Von ACTA bis @pontifex - das Jahr im Netz

von Fiete Stegers

Beleuchtete Zahl 2012 © Fotolia Fotograf: Pavel Ignatov Detailansicht des Bildes Neue Produkte, Daten-Weitergabe und drohende Gesetze: Was war Thema im Internet? Die Empörung vieler Nutzer der populären Foto-App Instagram über deren neue Nutzungsbedingungen hat es gerade wieder gezeigt:  Mancher Shitstorm fegt nur kurz durch die Sozialen Netzwerke. Andere Wellen wie die der Begeisterung für das Tanz-Video Gangnam Style und dessen unzählige Nachahmer haben das Zeug, zu einem bleibenden WWW-Phänomen zu werden. Welche Ereignisse aus der Netzwelt waren 2012 prägend und sind auch am Ende des Jahres noch in Erinnerung?

Ein Mann mit Maske nimmt an den Demonstrationen gegen das Anti-Produktpiraterie-Abkommen ACTA teil. © dpa-Bildfunk Fotograf: Barbora Prekopova Detailansicht des Bildes Demonstration in Hannover: In vielen Städten im Norden protestierten junge ACTA-Gegner. "Stop ACTA!“ Ganz zu Anfang stand eine Empörungswelle, die junge Menschen aus dem Netz auf die Straße trieb. Selbst langjährige Internet-Aktivisten waren überrascht angesichts der Massenwirkung, gestandene Politiker wirkten ein bisschen eingeschüchtert und viele normale Bürger fragten sich verwundert, was sich hinter den buntgemischten Protesten und dem Kürzel ACTA verbirgt. Die Gegner des von den beteiligten Staaten größtenteils hinter verschlossenen Türen ausgehandelten Abkommens befürchteten unter anderem, dass die ACTA-Vereinbarungen zum besseren Schutz von Urhebern zu einer Beschneidung der Internet-Freiheit für Normalnutzer führen würden. Ihr Protest war erfolgreich – und seitdem schauen die ACTA-Kritiker genau hin, ob nicht durch neue nationale Gesetze oder internationale Abkommen ähnliche Regelungen eine Wiederauferstehung feiern.

 

Verbissene Urheber, verärgerte Nutzer

Der Kampf um ACTA war nur der Auftakt zu einer in Deutschland erbittert geführten Debatte über die Zukunft des Urheberrechts, in der sich unter anderem Musiker, ihre Verlage und Verwertungsgesellschaften, Politiker sowie Internet-Vordenker und Vertreter von Nutzerinteressen zu Wort meldeten. Dazu gehörten die Auseinandersetzungen zwischen YouTube und der GEMA ebenso wie das Pochen der Zeitungsverleger auf die Einführung eines speziellen Leistungsschutzrechts, das sie vor angeblicher Enteignung durch Suchmaschinen schützen soll.

Die teilweise mit der Intensität eines Glaubenskriegs geführte Debatte zeigt vor allem eins: Eine Anpassung des Urheberrechts an die Bedingungen des digitalen Zeitalters ist überfällig.

Piraten: Erfolgskurs mit vielen Schlenkern

Die Piraten-Party in der Pumpe. © NDR Fotograf: Sven Brüggemann Detailansicht des Bildes Freude über den Wahlerfolg: Piraten in Kiel. Von beiden Diskussionen profitierte die Piratenpartei, die ihren Aufstieg zunächst fortsetzte und auch in Schleswig-Holstein in den Landtag einzog - trotz oder gerade wegen ihres zum Teil von anderen Parteigliederungen zusammenkopierten Wahlprogramms. Ob ihr bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird, erscheint nach den derzeitigen Umfragen fraglich. Zum Teil tun sich die Piraten schwer daran, sich den parlamentarischen Gepflogenheiten anzupassen, zum Teil erscheinen sie erschöpft durch interne Auseinandersetzungen.

Facebook: Geliebt und gehasst

Bei den sozialen Netzwerken setzte Platzhirsch Facebook sein Wachstum fort. Der langerwartete Börsengang war allerdings von Pannen begleitet. Die zunehmenden Bemühungen von Facebook, aus den inzwischen mehr als einer Milliarde registrierten Nutzern Kapital zu schlagen, sorgten bei diesen zunehmend für Unmut.

Datenschützer aus Hamburg und Schleswig-Holstein traten Facebook wegen der automatischen Gesichtserkennung in Fotos, dem Verbot von Pseudonymen als Nutzernamen und der Übermittlung von Userdaten auf die Füße. Für einen Aufschrei bei Datenschützern und Usern sorgte, als NDR Info aufdeckte, dass die Schufa in Deutschland erforschen lassen wollte, wie sich Daten aus Facebook und anderen sozialen Netzwerken für ihre Zwecke auswerten lassen.

Für Diskussionen über Datenschutz und die soziale Verantwortung von Internet-Plattformen sorgten auch die Facebook-Fahndungen der Polizei in Norddeutschland und das Auftauchen von Gerüchten über Ex-Bundespräsidentengattin Bettina Wulff.

Im Schatten Facebooks wuchs Google+ kontinuierlich, ohne jedoch zum ernsthaften Konkurrenten für Facebook zu werden. Der Kurznachrichtendienst Twitter erlebte einen kleinen Boom - gerade in Deutschland. Der US-Wahlkampf, Präsident Obama und twitternde Promis bescherten Twitter neue Rekorde. Sogar SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und der Papst (als Nutzer @pontifex) entdeckten die Plattform für sich. Durch technische Änderungen vergrätzte Twitter jedoch auch einige altgediente Nutzer. Für den einstigen deutschen Stern am Himmel der Sozialen Netzwerke, StudiVZ, wurde 2012 hingegen das Ende besiegelt.

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