Beckedahl will Job, der ihm Spaß macht
Markus Beckedahl von netzpolitik.org zu den Verdienstmöglichkeiten eines Bloggers.
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Thomas Wiegolds Blog "Augen geradeaus!" funktioniert nach dem Prinzip Straßenmusik: Leser sollen ein paar Cent in den (virtuellen) Hut werfen.
Wozu noch Zeitung, Fernsehen, Radio, fragen viele Jünger der digitalen Medienwelt - ich lese Blogs und weiß, was läuft! Und kostenlos ist das auch noch. Die mehr oder weniger journalistischen Werke von Bloggern bieten eine breite Vielfalt von Informationen und Meinungen - und erfreuen sich damit großer Beliebtheit. Doch Geld verdienen ihre Macher für den teils immensen Aufwand kaum. Und deshalb kommt jetzt so mancher Blogger ins Grübeln und sucht nach Einnahme-Quellen.
Als Redakteur des Magazins Focus hatte Thomas Wiegold keine Geldsorgen. Doch inzwischen ist der Verteidigungspolitik-Experte Freiberufler. Für sein Blog "Augen geradeaus!" bekommt er viel Beifall, aber kaum Geld. "Also in Deutschland mit Bloggen reich zu werden, ist glaube ich noch keinem gelungen", sagt der Berliner. Erst recht nicht mit Nischenthemen wie Sicherheitspolitik. Im Moment investiert Wiegold in sein Blog die meiste Zeit, finanziert sich aber überwiegend durch Beiträge für Medien. Auf seiner Webseite bittet er um freiwillige Beiträge seiner Leser. "Projekt Straßenmusik", nennt er das: "Ich spiele die Musik, die ich gut finde. Und die, die das auch gut finden, werfen mir etwas in den Hut."
Verteidigungspolitik-Blogger Thomas Wiegold muss sein Blog durch journalistische Arbeit mitfinanzieren.
6.000 Euro kamen so vergangenes Jahr zusammen. Ein Anfang, sagt Wiegold. Einige andere Geldquellen hält er für ungeeignet: Werbetreibende etwa scheuten das Thema Krieg und Tod - und Sponsoren kämen nicht in Frage. "Wer soll ein Blog zur Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sponsern?", fragt Wiegold. Manche Unternehmen würden ihm da einfallen, "das aber würde mich, glaube ich, in den Augen vieler Leser Glaubwürdigkeit kosten. Das Gleiche wäre, wenn es von staatlicher Stelle quasi gesponsert wäre. Das geht also auf gar keinen Fall."
Markus Beckedahl hat für das renommierte Blog Netzpolitik eine Diskussion über Finanzierungsmöglichkeiten angestoßen.
Wiegolds neueste Idee: kostenpflichtige Zusatzinfos für professionelle Nutzer, etwa Firmen und Organisationen. Beiträge generell hinter eine Bezahlschranke zu schieben, eine so genannte Paywall, will Wiegold ebensowenig wie Markus Beckedahl, Gründer von netzpolitik.org, einem der populärsten deutschen Blogs. "Dann würden wir vielleicht mehr Geld verdienen, aber nur noch von ganz Wenigen gelesen werden", fürchtet er, "und das wäre nicht unbedingt unsere Motivation".
Vorstellen könnte sich Beckedahl aber, dass ein Teil der 30.000 Leser netzpolitik.org durch eine monatliche oder jährliche Spende unterstützen würden. Bisher werden die monatlichen Kosten von gut 6.000 Euro vor allem durch Werbeeinnahmen und Zuschüsse eines Internet-Unternehmens gedeckt - Geldgaben der Leser kommen kaum rein. "Es gibt nicht die eine Haupteinnahmequelle", glaubt Beckedahl, "sondern es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wo jedes Medium für sich selbst den Weg finden muss, wie man es miteinander kombiniert".
Dass der Appell an Leser fruchten kann, hat der US-Blogger-Promi Andrew Sullivan bewiesen. Sein Spendenaufruf Anfang Januar brachte eine Drittelmillion Dollar - innerhalb eines Tages! Von Gratismentalität der Nutzer könne keine Rede sein, meint Markus Beckedahl: "Eine ganze Menge Menschen sind heutzutage bereit, für Inhalte zu bezahlen. Es wird uns nur sehr schwer gemacht." Einen Weg weist krautreporter.de. Die neue Webseite hilft, Geld für aufwendige journalistische Projekte durch Crowdfunding zu sammeln: Ein Autor stellt ein Thema und eine mögliche Umsetzung vor - Interessierte können dafür Geld geben.
"Der Zeitpunkt der Finanzierung ändert sich", erklärt Sebastian Esser von Krautreporter das Prinzip. "Statt hinterher für eine Zeitung zu bezahlen, bezahlen Sie im Vorhinein für etwas, was sonst gar nicht entstehen würde Und was Sie bekommen, ist einerseits die Arbeit selbst und Sie bezahlen Eintritt dafür, dass Sie den Reporter bei seiner Arbeit begleiten und ihm helfen dürfen." Denn es gibt direkten Kontakt zwischen Autoren und Geldgebern - Updates über das Projekt etwa. Eventuell kann man sogar live dabei sein bei Recherchen oder Interviews.
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