Polizei will Verbrechern Schritt voraus sein

Weltweit versuchen Polizisten Verbrechen zu bekämpfen, bevor sie geschehen. Wie viel einfacher wäre es da für die Ermittler, wenn sie Straftaten bereits vorhersagen könnten? Was nach Science-Fiction klingt, ist dank modernster Technik gar nicht mehr so unrealistisch.

Von Manuel Daubenberger, NDR Info

Eine Polizistin bedient einen Tablet Computer. © dpa-Bildfunk Fotograf: Swen Pförtner Detailansicht des Bildes In Deutschland sollen die Computerprogramme nur mit den anonymisierten Daten der polizeilichen Kriminalstatistik gefüttert werden. Morde erkennen und verhindern, bevor sie passieren - darum kümmert sich Schauspieler Tom Cruise im Science-Fiction-Film "Minority Report" aus dem Jahr 2002. In einigen Städten der USA soll diese Zukunftsvision teilweise schon Realität geworden sein. Computerprogramme analysieren Daten und erkennen Muster von Straftaten - die Polizei verstärkt dann ihren Einsatz dort, wo zukünftig Verbrechen vermutet werden.

In einem Werbespot betont das IT-Unternehmen IBM, wie erfolgreich das System ist: "Wir konnten die Kriminalität in einigen Städten um bis zu 30 Prozent senken - indem wir Verbrechen verhindern, bevor sie passieren." Am Schluss des Werbespots wartet der Polizist mit einem Kaffee in der Hand vor dem Supermarkt auf den zukünftigen Räuber.

Bürger schützen steht im Vordergrund der Bemühungen

André Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter kann sich den Einsatz der Computerprogramme auch gut in Deutschland vorstellen: "Wir haben ja ein großes Interesse daran, Straftaten gar nicht erst entstehen zu lassen. Sozusagen den Bürger zu schützen, dass er kein Opfer wird. Von daher sind wir an jedem Programm oder an jeder Maßnahme interessiert, die uns unterstützt bei unserem Ansinnen. Diese Software-Lösungen des Erkennens, des Voraussagens von Straftaten sind sehr interessant."

Computerprogramme erkennen Kriminalitätsschwerpunkte

An der Universität Freiburg wird derzeit in einer Kooperation mit IBM untersucht, welche Möglichkeiten sich für die Technik in Deutschland ergeben. Für den Leiter der Forschungen, Sebastian Höhn, ist es aber unrealistisch, dass die Computer Verbrechen genau vorhersagen können: "Das ist Science-Fiction und das bleibt auch Science-Fiction, das wird sich nicht ändern. Aber dass man Kriminalitätsschwerpunkte ermittelt, wo die Statistik auch besser ist als der Mensch, bestimmte Uhrzeiten, bestimmte Tageszeiten und der Zusammenhang mit bestimmten Umgebungsbedingungen, wie Wetter oder Großereignisse: Das hilft natürlich bei der Einsatzplanung und hilft natürlich dabei, die Polizeikräfte gezielt an die richtige Stelle zu bringen und somit auch Verbrechen zu verhindern oder eben besser aufzuklären."

Keine Versuche mit personenenbezogenen Daten hierzulande

Der Forscher Höhn und der Kriminalbeamte Schulz sind sich einig, dass ein Einsatz der Software nur erfolgreich sein kann, wenn der Austausch zwischen den Polizeibehörden der Bundesländer verbessert wird. Nur dann liegen genügend Daten vor, um Vorhersagen zu machen.

Im Film "Minority Report" kann das System sogar vorhersagen, wer der zukünftige Täter sein wird. In den USA  gibt es schon Versuche mit personenbezogenen Daten, sagt Höhn: "Es wird immer davon gesprochen, Facebook-Daten zu verwenden und solche Dinge. Das lehnen wir aus rechtlicher Sicht in Deutschland sowieso ab. Da steht der Datenschutz davor und das ist auch gut so, das sollte auch so bleiben. Es ist auch wissenschaftlich fragwürdig, was ich mit einer Information mache, dass eine Person zu 50 Prozent zu einem Verbrecher werden könnte."

Wird Zukunftsvision wahr?

In Deutschland sollen nur die anonymisierten Daten der polizeilichen Kriminalstatistik zum Einsatz kommen. Datenschutz spielt übrigens auch in anderer Hinsicht im Film "Minority Report" eine Rolle. Der zu Unrecht ins Visier der Sicherheitsdienste geratene Tom Cruise hat kaum eine Möglichkeit zu entkommen - schuld sind Netzhaut-Scanner und Kameras an jeder Ecke. Eine Zukunftsvision, die in Zeiten des Anti-Terror-Kampfes gar nicht mehr so fern scheint.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 18.07.2013 | 08:08 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/netzwelt/verbrechensbekaempfung101.html
Jeden Donnerstag

Netzwelt

Alles Wissenswerte über die weite Welt des Internets - immer montags und donnerstags auf NDR Info. mehr

Audios
Maus auf einem Laptop © Panther Media Fotograf: Philippe Ramakers
 
Audio

Polizei setzt auf Computerprogramme

NDR Info

Die Ermittler hoffen, die Verbrechensquoten so senken zu können.

Audiobeitrag starten (03:01 min)
Links
Das Blaulicht auf einem Polizeiauto © NDR Fotograf: Jörg Wilhelmy
 
Link

Die Daten, die das Innenministerium veröffentlicht hat, als pdf-Dokument.

Link in neuem Fenster öffnen

Die Polizei in Santa Cruz nutzt ein Programm, das Verbrechen vorhersagen soll.

Link in neuem Fenster öffnen