SMS ist nach 20 Jahren ein Auslaufmodell

von Stefan Römermann

Mann schreibt SMS am Steuer.  Detailansicht des Bildes Im Jahr 2011 wurden alleine in Deutschland etwa 55 Milliarden SMS verschickt. Was früher einmal das Telegramm war, ist heute die SMS: eine ziemlich kurze, schnelle Textnachricht. Doch auch die SMS kommt in die Jahre: In der kommenden Woche feiert die bis zu 160 Zeichen umfassende Kurznachricht bereits ihren 20. Geburtstag. In der digitalen Welt gehört sie damit fast schon zum alten Eisen, kostenlose Internetdienste wie WhatsApp sind klar auf der Überholspur. Handyhersteller und Mobilfunkbetreiber testen bereits den nächsten Nachfolger - Joyn.

Technisch gesehen ist die SMS ein Abfallprodukt - entstanden bei der Entwicklung des ursprünglichen Handystandards Anfang der 1990er-Jahre. Die Kurznachricht nutzt die sogenannten Signalisierungskanäle, über die vor allem die ankommenden Anrufe signalisiert werden, erklärt Mobilfunkexperte Axel Kossel vom Computermagazin "c’t": "Diese Kanäle waren vorhanden, wurden aber sehr selten genutzt. Da hat sich jemand überlegt: Warum machen wir da nicht einen Textdienst von. 160 Zeichen entspricht ungefähr dem, was durchschnittlich auf einer Postkarte geschrieben wird."

WhatsApp und Co. auf dem Vormarsch

Gesagt, getan: Der Service wurde angeboten. Am 3. Dezember 1992 verschickte der damals 22-jährige Techniker Neil Papworth schließlich die erste SMS überhaupt an einen Kollegen. Inzwischen werden allein in Deutschland Tag für Tag rund 160 Millionen SMS verschickt - mehr als 100.000 pro Minute. Tendenz - zumindest zurzeit - immer noch steigend.

Allerdings hat die SMS zumindest auf Smartphones inzwischen eine ernste Konkurrenz bekommen. Denn über die eingebaute Internetverbindung können natürlich ebenfalls kurze Textnachrichten verschickt werden. In vielen Tarifen geht das sogar praktisch kostenlos - über Programme wie Skype, Facebook-Messenger, mySMS oder WhatsApp. Allerdings müssen die Empfänger dafür ebenfalls die entsprechende App auf dem Telefon installiert haben, erklärt Thorsten Neuhetzki vom Onlineportal "Teltarif.de": "Der große Vorteil von WhatsApp ist aber, dass er sich verbreitet hat wie ein Lauffeuer. Es haben ungeheuer viele Leute, die ein Smartphone haben, auch WhatsApp installiert, und entsprechend viel wird es genutzt. Zumal es bisher komplett kostenlos war."

Nach Testphase soll Joyn im März 2013 starten

In den nächsten Monaten wollen die Mobilfunkbetreiber ihren eigenen Nachrichten-Dienst namens Joyn offiziell starten. Er soll dabei mehr bieten als die alte SMS. So soll laut Vodafone der Versand von Bildnachrichten möglich sein. Zusätzlich biete Joyn auch die Möglichkeit beliebige Dateien auszutauschen, zum Beispiel unterwegs bearbeitete Dokumente oder Präsentationen an die Kollegen ins Büro zu schicken.

Joyn soll für die meisten Smartphone-Besitzer kostenlos sein, da der Dienst in der Regel bereits über die Pauschale für die Internet-Flatrate abgedeckt sei, versprechen die Anbieter. Momentan läuft noch eine Testphase, voraussichtlich zur CeBIT im kommenden März soll Joyn aber regulär starten.

Mobilfunkexperte ist skeptisch

Die entsprechende App dürfte auch auf vielen Telefonen schon vorinstalliert sein. Mobilfunkexperte Kossel vom "c’t"-Magazin bleibt allerdings skeptisch: "Wenn ich ein Smartphone habe, ist natürlich die Frage: Gucke ich jetzt, was da drauf ist und benutze das? Oder orientiere ich mich daran: Was benutzen meine Freunde, meine Bekannten? WhatsApp zum Beispiel ist unter Jugendlichen sehr verbreitet. Da ist es sehr schwierig, sich mit einem anderen System daneben zu plazieren."

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NDR Info | 29.11.2012 | 08:08 Uhr

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