Zwischen Überwachungsangst und Bastelspaß

von Fiete Stegers

Wartschlange vor dem Congress Centrum Hamburg  Fotograf: André Gaul (Creative Commons CC-BY-3.0) Detailansicht des Bildes Wer hacken will, muss lange anstehen. Eine riesige Warteschlange staute sich am Donnerstagmorgen vor dem Eingang des Congress Centrums Hamburg. Dabei war das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs (CCC) doch zurück an seinen Ursprungsort Hamburg verlegt worden, weil in Berlin die Räume in den vergangenen Jahren zu klein geworden waren. Mehr als 4.000 Hacker, Internetaktivisten und Bürgerrechtler kamen 2011 zum Chaos Commmunication Congress in Berlin. 2012 rechneten die Organisatoren mit mindestens 6.300 Besuchern in Hamburg. Bis zum Veranstaltungsende am Sonntag wurden noch weitere Tageskarten verkauft.

US-Hacker Appelbaum warnt vor Überwachung

Im Congresscentrum selbst konnten sich die Besucher aber entspannt auf die Vortragsräume und Workshops verteilen. Im großen Saal eröffnete US-Hacker und Wikileaks-Unterstützer Jacob Appelbaum die Tagung. Er appellierte an die Besucher, sich für ein freies Internet stark zu machen und zeichnete ein düsteres Bild der Überwachung des Netzes durch Polizei und Geheimdienste. Programmierer sollten ihre Fähigkeiten nicht in den Dienst solcher Behörden stellen.

Am ersten Kongresstag standen viele politische Themen auf dem Programm. So berichteten die CCC-Sprecher Constanze Kurz und Frank Rieger aus der Anhörung des Bundesverfassungsgerichts zur Antiterrordatei. Das Gericht hatte sie dazu als Sachverständige befragt. Das Fazit der Hacker: Der elektronische Datenaustausch zwischen Polizei und Geheimdiensten werde durch die Verbund-Datei für Verdächtige viel intensiver, als es die Behördenchefs nach außen vermitteln würden. "Die Techniker haben in der Anhörung mehr ausgeplaudert, als ihren Chefs lieb war. Ingenieure lügen nicht", sagte Rieger und erntete dafür Gelächter. Die gesetzlichen Vorgaben, was gespeichert und ausgetauscht werden darf, ließen dagegen viel Interpretationsspielraum.

Zeit zum Löten und zum Klönen

Junge Männer mit Lötkolben  Fotograf: Fiete Stegers Detailansicht des Bildes Lötworkshop auf dem Chaos Communication Congress In den nächsten Tagen geht es auf dem Kongress unter anderem um die Sicherheit bei kontaktlosen Bankkarten, Frauen in der Informatik, die Internet-Entwicklung in Ägypten und Tunesien nach den Volksaufständen sowie um "digitales Kochen". Auf den Fluren arbeiten Kongressbesucher an gemeinsamen Programmier-Projekten, lassen sich ins Löten von Elektronik-Bauteilen einweihen oder freuen sich, endlich einmal eine Internetbekanntschaft persönlich kennenzulernen. Parallel geht der Kongress im Internet weiter, wo Nicht-Angereiste Vorträge per Livestream verfolgen können und das Kongressgeschehen kommentiert wird.

 

 

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Wau Holland vom "Chaos-Computer-Club" in Hamburg an seinem Computer im November 1984 © dpa Fotograf: Werner Baum
 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 27.12.2012 | 18:08 Uhr

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Aufzeichnungen der Vorträge auf dem 29. Congress in Hamburg

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Mousepad mit Hamburgwappen (Bildmontage) © Fotolia Fotograf: momiusm, kim, aldorado
 

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