Sendedatum: 07.08.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Inkontinenz: Männern kann geholfen werden

Den Urin nicht mehr halten zu können, ist für viele Menschen ein Problem. Vor allem Frauen haben mit zunehmendem Alter immer häufiger mit Blasenschwäche zu kämpfen. Doch in fast allen Fällen ist diese Inkontinenz gut behandelbar - dabei reicht das Spektrum vom Beckenbodentraining über verschiedenste Pessare und Medikamente bis hin zu kleineren und größeren Operationen, die das Problem dauerhaft beseitigen. Oft leiden die Betroffenen aber lange unnötig, weil sie aus falscher Scham nicht zum Arzt gehen und stattdessen lieber jahrelang Vorlagen in der Drogerie kaufen.

Männer leiden zwar normalerweise viel seltener unter Inkontinenz, wenn jedoch  aufgrund einer Krebserkrankung die Vorsteherdrüse (Prostata) entfernt werden muss, ist eine anschließende Inkontinenz eine ebenso gefürchtete wie häufige Nebenwirkung dieser lebensrettenden Operation. Etwa jeder zweite Patient kann nach der radikalen Prostataentfernung den Urin nicht mehr halten. Bei einer Strahlentherapie der Prostata kann Narbengewebe die Harnröhre so verengen, dass ein normales Wasserlassen nicht mehr möglich ist. Oft kommt es bei der operativen Entfernung dieses Narbengewebes ebenfalls zur Inkontinenz, wenn der äußere Blasenschließmuskel in Mitleidenschaft gezogen wird.

Enorme Belastung für Betroffene

Für die betroffenen Männer ist das eine enorme Belastung, denn ihnen hilft weder Beckenbodentraining noch ein Pessar. Auch die sogenannte Cunningham-Klemme, mit der sich die Harnröhre stundenweise von außen abklemmen lässt, ist auf Dauer keine Lösung, da sie auch die Blutversorgung des Penis beeinträchtigt. Die Patienten müssen also entweder einen Dauerkatheter mit Urinbeutel am Bein tragen oder Windeln benutzen.

Implantation eines künstlichen Schließmuskels

Der einzige Weg, die Kontinenz wieder herzustellen, ist die Implantation eines künstlichen Schließmuskels. Dieser besteht aus einer winzigen Pumpe, einem Flüssigkeitsreservoir und einer  Manschette. Diese  Manschette wird um die Harnröhre gewickelt und mit einer Flüssigkeit befüllt. Dadurch dehnt sie sich aus und verschließt so die Harnröhre.

Die Manschette wiederum ist mit einer Pumpe verbunden, die im Hodensack implantiert wird, im Bauchraum neben der Blase wird außerdem ein Flüssigkeitsreservoir eingesetzt. Soll die Blase geleert werden, muss der Patient nur den Pumpenschalter im Hoden drücken.  Dann entweicht die Flüssigkeit aus der Manschette und fließt in das Reservoir. Die Blockierung ist aufgehoben und der Urin kann abfließen.  Ist die Blase leer, fließt die Flüssigkeit aus dem Behälter automatisch zurück in die Manschette und diese blockiert erneut die Harnröhre. Die Patienten können auf diese Weise wieder die volle Kontrolle über ihre Blasenfunktion erlangen.

Interviewpartnerin im Studio:

Prof. Dr. Margit Fisch
Direktorin
Klinik und Poliklinik für Urologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 34 43

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. med. Sascha Ahyai
Oberarzt
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 34 43

Autor des Fernsehbeitrags:
Ulrich Neumann

Dieses Thema im Programm:

Visite | 07.08.2012 | 20:15 Uhr

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