Sendedatum: 11.09.2012 17:30 Uhr  | Archiv

Die Macht des Tabaks

von Sandra Aïd
Bild vergrößern
Von den 20 Millionen Rauchern in Deutschland rauchen 77 Prozent täglich bis zu 20 Zigaretten.

Rauchen gilt in den Industrieländern als die Hauptursache für Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall. Und doch kann jeder Vierte in Deutschland nicht davon lassen. Bundesweit gibt es 20 Millionen Raucher. Nur die wenigsten begnügen sich dabei mit der gelegentlichen Zigarette nach der Arbeit oder auf Feiern. 77 Prozent rauchen täglich bis zu 20 Zigaretten, 16 Prozent sogar noch mehr. Fast immer kommen Raucher schon im Alter zwischen 14 und 20 Jahren mit dem ersten Glimmstängel in Berührung. Aus der anfänglichen Neugierde wird schnell eine Abhängigkeit. Denn wer als Kind oder Jugendlicher zu rauchen beginnt, schafft den Ausstieg meist erst nach mehreren Jahrzehnten.

Mehr als 3.500 chemische Stoffe im Zigarettenrauch

Geraucht werden überwiegend Zigaretten. Zigarren, Pfeifen- oder Kautabak spielen im Gesamtkonsum praktisch keine Rolle. Der Rauch, der beim Ziehen an der Zigarette entsteht, enthält mehr als 3.500 chemische Stoffe und Gase. Davon besonders schädlich sind unter anderem Kohlenmonoxid, Cyanwasserstoff, Benzol und Schwermetalle wie Cadmium, Nickel oder Blei. Mehr als 40 Substanzen wirken krebserregend und gefährden nicht nur Raucher, sondern auch Nichtraucher. Auch sie atmen häufig unfreiwillig den Dunst ein und rauchen passiv mit.

Nikotin heißt der Wirkstoff, der abhängig macht. Er gelangt über die Lunge ins Blut und erreicht nach etwa zehn Sekunden das Gehirn. In größeren Mengen wirkt Nikotin beruhigend und entspannend. Dennoch ist es ein starkes Gift. Beim allerersten Zigarettenzug reagiert der Körper daher mit Husten, Brechreiz, Kopfschmerzen oder Schweißausbruch. Wer weiter raucht, gewöhnt seinen Organismus an den Schadstoff und wird nach und nach davon abhängig.

Rauchen - eine unterschätzte Gefahr

Mehr als 40 Substanzen im Rauch der Zigarette wirken krebserregend.

In Deutschland sterben jährlich etwa 110.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, etwa 3.300 durch Passivrauchen. Im Schnitt sinkt die Lebenserwartung von Rauchern um zehn Jahre. Anders als bei Alkohol oder illegalen Drogen wie Heroin löst der Glimmstängel keinen Rausch aus. Doch die langfristigen Folgen der Tabakabhängigkeit sind verheerend. Das Risiko für Lungen-, Kehlkopf-, Mundhöhlen- und Speiseröhrenkrebs ist bei Rauchern mindestens doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern. Dabei steigt das Lungenkrebsrisiko mit der Zahl der gerauchten Zigaretten stark an. Auch andere Lungenerkrankungen treten beim regelmäßigen Qualmen deutlich häufiger auf. Außerdem führt das Rauchen dazu, dass sich Blutgefäße verengen und verkalken. Die Folge sind schwerwiegende Durchblutungsstörungen, insbesondere der Herzkranzgefäße.

Aufhören: Ja, aber wie?

Zum Aufhören ist es nie zu spät. Mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland haben dem Rauchen erfolgreich abgeschworen. Der Entzug erfordert aber einen starken Willen und gelingt vielen Rauchern nicht auf Anhieb. Wer mit dem Rauchen aufhört, reagiert oft gereizter, aggressiver oder ängstlicher auf Situationen und hat meist mehr Hunger. Unruhe, Konzentrations- und Schlafstörungen sind weitere Entzugserscheinungen. Entwöhnungsmittel wie Nikotinpflaster und -kaugummis ersparen diese Wirkungen und erleichtern in der ersten Zeit den Ausstieg. Bei schwerer Nikotinabhängigkeit empfehlen Experten Nikotinsprays oder -inhalate. Alle Entwöhnungsmittel sind nicht verschreibungspflichtig und können in der Apotheke gekauft werden. Seit Kurzem werden auch elektronische Zigaretten in Tabakläden und im Internet angeboten.

Schluss mit dem Qualm

In einem zweiten Schritt müssen Raucher ihre Gewohnheit überwinden. Das gelingt am besten durch die Unterstützung von Familie und Freunden und indem sie bewusst ihr Verhalten ändern, also zum Beispiel nach dem Essen statt nach einer Zigarette lieber nach einem Bonbon greifen.

Wer sich über die verschiedenen Behandlungsmethoden informieren möchte, kann sich an die jeweilige Landesstelle für Suchtfragen oder an seine Krankenkasse wenden.

Karte: Sucht-Beratungsstellen im Norden

Dieses Thema im Programm:

11.09.2012 | 17:30 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/nikotinsucht101.html