Sendedatum: 13.05.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Kaugummis: Ersatz für die Zahnbürste?

von Beatrice von Mangoldt
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Mit Kaugummis die Zähne pflegen - ist das wirklich so einfach? Markt stellt die beliebten Produkte auf die Probe.

Im Mund sind sie für viele ein Genuss, unter der Schuhsohle aber oft ein Ärgernis: Kaugummis. Das Kauen ist jedenfalls ein Volkssport geworden. In Deutschland schiebt sich im Durchschnitt jeder 100 Kaugummis pro Jahr zwischen die Zähne. Die Kaugummi-Industrie machte hierzulande im vergangenen Jahr 651 Millionen Euro Umsatz.

Kaugummis regen den Speichelfluss an

Das Kauen zuckerfreier Kaugummis unterstützt die Zahnhygiene, denn es regt die Speichelproduktion an. Die Spucke spült Säuren und Zucker von den Zähnen. "Alles was uns im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, erzeugt einen ähnlichen Effekt. An eine Zitrone zu denken zum Beispiel", sagt Zahnärztin Katrin Tröber. Es sind also nicht in erster Linie die Inhaltsstoffe der Zahnpflege-Kaugummis, die den Säuregehalt regulieren. Allein das Kauen erhöht die Speichelproduktion.

Belastung für das Kiefergelenk

Die Kaugummi-Hersteller empfehlen nach jedem Essen und Trinken Kaugummi zu kauen, und das für mindestens 20 Minuten. So könne Karies vorgebeugt werden. Einen Nachteil kann intensives Kauen allerdings haben: "Das Kiefergelenk ist immer in Leerbewegung, die Muskulatur wird dadurch belastet und die Kauflächen nutzen sich bei übermäßigen Kaugummikauen eventuell sogar zu stark ab", sagt Katrin Tröber. Manche Hersteller versprechen sogar weißere Zähne. Doch Kaugummis können höchstens verhindern, dass sich Zahnbeläge festsetzen. Die Kaugummis enthalten keine Bleichmittel und beseitigen deshalb keine Verfärbungen.

Geschichte des Kaugummis

Thomas Adams gilt als Vater des Kaugummis. Er mischte Chicle  - ein Stoff aus dem Saft des  mittelamerikanischen Sapotillbaumes - mit Zucker und begann 1872 mit der industriellen Herstellung des Verkaufsschlagers "Adams New York No. 1".  Noch heute gilt "Adams" deshalb in einigen Ländern als Synonym für Kaugummi. In ganz Amerika wurde das Kaugummi durch William Wrigley junior bekannt. Der Seifen- und Backpulverfabrikant setzte kreative Werbemethoden ein, ließ zum Beispiel 1915 an jeden, der in den Vereinigten Staaten im Telefonbuch stand, Kaugummistreifen verschicken.

Anregend für den Darm - bis zum Durchfall

Britische Wissenschaftler haben in einer Studie herausgefunden, dass Kaugummikauen nach einer Darm-Operation die Darmtätigkeit wieder in Gang bringen kann. Doch Vorsicht: Zu viele zuckerfreie Kaugummis können Bauchschmerzen hervorrufen. Denn sie enthalten Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit. Zu viel davon kann zu Blähungen und Durchfall führen.

Teure Reinigung: Städte bestrafen Ausspucken

Wer achtlos Kaugummis ausspuckt, beschert Städten und Kommunen hohe Kosten. Denn die Reinigung der Straßen und Plätze schafft die normale Stadtreinigung nicht. Die ausgespuckten Kaugummis verbinden sich als schwarze Flecken so stark mit dem Asphalt, dass Spezialreinigungsfirmen anrücken müssen. Allein der Jungfernstieg in Hamburg wird jedes Jahr für mehrere Zehntausend Euro gereinigt. Wer sich beim Ausspucken der Kaugummis erwischen lässt, für den kann es teuer werden. Die Höhe der Bußgelder variiert von Stadt zu Stadt und liegt zwischen 15 und 50 Euro. Ein Problem haben die Mitarbeiter des Ordnungsamtes allerdings: Sie müssen die Übeltäter auf frischer Tat ertappen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 13.05.2013 | 20:15 Uhr

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