Sendedatum: 20.02.2013 09:20 Uhr  | Archiv

Wann müssen Weisheitszähne raus?

von Dorothea Brummerloh
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Woher der Weisheitszahn seinen Namen hat, ist nicht klar.

Das Gebiss des Menschen besteht pro Kieferseite aus zwei Schneidezähnen, einem Eckzahn, zwei sogenannten Vorbackenzähnen und drei Backenzähnen. Der Weisheitszahn ist der hintere Backenzahn. Im Vergleich zu den anderen Zähnen entwickelt sich dieser erst sehr spät. Häufig ist seine Entwicklung erst im Erwachsenenalter abgeschlossen. Oft reicht der Platz im Kiefer für den Weisheitszahn nicht aus, sodass dieser im Kiefer eingeschlossen bliebt oder nur teilweise durchbrechen. Rund 80 Prozent der Erwachsenen in Europa sind davon betroffen.

Entfernt werden sollten Weisheitszähne, wenn sie nach Abschluss des Wurzelwachstums die Kauebene nicht erreicht haben oder in die falsche Richtung durchbrechen. Auch bei Platzproblemen oder wenn der Zahn gedreht ist, muss über eine Operation nachgedacht werden. So steht es in den Leitlinien zur "Operativen Entfernung von Weisheitszähnen". Leitlinien beschreiben, was nach dem derzeitigen Stand des Wissens das Beste für den Patienten ist. Sie sind eine Entscheidungshilfe für Ärzte.

Offene Fragen bleiben

Aber müssen Weisheitszähne, die vom Zahnarzt "Achter" genannt werden, auch dann raus, wenn sie keine Probleme bereiten? Verschieben sich vielleicht die Schneidezähne, wenn man nichts unternimmt? Solche Fragen lassen sich mit letzter Sicherheit kaum beantworten. Wissenschaftler des unabhängigen Forschungsnetzwerkes "Chocrane Collaboration" haben schon vor einiger Zeit nach Studien zu diesem Thema gesucht. Aber was sie fanden, war so dürftig, dass sich keine klaren Empfehlungen ableiten ließen.

Das schafft Spielraum für Diskussionen. Der Patient muss sich also mit seinem Arzt sprechen und mit ihm gemeinsam entscheiden - auf der Grundlage von Röntgenbildern.

Eingriff unter Betäubung

Der Eingriff dauert zwischen zwei und zwanzig Minuten und wird meistens unter Lokalanästhesie durchgeführt. Während der OP wird das Gewebe eröffnet, manchmal auch Knochen abgetragen. Dadurch kommt es zu einem Bluterguss und zu einer Schwellung. Die sorgt hinterher für Schmerzen und meist eine dicke Backe.

Was tun gegen Schwellungen und Schmerzen?

Wichtig ist, zu kühlen. Dann bildet sich die Schwellung schneller zurück. Gegen den Wundschmerz helfen die gängigen Schmerzmittel aus der Apotheke. Allerdings sollte man auf Acetylsalicylsäure verzichten, weil diese gerinnungshemmend wirkt und bei frischen Wunden ungünstig ist. Vor einer Kortisongabe gegen die Schwellung raten die Zahnärzte ab. Nur in begründeten Ausnahmefällen, nach Absprache mit dem Zahnarzt, wird Kortison eingesetzt. Gleiches gilt für Antibiotika. Sie sollen nur bei entzündeten Weisheitszähnen eingesetzt werden.

Welche Risiken gibt es?

Die Entfernung der Weisheitszähne ist eine OP und birgt wie jeder Eingriff Risiken. Im Unterkiefer, in der Nähe der Weisheitszähne, verläuft ein Nerv, der bei diesem Eingriff gefährdet sein kann. Wird der Nerv verletzt, fühlt sich die Unterlippe unter Umständen taub an.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 20.02.2013 | 09:20 Uhr

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