Sendedatum: 29.10.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Tinnitus: Wenn eine Fistel dahintersteckt

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Eine Ultraschalluntersuchung liefert Hinweise auf eine Fistel.

Ein quietschendes Ohrgeräusch (Tinnitus), das immer häufiger, vor allem bei körperlicher Anstrengung und nachts auftritt und im Takt des Pulses rauscht, kann die Betroffenen an den Rand der Verzweiflung führen. Lässt sich in den Ohren keine Ursache für das Geräusch finden, könnte ein krankhaft verändertes Blutgefäß hinter dem Ohr dafür verantwortlich sein. Eine Ultraschalluntersuchung kann hier wertvolle Hinweise liefern.

Normalerweise pumpt das Herz das sauerstoffreiche Blut über die Halsschlagadern ins Gehirn. Auf dem Weg dorthin gibt es viele Abzweigungen, die das Blut bis in die hauchdünnen Arterien der Hirnhaut leiten und dort das Gewebe mit Sauerstoff versorgen, bevor es dann wieder von der Vene abgeleitet wird.

Geräusche durch Verwirbelungen im Blutstrom

Als Fistel bezeichnen Ärzte eine Art Kurzschluss zwischen der Arterie und der Vene, über den viel Blut an den kleineren Gefäßen vorbeifließt. Statt durch die engen Haargefäße strömt durch die breitere Fistel viel mehr Blut direkt in die Vene. In unmittelbarer Nähe des Innenohres kommt es zu hörbaren Verwirbelungen im Blutstrom, sodass schließlich jeder Pulsschlag im Ohr dröhnt. Und das ist nicht nur extrem lästig, sondern kann auch lebensbedrohende Folgen haben: Das vermehrt über die Gehirnvenen abfließende Blut kann deren Gefäßwände so stark beanspruchen, dass sie einreißen und gefährliche Hirnblutungen verursachen können.

Therapie: Fistel wird verschlossen

Doch anders als der viel häufigere chronische Tinnitus ist das gefährliche pulssynchrone Ohrgeräusch heilbar: Um die Fistel auszuschalten, schieben Neuroradiologen einen hauchdünnen Schlauch von der Leiste aus bis in die Hirnarterie und verschließen dort die Fistel dauerhaft mit einer klebrigen Flüssigkeit.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Sabine Studt
Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie
Delbrückstraße 2
25541 Brunsbüttel‎

Prof. Dr. Christian Arning, Chefarzt
Abteilung für Neurologie
Asklepios Klinik Wandsbek
Alphonsstraße 14
22043 Hamburg
Tel. (040) 18 18 83 14 14
Fax (040) 18 18 83 16 31

Prof. Dr. Bernd Eckert
Neuroradiologe
Fachbereich Neuroradiologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
Tel. (040) 18 18 81 18 11
Fax (040) 18 18 81 49 17

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.10.2013 | 20:15 Uhr

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