Sendedatum: 29.10.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Wenn die Off-Label-Therapie nicht bezahlt wird

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Die Krankenkassen tolerieren eine Off-Label-Therapie häufig nur, wenn die eingesetzten Medikament günstig sind.

Menschen mit einer seltenen Krankheit haben häufig ein großes Problem: Es gibt keine zugelassenen Medikamente, die ihnen helfen können. Zum Glück kommt es aber immer wieder vor, dass sich Wirkstoffe, die eigentlich für die Behandlung anderer, häufigerer Krankheiten zugelassen sind, auch bei den seltenen als hilfreich erweisen. Ärzte können diese Medikamente dann auch außerhalb ihres eigentlichen Zulassungsbereichs einsetzen.

Teure Therapien werden meist verweigert

Vielen Patienten kann mit einer solchen Off-Label-Therapie geholfen werden. Doch die Krankenkassen scheinen dieses Verfahren in der Regel nur dann zu tolerieren, wenn die Off-Label eingesetzten Medikamente günstig sind. Vor allem bei teuren Therapien verweigerten sie oft die Kostenübernahme, so die Mediziner.

Einige der mehr als 200 rheumatisch entzündlichen Erkrankungen sind so selten, dass für sie überhaupt keine Medikamente zugelassen sind. Zudem vertragen Rheumapatienten oft die gängigen Präparate nicht, sodass sie besonders häufig auf Off-Label-Therapien angewiesen sind.

Auch für viele Kinder ist die Off-Label-Therapie die einzige Möglichkeit, denn obwohl die Behandlung mit modernen Rheumamitteln sehr gute Ergebnisse bei jungen Rheumapatienten erreicht, ist bisher keines dieser Medikamente für den Einsatz im Kindesalter zugelassen. In vielen Fällen lehnen die Kassen auch hier die  Anträge auf Kostenübernahme ab.

Was können Betroffene tun?

Verordnet der Arzt das Mittel trotzdem, droht ihm ein Regress. Besonders bei teuren Rheumatherapien ein großes Risiko für die Praxis. Rheumatologen stehen daher häufig vor wirtschaftlichen, ethischen sowie rechtlichen Problemen.

Betroffenen Patienten raten Experten,  die Ablehnung der Kostenübernahme durch die Kasse nicht hinzunehmen und eindeutig formulierte Gutachten mehrerer auf diesem Gebiet erfahrener Experten einzuholen.

Interviewpartner im Beitrag:

Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Christof Iking-Konert
Internist, Rheumatologe
III. Medizinische Klinik und Poliklinik
(Nephrologie, Rheumatologie - Nierentransplantation - Sektion Endokrinologie/Diabetologie)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Im Beitrag:
Ann Marini
Stellvertretende Pressesprecherin
GKV-Spitzenverband
Reinhardtstraße 30
10117 Berlin

Dr. Ivan Foeldvari, Kinderrheumatologe                                                                
Hamburger Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie an der
Schön Klinik Hamburg Eilbek, Haus 8, Raum 215
Dehnhaide 120
22081 Hamburg

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.10.2013 | 20:15 Uhr

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