Sendedatum: 05.06.2012 09:20 Uhr  | Archiv

Zecken-Gel soll gegen Borreliose helfen

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Bisher gibt es weder eine Impfung noch eine sofort wirksame Therapie gegen die Borreliose-Bakterien.

Mit einem neuartigen Gel versuchen Forscher derzeit, direkt nach einem Zeckenbiss durch verseuchte Zecken übertragene Borrelien abzutöten. Inzwischen trägt etwa jede dritte Zecke diese gefährlichen Keime in sich, zeigen aktuelle Untersuchungen. Entsprechend hoch ist die Ansteckungsgefahr nach einem Zeckenbiss.

Eine Infektion kann harmlos verlaufen, aber auch Gelenkentzündungen, Herzrhythmusstörungen, Nieren- und Nervenschäden hervorrufen. Direkt nach dem Stich können Fieber, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und eine typische Wanderröte an der Bissstelle auftreten. Bislang wird mit hochdosierten Antibiotikatabletten oder Infusionen behandelt, wenn die frische Borreliose-Infektion im Blut eindeutig nachweisbar ist. Doch oft fehlen frühe Symptome und die Infektion bleibt im Anfangsstadium unbehandelt. Mögliche Spätfolgen aber können dann kaum noch wirksam bekämpft werden.

Bisher gibt es aber weder eine Impfung gegen Borrelien noch eine empfohlene Sofort-Therapie nach einem Zeckenbiss.

Borrelien werden an der Einstichstelle abgetötet

Das neue Gel enthält das Antibiotikum Azithromycin in einer so hohen Konzentration, dass es die Borrelien direkt vor Ort an der Bissstelle abtöten kann. Grundlage dieser neuen Therapieform ist die Erkenntnis, dass die Erreger aus dem Darm der Zecke erst nach stundenlangem Saugen in die Haut  gespuckt werden und dort dann etwa vier Tage bleiben, bevor sie sich weiter verteilen und Krankheiten verursachen können.

Dabei verändern die Borrelien zunächst ihre Eiweißstruktur, um sich an ihren neuen Wirt, den Menschen, anzupassen. Während dieses Zeitfensters bleiben sie vor Ort und sind dem Antibiotikum im Gel schutzlos ausgeliefert.

Zecken-Studie: Wie arbeiten die Forscher?

Im Rahmen der Zecken-Studie vermessen die Forscher zunächst die Bissstelle und tragen dann das Gel auf. Es bleibt 30 Minuten auf der Haut, dann ist es eingetrocknet und lässt sich abwischen. Insgesamt wird das Gel drei Tage lang zwei Mal täglich aufgetragen, dann sollten alle Borrelien abgetötet sein. Nach 57 Tagen werden die Probanden und ihr Blut nochmals untersucht. An den Werten erkennen die Ärzte, ob tatsächlich keine Borrelien mehr im Körper sind.

Zu diesem Zeitpunkt ist es noch möglich, die Borrelien mit der klassischen Antibiotikatherapie zu bekämpfen. Das ist besonders wichtig, da im Rahmen der sogenannten Doppel-Blind-Studie weder die Patienten noch der Arzt wissen, ob das eingesetzte Gel tatsächlich den Wirkstoff enthalten hat oder nicht. Nur so können die Wissenschaftler sicher herausfinden, ob das Gel tatsächlich Menschen vor den gefährlichen Borrelien schützt. Bestätigen sich die bisherigen positiven Erfahrungen, könnte das Gel in etwa zwei Jahren auf den Markt kommen.

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Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Dirk Wiechert
Facharzt für Allgemeinmedizin
Praxis Dr. Wiechert
Zecken-Studie / Studienzentrum
Juiststraße 12
28217 Bremen
Tel. (0421) 396 78 18

Prof. Dr. Gerd-Dieter Burchard
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
Tel. (040) 42 81 83 91
Fax (040) 741 05 13 34

Dr. Jörg Lehmann
Arbeitsgruppenleiter Zelltechnik / GLP
Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie
Perlickstraße 1
04103 Leipzig
Tel. (0341) 355 36 93 20

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Visite | 05.06.2012 | 09:20 Uhr

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