Falsche Krebsdiagnose
Über die Behandlung eines Krebspatienten entscheidet der Pathologe nach der Untersuchung von Gewebeproben. Doch auch Pathologen können irren. Ist eine Zweitmeinung sinnvoll?mehr
Frauenherzen schlagen anders als die von Männern - auch in medizinischer Hinsicht: Frauen sterben doppelt so häufig am Herzinfarkt wie Männer. Der Grund dafür ist, dass der Infarkt bei Männern meist schneller erkannt und behandelt wird, da sie über typische Beschwerden wie Brust- und Armschmerzen klagen. Bei Frauen dagegen kündigt sich der Infarkt eher mit unspezifischen Symptomen an: 40 Prozent der betroffenen Frauen leiden an Schmerzen im Oberbauch, zwischen den Schulterblättern sowie in Hals und Nacken oder Übelkeit. Das wird oft nicht mit einem möglichen Herzinfarkt in Verbindung gebracht - weder von den Betroffenen noch von den Ärzten.
Bei Frauen wird ein Infarkt oft viel zu spät erkannt. Denn in vielen Fällen kündigt er sich mit ganz unspezifischen Symptomen an, wie beispielsweise Rückenschmerzen oder Übelkeit.
Im Durchschnitt kommen Frauen mit Herzbeschwerden eine halbe Stunde später in die Klinik als Männer. Obwohl in dieser Situation jede Minute zählt, verzögert sich so der Behandlungsbeginn. Statt einer sofortigen Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mit dem Herzkatheter bekommen Frauen oft zunächst Spritzen gegen Übelkeit, Tabletten oder Asthmaspray gegen die Luftnot.
So geht viel Zeit verloren und das minderdurchblutete Herzmuskelgewebe stirbt ab. Hinzu kommt, dass die typischen Infarktzeichen im EKG und die Laborwerte bei Frauen oft viel weniger ausgeprägt sind als bei Männern. Die Folge: Frauen werden oft nicht so intensiv und gut behandelt, eher wieder weggeschickt, denn bei ihnen erwartet man einen Herzinfarkt nicht.
Dabei ist der Herzinfarkt keine Männerkrankheit - Herz-Kreislauferkrankungen sind auch bei Frauen die häufigste Todesursache. Während die Sterberate bei Männern seit Jahren zurückgeht, ist sie bei Frauen unverändert hoch. Das liegt auch am geänderten Risikoverhalten: Männer verzichten inzwischen immer mehr auf Zigaretten, Frauen dagegen rauchen heute mehr als früher, hinzu kommen weitere Risikofaktoren wie die Antibabypille, Bluthochdruck und Übergewicht.
Obwohl in der Medizin die geschlechtsbedingten Unterschiede bekannt sind, sind viele Ärzte noch unsicher. Ein Frauenherz pumpt nicht nur anders, auch die Gefäße sind unterschiedlich: Durchmesser und Fläche der Arterien sind bei Frauen kleiner und dünner, sie verlaufen häufiger geschlängelt, neigen auch vermehrt zu Rissen. Warum die Beschwerden so unterschiedlich und diffus sind, ist noch nicht geklärt.
Auch bei der Herzschwäche gibt es große Unterschiede: Bei älteren Frauen liegt oft eine Dehnbarkeitsstörung des Herzens vor, während bei Männern die Pumpfunktion vermindert ist. Beides muss unterschiedlich behandelt werden. Das sogenannte Taku-Tsubo-Syndrom, eine extrem stressabhängige Herzkrankheit, bekommen zu 90 Prozent Frauen. Durch die geringere Aussagekraft des EKGs sind Bluttests sowie Ultraschalluntersuchungen bei Frauen umso wichtiger, betonen Experten.
Auch bei der vorbeugenden Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen gibt es große Unterschiede, denn Frauen reagieren anders auf Medikamente. Eine große Studie hat gezeigt: Aspirin wirkt bei Männern präventiv, bei Frauen dagegen überhaupt nicht. Bei Digitalispräparaten leiden Frauen unter deutlich stärkeren Nebenwirkungen als Männer - bis hin zu Todesfällen, wenn die Dosierung nicht an das Geschlecht angepasst wird.
Andererseits werden viele Medikamente vor der Zulassung gar nicht oder zu wenig an Frauen erprobt. Ein Grund dafür sind die weiblichen Hormonschwankungen, die Studien für die Arzneimittelhersteller erschweren. Doch die Hormonschwankungen treten auch im Alltag der Frauen auf und deshalb fordern Experten, dass Medikamente unbedingt unter Realbedingungen beider Geschlechter getestet werden, bevor sie auf den Markt kommen - doch rechtlich verpflichtet sind die Hersteller dazu nicht.
Im Studio:
PD Dr. Renate Schnabel
Oberärztin
Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Hamburg (UHZ) GmbH
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Im Beitrag:
Dr. med. Melanie Hümmelgen
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66
20246 Hamburg