Mit Internetführerschein sicher durchs Netz

von Astrid Corall, NDR Info

Computertastatur, Browser, Collage © royalty free fotography Detailansicht des Bildes Von klein auf sind Kinder heutzutage von modernster Technik umgeben. Um sich auszukennen, brauchen sie Anleitung und Unterstützung. Drei Fernseh-Programme, Radio, meist nur eine Tageszeitung zu Hause und vielleicht noch ein Atari- oder Commodore-64-Computer - so übersichtlich war die Medienwelt früher. Mittlerweile ist einiges dazugekommen, vor allem aber das Internet mit seiner ganzen Bandbreite. Das hat einige Vorteile, birgt aber auch Gefahren. An einer Schule in Hamburg lernen Kinder und Jugendliche, mit Medien umzugehen und machen dort einen "Führerschein".

In einem Klassenzimmer der Gyula-Trebitsch-Schule nimmt Patrick ein kleines gelb-weißes Papier von Medienpädagogin Olivia Förster entgegen: seinen Computer-Führerschein. Der 11-Jährige hat damit die Grundschulung im Internet bestanden. Obwohl er oft im Netz unterwegs sei, kenne er sich nur mittelmäßig mit dem Internet aus, sagt Patrick.

Stadt und Land: Unterschiedliche Medienkompetenz

Das ist längst nicht bei allen Schülern der fünften Klassen so, die die Medienpädagogin Olivia Förster vom Verein Blickwechsel begleitet. "Es kommt drauf an, ob auf dem Land oder in der Stadt. In Schleswig-Holstein gibt es oft keine Internet-Anschlüsse zu Hause. Dann gibt es Eltern, die wollen ihre Kinder einfach bewahren und lassen sie gar nicht ran. Andere Kinder haben Internet im Zimmer und können so oft sie wollen ins Internet. Und dadurch ist es natürlich total unterschiedlich, wie ihre Medienkompetenz ist", erklärt Förster.

Die Gefahr der sozialen Netzwerke

Ein Junge sitzt vor einem Laptop mit dem Logo des Schülerverzeichnisses Schüler VZ © dpa Fotograf: A2902 Achim Scheidemann Detailansicht des Bildes Oft wissen Eltern gar nicht, auf welchen Seiten im Netz ihre Kinder surfen. Unabhängig davon, wie viel sie schon wissen, lernen die Schüler bei dem von der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein geförderten Projekt die Chancen und Risiken des Internets kennen. Sie bewerten Seiten für Kinder, erfahren, was Begriffe wie Browser, Link und Homepage bedeuten, suchen nach Alternativen zum Suchdienst Google und sprechen über Gefahren, die im Internet lauern - gerade in sozialen Netzwerken wie Facebook.

Olivia Förster erlebt häufig, dass jüngere Kinder sich als 13-Jährige ausgeben, um bei Facebook Mitglied werden zu können: "Der Trend geht absolut weg von SchülerVZ. Da ist kaum mehr jemand. In SchülerVZ wären die Kinder ja eigentlich unter sich. In Facebook sind aber alle möglichen Leute, da sind Gefahren natürlich viel größer."

Ziel: Kinder sensibilisieren

Einige Gefahren in sozialen Netzwerken kennen die Schüler schon, andere nicht - so erlebt es Förster bei ihren Schulungen in den Schulen. Sie rät den Schülerinnen Schülern, mit ihren Eltern zu sprechen, wenn im Internet Sachen passieren, die ihnen komisch vorkommen, oder wenn sie von komischen Leuten angesprochen werden.

Am wenigsten ist den Schülern bewusst, dass im Internet auch Mobbing-Gefahren lauern, hat Förster beobachtet. In dem zweitägigen Kurs versucht sie, die Kinder auch dafür zu sensibilisieren. Patrick und seine Mitschülerinnen und Mitschüler haben jedenfalls einiges gelernt. Sie wissen nun, dass man zum Beispiel keine Bilder hochladen sollte, und das man nach Möglichkeit auch seine Adresse und Telefonnummer nicht angibt.

Auch Medien-Elternabende werden angeboten

Im Laufe ihrer Schulkarriere warten noch mehr Schulungen und Projekte auf die jetzigen Fünftklässler. Ihr Schuldirektor Martin Brause hängt die Bedeutung von Medienkompetenz sehr hoch: "Die Kinder und Jugendlichen werden immer stärker mit verschiedensten Medien konfrontiert. Sie müssen selbständig sicher mit Medien umgehen können. Wir beobachten, dass Eltern immer weniger in der Lage sind, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. In dem Augenblick ist das für die Schule ein Thema, in dem sie Medienkompetenz dann an die Kinder vermitteln muss.

Medienpädagogin Förster hat den Eindruck, dass die Kurse den Schülern einiges bringen. Allerdings sollten aus ihrer Sicht Lehrer das Thema im Unterricht noch weiter vertiefen. Und Eltern rät sie, sich mehr für das zu interessieren, was ihr Nachwuchs im Internet treibt. Für die Erwachsenen bietet die Schule aus diesem Grund auch spezielle Medien-Elternabende an - damit sie ihre Kinder besser verstehen und unterstützen können.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Reportage | 24.11.2011 | 08:08 Uhr

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