Flut 2013: Hochwasser-Hilfe im Netz
Wollen Sie Hochwasser-Betroffenen Ihre Hilfe anbieten? Oder suchen Sie selbst Unterstützung? NDR.de hat eine Liste mit Internetseiten zusammengestellt, die Hilfe organisieren. mehr
Reinschütten, zuknoten, abtransportieren. Die Helfer in der Kiesgrube Tramm füllen unermüdlich Sandsäcke für den Deich von Hitzacker. Zwischendurch gucken sie auf ihre Smartphones, prüfen die Pegelstände und erfahren, wo noch Leute gebraucht werden. Die Sozialen Netzwerke als Unterstützung in der Flut sind für eine ganze Generation von Helfern nicht mehr wegzudenken.
Wohin mit den Tieren, wenn die Flut kommt? Vielleicht weiß eine Seite im Internet Rat.
"Hochwasser Niedersachen" heißt zum Beispiel eine Facebook-Gruppe, mit der sich die Menschen im Norden organisieren können. "Da wird zum Beispiel gepostet: Ich habe noch ein Zimmer frei und kann zwei Leute aufnehmen. Oder: Wo kann ich meine Tiere hinbringen, wer hat noch eine Weide?", erläutert Jürgen Kreller aus der Redaktion NDR Aktuell. Vor allem für die Organisation der Fluthelfer sei Facebook sehr gut.
Gabriele Müller organisiert Hilfe für die Hochwassergebiete mit Facebook. Die von ihr ins Leben gerufene Seite "Hochwasser Niedersachsen" bündelt Infos und hält auf dem Laufenden.
Auf der Plattform Twitter stehe hingegen die Schnelligkeit im Vordergrund: "Da kommen schnelle Informationen aus ganz vielen Bereichen. Wenn man die sorgfältig beobachtet und die verifiziert und überprüft, dann hat man so schnell Informationen, wie man die sonst über den normalen Weg der Recherche bei Behörden gar nicht kriegen kann",, sagt Kreller. Er selbst schickt über den Twitter-Account NDR Reporter Informationen in die Welt und vernetzt sich mit anderen. Denn auch auf den Rechnern der Behörden, den Laptops von Polizei, Feuerwehr und technischem Hilfswerk sammeln sich Pegelstände, Trends zur Lage oder Evakuierungsmeldungen.
Wie wichtig Facebook und Twitter in Zeiten der Flut werden können, das haben Helfer und Einsatzkräfte in Magdeburg in Sachsen-Anhalt bereits erlebt. Christopher Koennecke, Organisator einer regionalen Helferseite für Magdeburg schreibt dort: "Am Anfang haben wir uns wenig Gedanken gemacht, darüber welches Ausmaß und welche Wichtigkeit diese Idee haben sollte. Dann kamen Prognosen für Magdeburg und so langsam wurde die Bedrohlichkeit der Lage vielen bewusst. Wir bekamen Prognosen, Äußerungen und aktuelle Pegelstände und gaben diese weiter." Unterstützer kamen dazu: "Dann meldete sich Lisa bei uns und fragte, ob sie eine Karte zu den aktuellen Schwerpunkten anfertigen soll. Diese Karte sollte in den nächsten Tagen einer der wichtigsten Instrumente werden, bis jetzt trägt Lisa dort sofort alle Gesuche und Hilfsangebote, Überflutungen, Straßensperren, Verpflegungsstellen ein. Die Karte wurde bereits 600.000 mal angeklickt."
Es sei eine anstrengende Aufgabe schreibt Christopher Koennecke weiter. Vier Tage hätten er und seine Leute nicht geschlafen. Dafür aber eine unglaubliche Motivation erlebt. Im Büro, über Rückmeldungen der User aber auch draußen vor Ort bei den Einsätzen. Nach einem einzigen Aufruf seien innerhalb von 20 Minuten bis zu 300 Helfer an der Einsatzstelle aufgetaucht.
Hochwasser in Bleckede
Die Information ist ein bisschen wie das Wasser, sie sucht sich ihren eigenen Weg. Das sagt auch Jürgen Kreller von NDR Aktuell: "Vor drei Tagen schrieb uns eine Frau an: ob wir wissen wie die Situation in Bleckede ist. Dann hab ich gesagt, wir haken nach und hab ihr irgendwann mal den Stand durchgegeben. Vorgestern dann schreibt diese Frau erneut an @NDRreporter: Ihr Mann, ein Soldat aus Munster wurde zuerst nach Hause geschickt, und musste dann wieder nach Bleckede." Es gab zu diesem Zeitpunkt nämlich eine neue Hochwasser-Prognose der Behörden - die war aber noch nicht öffentlich. Kreller: "Dann haben wir angerufen bei den Behörden. Und nur deswegen, weil wir in die Sitzung des Krisenstabes reintelefoniert haben, konnten wir diese Informationen dann schon im Fernsehen für unsere Sondersendung nutzen."
Auch Janine Koska aus Magdeburg hat im Netz Informationen zum Thema Flut und Hilfe geteilt. Die Leiterin einer Kommunikationsagentur schloss sich frühzeitig einer Facebook-Gruppe an. "Ich selber hab darüber informiert, dass wir im Einsatz sind und die Hilfskräfte mit Lebensmitteln versorgt haben. Das ist sehr emotional, aber auch motivierend. Man verbreitet Informationen um anderen Mut zu machen", meint sie.