Google-Bildersuche - der große Bilderklau?

Noch ist die neue Internet-Bildersuche von Google gar nicht in Deutschland gestartet, sondern nur per Smartphone abrufbar. Doch was viele Nutzer über die englischsprachige Google-Seite schon gesehen haben, lässt die Netzgemeinde in große Aufregung verfallen. Denn längst geht es nicht mehr nur um eine schönere Darstellung, sondern vielmehr um die Wertschätzung von Urhebern.

Von Simon Kremer, NDR Info

Ein Nordsee-Strand, mächtig und bildschirmfüllend auf grauem Grund. Am oberen Bildschirmrand weitere Postkarten-Ansichten, wie wir sie kennen. Mit den Pfeiltasten kann der Nutzer einfach durch die Bilder scrollen - nutzerfreundlich, sagt Google. Frechheit, sagen Künstler, Fotografen, Urheber.

"Google zeigt den Besuchern schon das finale Werk an, was sie gesucht haben. Google ist in dem Sinne keine Suchmaschine mehr, sondern eine Findmaschine", sagt Martin Mißfeldt. Der Berliner ist selbst Zeichner und engagiert sich gegen die neue Bildersuche von Google.

Kampagne "Verteidige Dein Bild" ist online

War es bislang üblich, erst eine kleine Vorschau des gesuchten Bildes angezeigt zu bekommen und dann, bei einem Klick, auf die zugehörige Webseite weitergeleitet zu werden, entfällt dieser Umweg jetzt. Der Nutzer soll den Google-Kosmos nicht mehr verlassen. Mißfeldt missfällt das: "Es zeigt eigentlich nur, wie wenig wertig Bilder wertgeschätzt werden. Jetzt kommt Google, zeigt das Bild und sagt damit: 'Derjenige, der es erstellt hat, ist damit eigentlich unwichtig.'"

Laptop zeigt Googles Bildersuche (Screenshot, Montage) © Fotolia Fotograf: FotolEdhar Diese Bildmontage zeigt, wie die neue Vorschau-Funktion aussehen soll.

Darum hat Mißfeldt die Kampagne "Verteidige Dein Bild" mitbegründet - in Anlehnung an Googles "Verteidige Dein Netz"-Feldzug gegen das Leistungsschutzrecht. Die Initiatoren der Kampagne fragen provokativ, was die Google-Bildersuche eigentlich ohne Bilder, ohne Fotografen, ohne Zeichner und ohne Maler wäre. Und sie geben selbst die Antwort: eine Bildersuche ohne Bilder.

Werden Urheberrechte verletzt?

Links

Wenn Sie eine spezielle Adresse eingeben - oder auf diesen Link klicken - können Sie die neue Funktion auch als Nutzer aus Deutschland schon ausprobieren (browserabhängig).

Link in neuem Fenster öffnen

Die Fotografin sieht urheberrechtliche Probleme bei Googles neuer Bildersuche.

Link in neuem Fenster öffnen

Die Fotografin Heike Rost, Mitglied im deutschen Presserat, sieht hier möglicherweise auch Urheberrechte verletzt: "Die ganze Geschichte ist so, als ob man die Haustür aushängt und noch ein Schild vorne dran stellt: 'Du kommst hier unglaublich einfach rein, bediene dich.' Es ist eigentlich eine Aufforderung, Bilder zu nutzen, weil keinerlei Hinweis, wie die Bilder rechtlich zu behandeln sind, vorhanden ist. Das finde ich hochgradig bedenklich."

Das ist ein möglicher Grund dafür, dass die neue Suchfunktion in Deutschland und Frankreich noch nicht freigeschaltet ist. Offiziell will Google zu der Debatte aber keine Auskunft geben.

Große Vorschau ärgert Fotografen und Künstlern

Einige Seitenbetreiber von Bilddatenbanken und Fotogalerien befürchten durch die fehlende Umleitung auf ihre Webseite erhebliche Besucherrückgänge - und Umsatzeinbußen durch Werbebanner. Bei einigen Fotogalerien im englischsprachigen Raum sind nach eigenen Angaben die Zugriffszahlen über die Bildersuche um rund 70 Prozent zurückgegangen, weiß Mißfeldt: "Das sind schon erhebliche Menschenmassen, die da bewegt werden über die Bildersuche. Und jetzt einfach zu sagen: 'Ihr könnt ja jetzt einfach rausgehen und eure Bilder dafür sperren' ist eine Aufforderung in der Versenkung zu verschwinden - ein echter Wettbewerbsnachteil."

So lässt sich Google aussperren

Website-Betreiber haben die Möglichkeit, durch eine einfache Einstellung in der sogenannten Robots.txt-Datei Suchmaschinen zu verbieten, ihre Inhalte zu erfassen. Dies lässt sich auch für nur bestimmte Suchmaschinen - etwa Google News oder Googles Bildersuche - oder bestimmte Dateiverzeichnisse einzeln tun. Der Haken an der Sache: Werden die Inhalte dann nicht indiziert, werden sie auch nicht gefunden und weniger Besucher gelangen auf die Website.

Nutzer sehen Vorteile

"Normale" Internetnutzer sehen die Diskussion um die neue Bildersuche jedoch anders. Die Vorwürfe gegen Google, schreibt ein Nutzer, seien "saudumm. Für mich als Nutzer ist die neue Bildersuchfunktion einfach genial, weil viel benutzerfreundlicher".

Eine andere Meinung lautet, dass jeder wissen sollte, dass es in der eigenen Verantwortung liegt, was wie und wo veröffentlich wird: "Google für laxen Umgang mit der eigenen Privatsphäre verantwortlich zu machen ist kurzsichtig und albern", heißt es da.

Die Diskussionen drehen sich also hitzig weiter. In Deutschland ist und bleibt die neue Bildersuche für den normalen Nutzer nur auf dem Smartphone abrufbar.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 07.02.2013 | 08:08 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/netzwelt/bildersuche101.html
Jeden Donnerstag
Binärcode dargestellt auf Oberfläche eines Planeten © Fotolia.com Fotograf: V. Yakobchuk
 

Netzwelt

Alles Wissenswerte über die weite Welt des Internets - jeden Montag und Donnerstag auf NDR Info. mehr