Sendedatum: 17.09.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Umstrittene OP gegen Inkontinenz

Viele Frauen kennen das: Sie können ihre Blase in bestimmten Situationen nicht mehr richtig kontrollieren. Kleine Erschütterungen oder eine kurze Anstrengung genügen oft schon. Oft treten die Beschwerden auf, wenn es nach der Geburt eines Kindes zu einer Gebärmuttersenkung kommt.

Manche Betroffene leiden darunter so sehr, dass sie sich die Gebärmutter entfernen und ein sogenanntes Inkontinenz-Netz einsetzen lassen. Das Netz soll wie eine Hängematte die Blase stützen und wird an vier Stellen an der Beckenwand fixiert. Im Laufe der Zeit wächst Bindegewebe in das Netz ein und umschließt es schließlich komplett.

Betroffene leiden oft unter starken chronischen Schmerzen

Doch die vor einigen Jahren auf den Markt gebrachten Synthetik-Netze haben bei vielen Frauen zu neuen, schlimmeren Problemen geführt. Viele Frauen leiden nach der Implantation eines künstlichen Netzes unter starken chronischen Beschwerden, die häufig das Sexualleben massiv beeinträchtigen und auch beim Stuhlgang Schmerzen verursachen.

Entfernung des Netzes meist nicht möglich

Wer ein solches Netz im Körper trägt, hat meist keine Möglichkeit, es vollständig wieder entfernen zu lassen, denn eine solche sogenannte Explantation wäre hochriskant. Den betroffenen Frauen bleibt dann nur eine Schmerztherapie, um ihre Beschwerden zu lindern.

Mittlerweile gibt es mehr als 150 verschiedene Netze auf dem Markt, die mit großen Versprechungen beworben werden. Doch Experten empfehlen ihren Einsatz nur in Einzelfällen, wenn andere Verfahren nicht geholfen haben.

Welche Alternativen gibt es?

In den meisten Fällen von Inkontinenz lassen sich die Beschwerden durch Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Biofeedback, Gewichtsabnahme, Medikamente oder Pessare beseitigen. Wenn die Inkontinenz aber tatsächlich durch eine Senkung verursacht ist, hilft nur eine Operation. Doch das Spektrum der möglichen Verfahren ist groß: Es reicht von der einfachen Raffung der vorderen oder hinteren Scheidenwand über verschiedene Techniken, die den Beckenboden durch eingesetzte Bänder wieder stabilisieren bis hin zur Fixierung von Scheidenende und Gebärmutterhals im Bereich der Kreuzbeinhöhle. Spannungsfreie Bänder (TVT-Bänder) stützen die Harnröhre und bieten ein Widerlager, sodass kein Urin verloren wird. Botox-Injektionen helfen dagegen nur bei Funktionsstörungen der Blase (Dranginkontinenz), nicht aber bei einer Senkung.

Frauen, die unter Urinverlust leiden, sollten sich in einem Kontinenz- und Beckenbodenzentrum beraten lassen. Denn fast immer lässt sich eine Inkontinenz zuverlässig beseitigen.

Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Gerhard Gebauer
MHM, MBA
Chefarzt für Frauenheilkunde Gynäkologische Onkologie und Mammachirurgie
Leiter Gynäkologisches Krebszentrum
Kath. Marienkrankenhaus GmbH
Alfredstraße 9
22087 Hamburg
Tel. (040) 25 46 16 02
Fax (040) 25 46 16 00

Im Beitrag:
Dr. Süha Alpüstün
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Ltd. Oberarzt Frauenklinik
Krankenhaus Reinbek St. Adolf Stift
Hamburger Straße 41
21465 Reinbek
Tel. (040) 72 80 35 00
Fax (040) 72 80 24 40

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.09.2013 | 20:15 Uhr

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