Stand: 26.07.2017 10:31 Uhr

46.000 Kilometer Knicks in Schleswig-Holstein

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Knicks sind bepflanzte Erdwälle und grenzen Felder voneinander ab.

Sie bietet rund 7.000 Tierarten einen Lebensraum - eine einzigartige Vielfalt. Gemeint ist die schleswig-holsteinische Knicklandschaft, kurz Knicks genannt. Etwa 46.000 Kilometer dieser Wallhecken durchziehen vor allem die Mitte und die Ostküste des nördlichsten deutschen Bundeslandes.

Wallhecken statt Zäune

Entstanden sind die Knicks in Schleswig-Holstein - anders als in anderen Regionen, in denen Rodung die entscheidende Rolle spielte - durch Menschenhand. Grund dafür war das Verkoppelungsgesetz aus dem Jahr 1770, das eine Argrarstrukturreform in den Herzogtümern Schleswig und Holstein einleitete. Bewirtschafteten bis dahin hauptsächlich Dorfgemeinschaften Acker- und Weideland, ging man nun zur individuellen Landnutzung über. Das Land wurde in Parzellen aufgeteilt und einzelnen Bauern zugewiesen. Diese waren verpflichtet, ihre Äcker mit Wallhecken von benachbarten Parzellen abzugrenzen. Die Knicks sollten das Land vor Winderosion, Wild und benachbarten Weidetieren schützen.

Knick kommt von knicken

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Eine Kulturlandschaft muss kultiviert werden: Die Sträucher der Knicks werden geknickt - daher der Name.

Zur Bepflanzung der Wälle holten die Bauern Sträucher aus den Wäldern der Umgebung: Schlehen, Hasel und Weißbuchen sind die klassischen Büsche eines Knicks. Gegen Viehbiss pflanzten die Bauern Dornenbüsche wir Brombeeren, Heckenrosen und Schlehdorn an den Rand des mehrere Meter breiten Walls. Damit die Hecken schneller dicht wurden, mussten die Büsche alle paar Jahre seitlich angeschnitten und zu lange oder herausragende Zweige umgeknickt werden. Aus dieser Tätigkeit leitet sich die Bezeichnung Knick ab. So entstanden innerhalb weniger Jahrzehnte dichte "lebende Zäune".

Knicks ähneln Waldrändern

Welch immensen ökologischen Nutzen diese schmalen Strauchstreifen bieten, sieht man ihnen auf den ersten Blick nicht an. Sie schützen das Land vor Wind und Erosion, liefern Biomasse für Holzpellets und bieten Flora und Fauna ein einmaliges Biotop. Da die Struktur eines Knicks zwei zusammengerückten Waldrändern ähnelt, finden hier Tiere und Pflanzen aus Wald, Waldrand und offener Fläche ideale Lebensbedingungen.

Knicks stehen unter Schutz

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Zum Schutz vor Viehbiss pflanzten die Bauern Dornensträucher wie Heckenrosen an die Ränder der Wallhecken.

Die Knicks sind aus dem Landschaftsbild Schleswig-Holsteins nicht wegzudenken. Damit das so bleibt, ist ihr Schutz im Landesnaturschutzgesetz garantiert. Denn ursprünglich nahmen die Knicks einen weitaus größeren Raum ein. Schätzungen zufolge betrug ihre Gesamtlänge nach dem Zweiten Weltkrieg noch um die 80.000 Kilometer. Straßenbau und der Einsatz großer Maschinen in der modernen Landwirtschaft führten zum Abholzen vieler Knicks. Doch einfach sich selbst überlassen kann man die Strauchstreifen nicht. Knicks sind eine Kulturlandschaft und müssen folgerichtig von den Menschen kultiviert werden. Alle zehn bis 15 Jahre werden die Bäume und Sträucher "auf den Stock" gesetzt, das heißt, sie werden geschnitten. Ansonsten würden aus den dichten Hecken lichte Baumreihen, die der Tier- und Pflanzenwelt nicht mehr so einzigartige Lebensbedingungen bieten könnten. Für die Pflege der Knicks gelten bestimmte gesetzliche Regeln.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.03.2016 | 19:30 Uhr

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