Twitter: Politik und Privates in Echtzeit

Fiete Stegers hinter Computer-Bildschirmen © NDR Fotograf: Andreas Rehmann Detailansicht des Bildes NDR Netzwelt-Redakteur Fiete Stegers. Neuigkeiten verbreiten sich über Twitter rasend schnell, wie in einem Schneeball-System. Deshalb findet dieser Dienst für Kurznachrichten immer mehr Freunde. Nach Einschätzung des NDR Multimedia-Experten Fiete Stegers ist ein Ende dieses Trends nicht abzusehen. Ein wesentlicher Grund dafür: Twitter hat als Anbieter zurzeit praktisch keine Konkurrenz. Was genau macht Twitter so reizvoll? Wer "zwitschert" eigentlich? Und wo lauern Gefahren? Fiete Stegers gibt Antworten:

Die Stärken von Twitter

Stegers: "Twitter kann ganz unterschiedlich genutzt werden: Für die einen ist das so etwas wie ein Chat mit ihren Freunden oder ein digitaler Teeküchen-Plausch, weil sie in ihrem Büro allein sitzen. Andere haben vor allem die Twitter-Nachrichten von Medien oder Experten auf einem bestimmten Gebiet abonniert, um so schnell informiert zu werden. Oder sie verbreiten selbst interessante Links per Twitter weiter. So kann auch ein einzelner User manchmal eine News-Lawine ins Rollen bringen."

Das Tempo von Twitter

Stegers: "Im Unterschied zur Facebook, das viel mehr User hat, verbreiten sich Neuigkeiten und Links über Twitter deutlich schneller und über einzelne Freundeskreise hinweg, weil Twitter-Kommunikation in der Regel öffentlich ist. Dabei helfen auch die Hashtags genannten Schlagwörter - zum Beispiel das #Aufschrei in der Sexismus-Debatte. Wenn übrigens mal eine Falschmeldung bei Twitter umläuft, verbreitet sich die Richtigstellung meist genauso schnell."

Das kleine Twitter-ABC

Twitter: englisch für Gezwitscher

Tweet: Bezeichnung für eine Kurznachricht

Retweeten: das Weiterleiten eines Tweets

Follower: englisch für Verfolger; Leser von Tweets bestimmter Personen

Weltweit nutzen mehr als 200 Millionen Menschen den Dienst. Täglich werden 340 Millionen Tweets geschrieben.

Wie sich der Dienst verändert hat

Stegers: "Am Anfang war Twitter sehr puristisch: Transport von 140 Zeichen Text nach dem Vorbild der SMS, mehr nicht. Wer zum Beispiel Bilder via Twitter weitergeben wollte, musste dafür Zusatzdienste von anderen Firmen verwenden. Von solchen Erweiterungen haben kreative Programmierer eine Unzahl gebastelt. Inzwischen hat das Unternehmen Twitter solche Funktionen direkt in seine eigene Plattform eingebaut. Das macht die Benutzung einerseits bequemer, aber andererseits muss Twitter natürlich aufpassen, dass es seine Plattform nicht überfrachtet und seine Unverwechselbarkeit gegenüber anderen Sozialen Netzwerken einbüßt. Außerdem wird inzwischen hier und da Werbung zwischen den Twitter-Nachrichten eingeblendet. Irgendwie muss die Firma ja Geld verdienen."

Die Zukunft von Twitter

Stegers: "Derzeit ist Twitter in Deutschland immer noch eine Nischenplattform. Meiner Beobachtung nach haben im letzten Jahr aber mehr und mehr Menschen Twitter für sich entdeckt. Und in bestimmten Gruppen spielt der Dienst bereits eine sehr große Rolle - bei Journalisten, jüngeren Politikern und anderen Meinungsführern. Informationen und Meinungen verbreiten sich über Twitter schneller als in meisten normalen Medien oder die Twitter-Kommunikation wird überhaupt erst zum Anlass für die Berichterstattung. Twitters Wachstum wird sicher in den nächsten Monaten noch weiter anhalten."

Die Entwicklung in Deutschland

Stegers: "Andere Länder zeigen, dass bei uns noch Luft nach oben ist - die Bundestagswahl wird sicher für eine kleinen Schub sorgen. Und diese Art der Echzeit-Kommunikation, an der sich jeder beteiligen kann, wird in jedem Fall erhalten bleiben, auch wenn vielleicht in ein paar Jahren andere Firmen oder Dienste Twitter ablösen. Ebenso klar ist aber auch, dass dieser schnelle Informationsfluss nicht für alle Menschen oder Themen gleichermaßen interessant oder relevant ist."

Die Alternativen

Stegers: "In seiner speziellen Ecke ist Twitter derzeit so gut wie konkurrenzlos. Es gibt zwar Projekte wie Identi.ca oder App.net, bei denen es darum geht, als Nutzer nicht so abhängig von der Betreiber-Firma zu sein. Aber diese Dienste haben bisher einfach noch nicht genug Nutzer, um wirklich interessant zu sein. Spannend wäre mal ein übergreifender Dienst, in dem Nachrichten aus den verschiedenen Sozialen Netzwerken von Facebook bis Twitter zusammenlaufen."

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/netzwelt/twitter461.html
Weitere Informationen
Ralf Stegner (Archivbild vom 21.06.2009) © Will Media Fotograf: Wolfgang Borrs
 

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