzt

Dass heute auf 2.000 Quadratmetern ein üppiger Bauerngarten existiert, ist nur durch viel Vorarbeit möglich geworden, sagt der Direktor der Nolde-Stiftung Manfred Reuther. Wie schon zu Emil Noldes Zeiten blühen dort in den Sommerwochen Rittersporn und Zinnien, Margeriten und Stockrosen, Fette Henne und Kugeldisteln und viele Blumen mehr. Wer die Ausstellung im Museum besucht, schaut sich natürlich auch den Garten an.

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Der Garten inspirierte Nolde - etwa zu dem Werk "Blumengarten (O)" aus dem Jahr 1922.

Üppig ist das richtige Wort, für das, was dieser Garten bietet. Noldes geliebte Sonnenblumen werden manchmal über drei Meter hoch und andere Blumen müssen zum Teil festgebunden werden, weil sie so in die Höhe streben. Was einfach nur bunt durcheinander angepflanzt aussieht, hat aber auch ein Konzept. Einige Wege ließen Emil Nolde und seine Frau Ada in Form ihrer Anfangsbuchstaben E und A anlegen. Dazwischen plätschert auf Wunsch von Ada eine Vogeltränke, ein kleiner flacher Brunnen.

Lieber malen statt Gartenarbeit

Viele Nolde-Fans müssen einmal im Jahr den blühenden Garten in Seebüll gesehen haben. Auch noch im Spätsommer und Herbst ist er üppig, wenn die prächtigen Dahlien und Astern blühen. Früher war auch mancher Langfinger im Garten unterwegs.

Inzwischen gehört es auch zu den Aufgaben des Gärtner Mathis Vogel, Samen einzusammeln. Die werden später an Besucher verkauft. Über 20 verschiedene Blumensamen sind erhältlich. Und auch kleine Apfelbäumchen, denn zum Nolde-Garten gehört auch ein Nutzgarten mit Obst, Beeren, Gemüse und Kräutern dazu. Der Künstler selbst, der schon als Kind einen eigenen kleinen Garten hatte, riss sich als Erwachsener nicht so sehr um Gartenarbeit. Gearbeitet hat Nolde in seinen Garten mehr an der Staffelei.

Welchen Blickwinkel der Künstler aus dem reetgedeckten Gartenhäuschen auf seinen prächtigen Garten hatte, können Besucher auch heute erleben: etwa auf Tulpen und Primeln im Frühjahr, im Frühsommer auf Mohn in verschiedenen Rottönen und auf allein 85 unterschiedliche Dahlien im Sommer und Herbst.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 03.08.2011 | 10:20 Uhr

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