Sendedatum: 08.01.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Kapuzinerkresse: Alternative zu Antibiotika

Kapuzinerkresse kennen die Meisten vor allem als hübsche Gartenpflanze oder essbare Verzierung auf Salaten. Doch diese Pflanze sieht nicht nur toll aus, sie hat noch mehr zu bieten: Neben viel Vitamin C enthält sie Stoffe, die so heilsam sind, dass die Kresse zur Arzneipflanze 2013 gewählt wurde.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt: Kapuzinerkresse kann eine echte Alternative zu Antibiotika sein. Und da diese immer öfter versagen, setzen Forscher nun große Hoffnungen in die Pflanzenkraft, die es auch mit multiresistenten Keimen aufnimmt. Gegen diese Erreger sind die gängigen Antibiotika wirkungslos - viele Tausend Patienten pro Jahr sind deshalb schweren Wundinfektionen oder Lungenentzündungen ausgesetzt, gegen die es derzeit keine wirksamen Medikamente mehr gibt.

Senföle können Bakterien abtöten

Einen Ausweg könnten pflanzliche Wirkstoffe sein, denn es gibt eine ganze Reihe von Pflanzen, die gegen Bakterien, Pilze oder sogar Viren wirksam sind. So können die schmackhaften scharf-süßlichen Senföle der Kapuzinerkresse gleich mehrere Bakterienarten abtöten. Die Pflanze nutzt Senföle als Schutzmittel gegen Parasiten: Sobald ein Blatt verletzt wird, setzt es Senföl frei. Heidelberger Forscher haben in einer Studie gezeigt, dass die Senföle aus der Kapuzinerkresse zusammen mit Meerrettich eine hervorragende Wirkung bei Harnweginfekten haben. Auch Meerrettich enthält Senföle, allerdings andere als die Kresse. So bekämpfen die beiden Pflanzen gemeinsam ein breites Spektrum an Bakterien.

Tiere kennen diese Wirkung schon lange. So fressen Pferde, die eine Hufentzündung haben, intuitiv Meerrettichwurzeln und bekämpfen so die schmerzhafte Entzündung. Das gab dem Meerrettich auch seinen englischen Namen Horseradish - Pferderettich. Bei leichten und mittelschweren Harnweginfekten wirkt die Behandlung mit Senfölen aus Kapuzinerkresse und Meerrettich mindestens so gut wie herkömmliche Antibiotika. Die Senföle werden zu fast 80 Prozent über den Urin wieder ausgeschieden - daher bleiben sie lange in der Blase und können so die Bakterien direkt vor Ort bekämpfen.

Viele Kräuter mit heilender Wirkung

Kresse-Präparate eignen sich auch zur Vorsorge, wenn Patienten immer wieder von Harnweginfekten geplagt werden. Auch andere Pflanzen haben Heilkräfte: Die ätherischen Öle aus Thymian und Rosmarin sowie die Gerbstoffe des Salbei helfen bei Atembeschwerden. Koriander kann bei Neurodermitis helfen. Knoblauch tötet Bakterien ab, auch Cranberrys und Blaubeeren sind als wirksame Mittel gegen Harnweginfekte bekannt.

Die gefährlichen Bakterien können gegen die Pflanzenwirkstoffe nicht so schnell Resistenzen bilden wie gegen moderne Antibiotika. Die Pflanzen haben ihre Abwehrmechanismen in Millionen Jahren entwickelt und verfeinert – in dieser Zeit ist es den Keimen nicht gelungen, sich dagegen zu wehren. Und es gibt noch einen Grund, warum die pflanzlichen Antibiotika bei leichten und mittelschweren Infektionen häufiger eingesetzt werden sollten: Auf diese Weise gewöhnen sich die Bakterien nicht an die starken chemischen Antibiotika und diese bleiben länger wirksam für die Behandlung schwerer, lebensbedrohlicher Infekte.

Interviewpartner im Beitrag

Prof. Dr. Uwe Frank
Leiter der Sektion Krankenhaus- und Umwelthygiene
Department für Infektiologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 324
69120 Heidelberg
Tel. (06221) 56 82 08

Dr. Julia Bäumer
Fachärztin für Urologie und Andrologie, Homöopathie und Naturheilverfahren
Privatpraxis für Urologie und Naturheilverfahren
Dockenhudener Straße 27
22587 Hamburg
Tel. (040) 86 69 31 60
Fax (040) 86 69 31 61

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