Wie Hacker zu gefragten Experten wurden
Zum Chaos-Computer-Club-Treffen sind Tausende Teilnehmer nach Hamburg gekommen. Einst argwöhnisch beäugt, sind die CCC-Hacker inzwischen gefragte Computerspezialisten. mehr
Die größte europäische Hacker-Vereinigung, der Chaos Computer Club (CCC), hat sich auf einem viertägigen Kongress in Hamburg gegen staatliche Überwachungstechnik, Zensur und Internet-Regulierung ausgesprochen. Mit 6.000 Teilnehmern fand die Konferenz so viel Resonanz wie nie zuvor in der 31-jährigen Geschichte des Vereins.
Zum Abschluss ging es am Sonntag unter anderem um die Rolle des Verfassungsschutzes. In einem Rückblick bekräftigte der CCC die Ablehnung von staatlicher Überwachungssoftware wie der "Staatstrojaner", Vorratsdatenspeicherung und Abmahnungen bei Verstößen gegen das Urheberrecht. Während des Kongresses forderten mehrere Teilnehmer, Deutschland brauche klare Regeln für den Einsatz einer Überwachungs-Software. Beim Ausspähen von Computern müssten die Sicherheits-Behörden sensibler vorgehen.
CCC-Sprecher Frank Rieger rief zudem Software-Entwickler und Ingenieure dazu auf, sich einer militärischen Nutzung ihrer Fähigkeiten zu widersetzen: "Wir sagen: Arbeitet nicht für diese Leute, überlegt euch, für wen ihr eure Fähigkeiten einsetzt".
Die Hacker-Szene zeigte sich auf dem Treffen selbstbewusst. Viele der Kongressteilnehmer kamen, um sich über den kreativen Umgang mit digitaler Technik auszutauschen und selbst Software zu entwickeln oder an neuer Hardware zu tüfteln. Im Unterschied zu den USA, wo der Begriff des Hackers in der öffentlichen Wahrnehmung eng mit dem kriminellen Untergrund verbunden ist, wird das Hacken in Europa eher als kreativer Umgang mit Technik betrachtet. Das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs war zurück an seinen Ursprungsort Hamburg verlegt worden, weil in Berlin die Räume in den vergangenen Jahren zu klein geworden waren. Der Verein hat seit diesem Wochenende erstmals mehr als 4.000 Mitglieder.