Sendedatum: 27.11.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Schlechte Messgeräte: Gefahr für Diabetiker

Diabetiker müssen regelmäßig ihren Blutzucker prüfen. Dabei sind sie auf die genauen Ergebnisse ihrer Messgeräte angewiesen. Denn bei falscher Messung wird die notwendige Insulinmenge falsch berechnet - schlimmstenfalls kann es zu einem bedrohlichen Unterzucker kommen, eine Bewusstlosigkeit droht.

Besonders beim Autofahren ist das gefährlich. Auch kann es zu Stürzen mit schlimmen Folgen kommen. Tritt eine Bewusstlosigkeit häufig auf, können sogar Gehirnzellen absterben.

30 Prozent der Messgeräte zeigen falschen Blutzuckerwerte

Eine Studie des Instituts für Diabetes-Technologie zeigt: Ungenaue Messgeräte, die unkorrekte Werte anzeigen und so zu falschen Insulingaben führen sind leider keine Seltenheit. In einem Test wurden 27 Geräte getestet, nur 16 erfüllten die Genauigkeitsanforderungen der Forscher voll. Das heißt, circa ein Drittel der über 30 Geräte auf dem Markt misst ungenau - mit einer Abweichung von 15 Prozent.

Diese Geräte erfüllten die Anforderungen der Forscher:

Accu-Chek Active, Accu-Chek Aviva, Ascensia Contour, Bionime Rightest GM101, Bionime Rightest GM300, Finetest,  FreeStyle Freedom, FreeStyle Lite, GlucoCard-X-Meter, OneTouch Ultra 2, OneTouch Ultra Easy, Optium Xceed (E), Optium Xceed (F), SensoCardPlus, SmartLAB sprint, Wellion Linus
Getestet wurde eine Stichprobe von 27 Geräten.

Informationen zum Test finden Sie hier als PDF zum Herunterladen.

CE-Prüfsiegel gibt keinen Aufschluss über Genauigkeit

Zwar tragen alle Geräte das europäische CE-Prüfsiegel, doch das bezeichnet nur die erfüllten Giftigkeits- und Umweltstandards. Die Genauigkeit wird dabei nicht überprüft. Hat ein Gerät jedoch erst einmal das CE-Zeichen, darf es für immer produziert und verkauft werden.

Visite macht den Test

Visite hat vier Diabetes-Patienten gebeten, ihre Messgeräte zu überprüfen. Die Werte wurden mit denen verglichen, die geeichte Geräte der Berliner Charité anzeigen. Zwei von vier Geräten lieferten dabei falsche Werte - und die Gefahr gefährlichen Unterzuckers gleich mit. Für Patienten steigt mit solchen Daten die Unsicherheit.

Doch solange die EU nicht strengere Prüfkriterien für die Messgeräte beschließt, können Hersteller weiter Geräte, die ungenaue Ergebnisse liefern, auf den Markt bringen. Diabetikern bleibt nur eines: Sie können die Werte ihrer Geräte mit den Messgeräten in ihrer Arztpraxis vergleichen.

Fehlerquellen zuhause ausschließen

Außerdem sollten Patienten bei ihrer Messung zuhause versteckte Fehlerquellen ausschließen:

  • Selbst kleinste Zuckerreste an den Fingern können das Testergebnis verfälschen. Darum vor der Messung immer gut die Hände waschen.

  • Die Dose mit den Teststreifen immer gut verschließen, Luftfeuchtigkeit stört die feinen Sensoren.

  • Den Blutstropfen zügig ans Messgerät halten. Vorsichtshalber können Patienten ihren Arzt beim nächsten Besuch um eine Parallelmessung bitten, damit sie nicht in eine unliebsame Unterzuckerung geraten. 

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Andreas Pfeiffer
Direktor Endokrinologie, Campus Benjamin Franklin
Caroline Ebert, Diabetes-Beraterin
Medizinische Klinik für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin
Tel.(030) 84 45 21 14
Fax (030) 84 45 42 04

Autorin des Fernsehbeitrags:
Tina Roth

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.11.2012 | 20:15 Uhr

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