Stand: 15.10.2016 09:58 Uhr  | Archiv

Dicke Elbzander für Faulenzer

von Oliver Klebb, NDR.de
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Der Sandtorhafen in der Hafencity gehört im Winter zu Hamburgs Zander-Hotspots.

Willkommen an der "Zanderkant": Seit einigen Jahren gilt der Hamburger Hafen als absoluter Hotspot, wenn es auf kapitale "Stachelritter" gehen soll - und das ist mittlerweile weit über die Stadtgrenzen der Hansestadt hinaus bekannt. Guides bieten Zanderanglern - und allen, die es werden wollen - Touren an, um sie vor der herben Schönheit von Hafenschuppen, Ladekränen und Industrieanlagen zum Fisch zu führen. Doch wer ein paar Tipps beherzigt, kann auch auf eigene Faust erfolgreich sein - und gehört sicher schon wenig später zur "Streetfishing-Community", wenn ihn erst einmal das Zander-Virus gepackt hat. Und das Beste ist: Der gesamte Hafenbereich ist ein sogenanntes freies Gewässer, zum Beangeln vom Ufer aus ist lediglich ein Jahresfischereischein erforderlich. Zander haben in Hamburg ein Mindestmaß von 40 Zentimetern und sind in der Zeit vom 1. Januar bis zum 15. Mai geschützt. Seit einigen Jahren hat sich eine spezielle Technik beim Zanderangeln durchgesetzt: die Faulenzer-Methode, die prominente Angler wie Jörg Strehlow bekannt gemacht haben. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form des Gummifisch-Angelns, die auch ein paar Anforderungen an das Angelgerät stellt.

Zandern mit der KKS-Methode

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Schockfarben wie Gelb-Orange können bei trübem Wasser beißfaule Zander überlisten.

Die Faulenzer-Methode - auch KKS-Methode genannt (Kurbeln-Kurbeln-Stopp) - besteht darin, den Gummifisch lediglich mit Kurbelumdrehungen der Rolle an gestraffter Schnur über den Grund zu führen. Drei bis vier schnelle Umdrehungen lösen den Köder dabei vom Boden, gefolgt von einer Stopp-Phase, in der der Köder wieder zum Grund zurückflattert. Ist die Bodenberührung im Rutenblank spürbar, beginnt das Spiel erneut. Profis, die mit besonders leichten Jigköpfen fischen, sehen die Bodenberührung auch am Zusammenfallen des Schnurbogens. Die Zander beißen besonders gerne, wenn sich der Köder in der Absinkphase befindet. Die Angelrute wird beim Fischen parallel zur Wasseroberfläche gehalten. Weil der Angler dabei ohne viele Bewegungen auskommt, heißt das ganze Faulenzen.

Gerät: Spinnrute und Spundwandkescher

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Angelrollen mit hoher Übersetzung und Ruten mit straffer Aktion sind ideal zum Gummifisch-Angeln.

Zum Gummifischangeln in der Elbe ist eine Spinnrute mit einem Wurfgewicht von etwa 80 Gramm und einer Länge zwischen 2,70 und 3 Metern genau richtig. Die Aktion sollte bretthart sein, damit der Bodenkontakt des Gummifisches im Blank spürbar ist. Weil der Köder beim Faulenzen nur mit mehreren schnellen Kurbelumdrehungen vom Gewässergrund gelöst wird, sollte eine Spinnrolle mit einer hohen Getriebeübersetzung - idealerweise mit 6,2 : 1 - gewählt werden. Diese Rollen haben einen besonders hohen Schnureinzug und sollten in den Größen 2.500 oder 3.000 gewählt werden. Für einen guten Köderkontakt sollte die Rolle mit einer dehnungsarmen Geflochtenen in der Stärke 0,12 Millimeter oder 0,14 Millimeter bespult sein - Gelb ist beim Angeln besonders gut sichtbar. Weil im Hafenbereich teilweise von meterhohen Spundwänden geangelt wird, ist zum waidgerechten Landen der Zander ein spezieller Spundwandkescher vorgeschrieben, der an einer langen Leine bis auf die Wasseroberfläche abgesenkt werden kann. Beim Einholen der Leine gibt es oftmals Verknotungen. Abhilfe schafft eine automatisch einfahrbare Hundeleine (Flexi-Leine), die sich für wenige Euros im Heimtierbedarf beschaffen lässt.

Montage mit schlanken Gummifischen

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Schlanke Gummifische an Jigs bis 30 Gramm sind die Top-Köder auf Hamburgs Hafenzander.

Je nach Strömung und Tiefe der Angelstelle sind zum Faulenzen im Hafenbereich Bleiköpfe (Jigs) mit einem Gewicht zwischen 15 und 30 Gramm erforderlich. Die Köder werden, in einen Snap eingehängt, mit einem Fluocarbonvorfach der Stärke 0,30 Millimeter verbunden. Das etwa 80 Zentimeter lange Vorfach mit einem Grinnerknoten direkt an die geflochtene Hauptschur knoten. Wem das am Wasser zu fummelig ist, der kann das Vorfach auch mit einem kleinen Knotenlosverbinder an der Hauptschnur befestigen. Als Köder eignen sich schlanke Gummifische mit einer Länge von etwa zehn bis elf Zentimetern. Im Winter dürfen die Köder auch gerne mal etwas größer sein, dann bewegen sich die Stachelritter nämlich nur, wenn sich das Häppchen auch lohnt. Natürliche Farben wie Grün- und Brauntöne sind gut geeignet, hier gehört Typ "Motoroil Glitter" zu den Zander-Klassikern. Für besonders trübes Wasser sollten immer auch ein paar Gummifische in Schockfarben wie Gelb oder Pink im Angelkoffer bereitliegen. Gibt es viele Fehlbisse, ist die Montage eines Angsthakens ratsam. Dabei handelt es sich um einen kleinen Drilling, der, an einem kurzen Vorfach befestigt, in den Schwanzbereich des Gummifischs eingehängt wird.

Hotspots finden: Eine Frage der Tide

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Bei ablaufendem Wasser verlassen die Zander die Hafenbecken oftmals in Richtung Hauptstrom.

Die spannendste Frage gilt es jedoch noch zu klären: Wie lassen sich die Lieblingsorte der Zander finden? Die Fische mögen gerne tiefes Wasser mit festem sandigem Boden, diese Bedingungen finden sie in vielen der Hafenbecken vor. Doch die Raubfische stehen nicht an einem Ort, sondern folgen Futterfisch-Schwärmen wie dem Stint. Diese suchen die geschützten Kanäle und Hafenbecken bei auflaufendem Wasser auf, um sich vor der starken Strömung im Elbehauptstrom zu schützen. Läuft das Wasser nach der Flut wieder ab, ziehen die Kleinfische zurück in den Hauptstrom der Elbe. Das sollten Angler bei der Auswahl ihrer Angelstelle unbedingt beherzigen, wenn sie Erfolg haben möchten. Über Ebbe und Flut im Hamburger Stadtgebiet informiert der Tidekalender des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie. Nahezu alle bekannten Angelplätze sind in Udo Schröters Buch "Der Angelführer - Hamburg" zu finden, das im Rapsbande-Verlag erscheint.

Dieses Thema im Programm:

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