Oft übersehen: Rheuma schädigt Herz
Bei Rheuma handelt es sich um eine Entzündungsreaktion, die auch die Blutgefäße im Herzen oder im Gehirn angreifen kann. Außerdem: Wieviel Fleisch ist gesund?mehr
Opioide sind stark wirksame Schmerzmittel mit morphinartigen Eigenschaften. Sie werden synthetisch hergestellt und unterliegen in den meisten Zubereitunsgformen dem Betäubungsmittelgesetz. Die "Ursubstanz" ist das Morphin. Es ist Hauptbestandteil des Opiums, das aus dem Schlafmohn gewonnen wird.
Immer öfter werden bei Rückenschmerzen Opiate verschrieben. Aus Sicht von Schmerzspezialisten ein Skandal, denn Morphium hilft oft gar nicht gegen Rückenschmerzen.
Die wichtigste Wirkung ist die Linderung von Schmerzen. Nach Operationen, bei schweren Krebsleiden oder am Lebensende sind Opioide zweifelsfrei ein Segen. Doch mittlerweile werden drei Viertel der Tabletten, Pflaster und Sprays in ganz anderen Situationen verschrieben, insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen.
Hier warnen Schmerzexperten vor ihrem unreflektierten und unkontrollierten Einsatz. Eine Studie hat gezeigt, dass die Verordnung von Opioiden in den letzten zehn Jahren außerhalb der Krebstherapie um 37 Prozent gestiegen ist. Und auch die Dosierung hat sich erhöht.
Dabei ist längst bekannt, dass Opioide bei vielen Schmerzformen gar nicht wirken. Insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen haben die starken Schmerzmittel nur eine sehr begrenzte Wirkung. Studien haben gezeigt, dass die Medikamente bei 80 Prozent der Rückenschmerzpatienten nicht sinnvoll sind.
Dafür leiden die Patienten aber unter den Nebenwirkungen, wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Die daraus resultierende Inaktivität ist insbesondere bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen kontraproduktiv. Hier schaden die Medikamente mehr als dass sie nützen. Es kommt vermehrt zu Missbrauch und Abhängigkeit.
Eine Behandlung mit Opioiden sollte alle drei Monate kontrolliert werden. So können Arzt und Patient herausfinden, ob eine langfristige Opioidtherapie sinnvoll ist. Dabei hilft eine Checkliste (siehe unten).
Die Entwöhnung von hohen Morphindosen ist nur unter ärztlicher Kontrolle zu empfehlen, da sie mit starken, unter Umständen lebensbedrohlichen physischen und psychischen Veränderungen einhergehen kann.
Eine moderne Schmerztherapie verfolgt einen multimodalen Ansatz: Die Therapieinhalte setzen sich aus medikamentösen, psychotherapeutischen, physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Komponenten zusammen. Ziel der Behandlung ist neben der Schmerzreduktion vor allem die Wiederherstellung der objektiven und subjektiven Funktionsfähigkeit.
Der Patient soll in seinen Fähigkeiten und seiner Selbstständigkeit gefördert werden. Dabei ist die Vereinbarung klar definierter Therapieziele von großer Bedeutung. Sie dienen zum einen den Betroffenen als Orientierung und Erwartungshorizont und zum anderen den Therapeuten als Maß für den Therapieerfolg.
Die Dokumentation erfolgt am besten mithilfe einer Schmerzskala. Auf einer Skala von null bis zehn, bedeutet null keine Schmerzen und zehn stärkste vorstellbare Schmerzen. Schmerztagebücher helfen bei der Dokumentation von Schmerzintensität, Belastung sowie dem Auftreten von Nebenwirkungen und der Medikamenteneinnahme selbst.
Die Erfolge der multimodalen Schmerztherapie sind gut. Sie bindet den Patienten aktiv in das Behandlungskonzept ein und geben ihm die Kontrolle über seinen Körper und die Beschwerden zurück.
Was Arzt und Patient bei der regelmäßigen Kontrolle der medikamentösen Schmerztherapie mit Opioiden besprechen sollten:
1. Schmerz: Verringern die Medikamente den Schmerz? Wie lange? Wie stark? Schmerzstärke messen mit Hilfe einer Schmerzskala von eins bis zehn, im Schmerztagebuch notieren!
2. Aktivität: Wird die Beweglichkeit durch das Medikament besser? Welche Besorgungen des Alltags können Sie erledigen (Einkauf, Haushalt, Hobbys)? Sind Sie arbeitsfähig? Gibt es Einschränkungen bei Lust und Sexualität? Wie gut können Sie schlafen? Gibt es Besuche und Kontakte mit Nachbarn, Freunden, Familie?
3. Nebenwirkungen: Wie ist der Stuhlgang? Fühlen Sie sich verstopft? Machen die Opioide besonders müde? Haben Sie Schwindelgefühle? Sind Sie gestürzt? Können Sie sich ausreichend konzentrieren?
4. Hinweise auf beginnende Abhängigkeit: Nehmen Sie die Mittel, um besser schlafen zu können? Haben Sie zwischenzeitlich die Dosis erhöht? Wären Sie mit einer Verringerung der Dosis einverstanden? Haben Sie das Gefühl, sie bräuchten mehr oder ein schneller wirksames Opioid? Versuchen Sie die Schmerzen zusätzlich mit Alkohol zu bekämpfen? Nehmen Sie weitere Medikamente wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel? Bekommen Sie weitere Rezepte von einem anderen Arzt? Gehen immer wieder Rezepte verloren? Kommt es in Beruf oder Familie zunehmend zu Konflikten und Streitereien?
5. Stimmung: Wie steht es um Ihr Gefühlsleben? Fühlen Sie sich gedrückt, ängstlich oder depressiv? Ziehen Sie sich zurück?
Erstellt in Anlehnung an die Leitlinie "Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen".
Im Studio:
Prof. Dr. Rainer. Sabatowski
Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin
USC - UniversitätsSchmerzCentrum
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Tel. (0351) 458 33 54
Fax: (0351) 458 43 89
E-Mail: schmerzambulanz(at)uniklinikum-dresden.de
Im Beitrag:
Prof. Dr. Dr. Joachim Nadstawek
Leiter der Schmerzambulanz
Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
53127 Bonn
Tel. (0228) 28 71 41 49
E-Mail: joachim.nadstawek(at)ukb.uni-bonn.de
Prof. Dr. Christoph Maier
Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin
Leitender Arzt der Abteilung für Schmerzmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel. (0234) 302 63 66
E-Mail: schmerzklinik(at)bergmannsheil.de
Dr. Martin Gleim
Leiter der Interdisziplinären Schmerz- und Palliativambulanz
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Schwanenweg 21
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 29 82
E-Mail: martin.gleim(at)uksh.de