Datenschützer gegen Facebooks Namenregel

von Simon Kremer, NDR Info

Das Logo von Facebook spiegelt sich in einem Auge © imago stock&people Fotograf: imagebrooker Detailansicht des Bildes Facebook hat vor allem seinen Profit im Blick, die Datenschützer die Interessen der User. Datenschutz und Facebook - das ist immer wieder ein Spannungsfeld. Jetzt hat sich die Kieler Datenschutzbehörde erneut an das Soziale Netzwerk gewandt. Der Grund: Facebook soll den sogenannten Klarnamenzwang für die Nutzer aufgeben - den Zwang, seinen echten Namen anzugeben, wenn man ein Online-Profil anlegt. Das Unternehmen bleibt allerdings stur.

Geht es nach Facebook, dann findet man Usernamen wie "Jack Ripper" oder "Mickey Maus" demnächst nicht mehr in dem Sozialen Netzwerk. Das US-Unternehmen will nur noch die echten Namen der Nutzer zulassen. Sven Polenz vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein beschreibt, wie Facebook sein Ziel erreichen will: "Es ist eigentlich schon seit längerer Zeit so, dass man diese Echtdaten auch wirklich verlangt. Jetzt ist es noch mal mit einem besonderen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte verbunden, indem man die Konten sperrt."

Anonymität im deutschen Telemediengesetz verankert

Um das Konto wieder zu entsperren, müssen die Nutzer eine Kopie ihres Ausweises hochladen - so können sie ihre Identität bestätigen. Die Kieler Datenschützer forderten deshalb vor sechs Wochen von Facebook-Chef Mark Zuckerberg, den Nutzern Anonymität zuzusichern. So sieht es auch das deutsche Telemediengesetz vor:

"Der Dienste-Anbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist."

Fünf Prozent der Nutzer bei Facebook mit Pseudonym unterwegs

In einer Testphase forderte Facebook vor Kurzem Nutzer sogar dazu auf, ihre Freunde zu melden, sollten die nicht ihren echten Namen benutzen. Für User Armin Peter ein Skandal: "Das ist natürlich unmöglich. Ich sehe auch nicht ein, warum es diesen Klarnamenzwang geben soll, weil jeder weiß, wer ich bin. Wer es nicht weiß, der kennt mich offenbar nicht gut genug, um mit mir befreundet zu sein."

Wie Armin Peter sind etwa fünf Prozent der Facebook-Nutzer unter falschem Namen unterwegs. Zum Missfallen des Unternehmens. Es beruft sich darauf, eine Plattform zu sein, auf der echte Menschen miteinander in Kontakt treten können. Eine Sprecherin teilte auf Anfrage mit: "Damit sind auf Facebook echte Menschen aktiv, die ihre echten Freunde finden und echte Geschichten erzählen. Nur so entstehen echte, authentische Beziehungen, wie auch im realen Leben."

Datenschützer warnen vor Daten-Verknüpfung

Auch Sicht von Datenschützer Polenz ist dagegen Vorsicht geboten: "Die Intention von Facebook klingt ja erstmal recht gut - nach außen hin. Wenn wir uns allerdings die anderen Dienstangebote ansehen merken wir, dass offenbar Facebook die Echtdaten, die man bei der Registrierung erhebt, mit anderen Daten verknüpft." Zum Beispiel zu Werbezwecken, so Polenz weiter.

Für viele Menschen, schreibt die amerikanische Wissenschaftlerin Danah Boyd in ihrem Blog, sei gerade die Anonymität wichtig - zum Beispiel für Regimegegner in der arabischen Welt, anderswo für Homosexuelle, oder für Frauen, die gestalked werden. Facebooks Meinung dazu ist eindeutig: keine Ausnahmen! Die machte dagegen Konkurrent Google: Auch der wollte einen Klarnamenzwang bei seinem Netzwerk Google+ durchsetzen, beugte sich jedoch schließlich der Empörung seiner Nutzer. Inzwischen sind Pseudonyme in Ausnahmefällen zugelassen.

Lenkt Facebook wie bei der Gesichtserkennung ein?

Sollte Facebook bis Ende dieser Woche nicht ebenso einlenken, wollen die Kieler Datenschützer eventuell rechtliche Schritte einleiten. Sven Polenz hofft aber auf die Einsicht des Unternehmens, so wie sie sie auch beim Streit um die Gesichtserkennung gezeigt hatte: "Facebook hat dann allerdings tatsächlich eingelenkt und für gesamt Europa die Gesichts-Templates gelöscht."

Bislang zeigt sich Facebook allerdings hartnäckig. Noch vor einem Jahr sagte die damalige Marketingchefin Randi Zuckerberg: "Ich denke, dass Anonymität im Netz komplett verschwinden muss."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 06.12.2012 | 08:08 Uhr

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