NSA-Überwachung: "Pro Mensch eine Festplatte"

Ein Teil des NSA-Rechenzentrums in NSA in Bluffdale im US-Bundesstaat Utah. © dpa picture alliance Fotograf: George Frey Detailansicht des Bildes Im September soll das neue Datenzentrum der NSA in Utah in Betrieb gehen. Deutsche Politiker sind entsetzt über das amerikanische Abhörprogramm Prism. Doch das scheint noch gar nichts zu sein im Vergleich mit dem, was da noch kommen soll: Die National Security Agency (NSA) rüstet gerade auf. Im Herbst soll ein neues Rechenzentrum im US-Bundesstaat Utah eröffnet werden, das größte der Welt.

NDR Info: Wolfgang Stuflesser, Sie sind ARD-Korrespondent in Los Angeles. Was haben die Amerikaner mit dem neuen Rechenzentrum dann für neue Möglichkeiten der Überwachung im Internet?

NSA in Deutschland: Narrenfreiheit für US-Spione?  Detailansicht des Bildes Die Abhörprogramme der Geheimdienste machen es möglich, Unmengen von Online-Daten auszuwerten. Stuflesser: Was das neue Rechenzentrum im Übermaß bieten wird, ist Speicherplatz. Überwachen kann man ja live, also zum Beispiel Telefongespräche mithören, oder man kann die Daten speichern und dann später auswerten, wenn man zum Beispiel einen Anfangsverdacht gegen jemanden hat, nachschauen, was gibt's denn sonst noch so von dem an E-Mails, an Telefonaten oder Bankumsätzen? Und da kommt Utah ins Spiel: Wenn das Zentrum im September in Betrieb geht, dann werden die Server dort Daten in einer Menge speichern können, die in Zettabytes gemessen wird. Das sind also Milliarden Terabytes. Damit man sich das vorstellen kann: Ein oder zwei Terabyte, das ist so die Größe einer normalen Festplatte, wie wir sie im Computer haben. Die NSA könnte in Utah also - verkürzt gesagt - für jeden Erdbewohner eine eigene Festplatte aufstellen, um seine Daten zu speichern. Allein der Strom dafür wird wohl umgerechnet etwa 30 Millionen Euro kosten. Im Rechenzentrum wird so viel Strom pro Jahr verbraucht wie etwa in einer Stadt von der Größenordnung Salt Lake City. Dazu kommen Baukosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

NDR Info: Bislang sind Internetnutzer davon ausgegangen, wenn sie ihre Daten verschlüsseln, können sie auch nicht beobachtet werden. Wie sicher sind diese Verbindungen tatsächlich?

Stuflesser: Natürlich sagt die NSA uns nicht, wie weit sie sind, aber es gibt berechtigte Vermutungen, dass sie daran arbeiten, eine besonders wichtige Verschlüsselungstechnik zu knacken, die hat den Namen AES 256. Das ist also die Technik, die wir alle einsetzen beim Absichern von WLAN oder auch beim Skypen oder bei verschlüsselten E-Mails. Offiziell heißt es, den Schlüssel zu knacken, das dauert viel länger, als die Sonne noch leuchtet. Aber natürlich werden die Rechner schneller, die Algorithmen immer besser. Und das Problem ist: Wenn die NSA die Verschlüsselung geknackt hat, wird sie sicher keine Pressemitteilung rausgeben, sondern sich still und heimlich freuen und die Technik anwenden. Genug gespeicherte Daten hat sie dann ja!

NDR Info: In Sachen Datenschutz waren viele Amerikaner bislang entspannt. Wie diskutieren die Bürger im Silicon Valley die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden?

Stuflesser: Da wurde erst mal viel diskutiert, was er eigentlich ist: Ist er ein Verräter, ein Freiheitskämpfer, ein Verrückter, ein Held? Aus den Gesprächen, die ich mit Leuten hier geführt habe, ist mein Eindruck, dass sie ihn schon eher positiv sehen, nach dem Motto: Jetzt sind die Fakten wenigstens auf dem Tisch. Aber diese ganze Geschichte schadet natürlich dem Ruf der Online-Branche insgesamt. Im Moment kann man zwar davon ausgehen, dass Google, Apple oder Facebook nicht mehr Daten rausgegeben haben, als sie gesetzlich mussten, aber das langt ja schon, um das Vertrauen der Kunden zu zerstören. Und manche Entwickler hier sagen natürlich auch: Verglichen mit dem, was die NSA womöglich mit den Daten der Leute anstellt, ist das, was zum Beispiel Google damit macht, nämlich zielgerichtete Werbung zu schalten, eher Kinderkram.

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NDR Info | Netzwelt | 27.06.2013 | 08:08 Uhr

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