Hamburg macht Daten für jedermann zugänglich

Hamburger Rathaus im Fokus einer Lupe (Bildmontage) © Fotolia.com Fotograf: Photosani, Peter Swan Detailansicht des Bildes Das Hansestadt Hamburg stellt ab sofort viele staatliche Daten ins Netz. Die Stadt Hamburg stellt künftig eine Vielzahl staatlicher Daten zur Verfügung. Das sogenannte Open Data Portal ist am Freitag offiziell gestartet worden. Zahlreiche Verwaltungsdaten seien jetzt auf einen Blick zu finden und könnten mit wenigen Klicks heruntergeladen werden, teilte die Finanzbehörde mit. Erstmals würden nun Datensätze gebündelt und übersichtlich nach Themen zugänglich gemacht.

Mit dem Open Data Portal stellt die Verwaltung Daten aus erster Hand zur Verfügung. Bisher informierten die Behörden vor allem in Form von Pressemeldungen oder Berichten über ihre Arbeit. Jetzt geht es bei Open Data um das Rohmaterial, das den Verlautbarungen zugrunde liegt. Das können Untersuchungen zur Qualität von Schulen sein, Messwerte zur Güte der Luft oder Bebauungspläne aus den Bezirken. Auch anonymisierte Gesundheitsinformationen, etwa aus dem Krebsregister, können dazu zählen. Personenbezogene Daten sind von der Veröffentlichung grundsätzlich ausgenommen.

Das Open Data Portal ist ab sofort unter www.daten.hamburg.de zugänglich.

Open Data - eine Definition

Inhalte werden nach Definition der Open Knowledge Foundation als Open Data bezeichnet, wenn jedermann ungehindert auf sie zugreifen, sie benutzen und weitergeben darf. Die Verwendung der Daten darf höchstens an zwei Bedingungen geknüpft sein: die Namensnennung desjenigen, von dem die Daten stammen, und die Verbreitung unter gleichen Bedingungen.

Aus Daten sollen "Apps" werden

Zum Prinzip von Open Data gehört auch, dass jedermann dieses Rohmaterial selbst verarbeiten und weiterverbreiten darf. Die Hoffnung ist, dass Bürger, Journalisten oder Unternehmen die Daten zugunsten des Gemeinwesens verwenden. So hofft auch die Stadt Hamburg darauf, dass mithilfe der Daten neue Anwendungen für Smartphone-Benutzer (sogenannte Apps) entwickelt werden. "Die Nutzung von Apps ist in vielen Lebensbereichen kaum wegzudenken", sagte am Freitag Jens Lattmann, Staatsrat der Finanzbehörde. "Bürgern und Firmen erleichtern wir mit dem Portal den Zugriff auf staatliche Daten und deren Weiterverarbeitung. Wir sind gespannt, welche Anwendungen aus den Daten entstehen."

Aber auch das Thema Transparenz spielt bei dem Projekt mit rein. "Mit dem Open Data Portal zeichnet sich ein neuer Stil im Umgang mit Transparenz ab", sagte Staatsrat Ralf Kleindiek von der Justizbehörde.

Ähnliche Pläne auf Bundesebene und in Niedersachsen

Hamburg folgt bei der Öffnung seiner Datenbestände einem internationalen Trend. Vorreiter sind die USA und Großbritannien. Verwaltungen geraten dort mittlerweile eher in Erklärungsnot, wenn sie Daten unter Verschluss halten - nicht, wenn sie sie veröffentlichen wollen. Dank offener Verwaltungsdaten können Londoner sich live informieren, wie pünktlich ihre Busse und Bahnen fahren. Und San Francisco gibt auf Basis vernetzter Parkuhren bekannt, in welchen Straßen gerade Parkplätze frei sind.

Auch neue rot-grüne Koalition in Niedersachsen kündigte in ihrem Koalitionsvertrag an, eine umfassende Open-Data-Strategie vorzulegen. Auf Bundesebene soll laut Bundesinnenministerium am heutigen Dienstag ein Daten-Portal starten. Einige Netzaktivisten, die sich seit längerem für mehr offene Regierungsdaten einsetzen, kritisierten vor dem Start jedoch in einem Offenen Brief die ihrer Meinung nach halbherzige Umsetzung. Sie befürchten, dass die Daten von der Regierung nur für eingeschränkte Zwecke und in technisch schlechter Form freigegeben werden, so dass der versprochene Nutzen gering sei.

 

Weitere Informationen
Mousepad mit Hamburgwappen (Bildmontage) © Fotolia Fotograf: momiusm, kim, aldorado
 

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Die Startseite des Open Data Portals Hamburg © Hamburg.de
 
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Hier geht es zum Open Data Portal - auch rechtliche Fragen werden beantwortet.

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Interview
Friedrich Lindenberg, stellvertretender Vorsitzernder des Open Knowledge Foundation e. V.
 

"Verwaltungen müssen sich mehr trauen"

Friedrich Lindenberg von der Open Knowledge Foundation erklärt die Idee hinter Open Data. (30.04.2012) mehr

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Das neue Open-Data-Portal der Bundesregierung sammelt öffentliche Daten aus Bund, Ländern und Kommunen und stellt sie zur Weiternutzung zur Verfügung.

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Die englischsprachige Website zeigt live die Positionen der Londoner U-Bahnen.

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Link zur kostenlosen Smartphone App (System: Android), mit der sich anzeigen lässt, wo Londons Busse gerade sind.

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Für San Francisco zeigt der englischsprachige Informationsdienst freie Parkplätze auf Basis von Live-Messwerten an.

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Portal für offene Daten der Stadt Berlin.

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Der Prototyp des neuen Open-Data-Portals des Bundeslandes Baden-Württemberg.

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Kritik an den Open-Data-Plänen der Bundesregierung

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